Zecken im Rückzug?

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Rekord: Heuer gab es nur 38 Fälle der “Zeckenkrankheit” FSME in Österreich. 1979 gab es vor Beginn der groß angelegten Impfkampagnen noch 677 Fälle.

Im Jahr 2007 könnte ein neuer Rekord bevorstehen: Bisher wurden Dank der vom nun 80-jährigen Virologen Christian Kunz entwickelten Vakzine nur 38 Erkrankungen registriert. Das könnte einen neuen positiven Rekord darstellen, hieß es am Dienstag bei einer Feier für den emeritierten Vorstand des Instituts für Virologie in Wien.

„Es gibt sicherlich größere Gesundheitsprobleme als die FSME. Es gibt aber kein Gesundheitsproblem in Österreich, das konsequenter und erfolgreicher bearbeitet wurde“, sagte Sozialmediziner Michael Kunze.

Jubilar Kunz, geboren am 13. Oktober 1927 in Linz und bekennender Vöcklabrucker, erhielt von Bundespräsident Heinz Fischer abwärts zu seinem „Runden“ jede Menge Grußbotschaften. Untrennbar verbunden ist der Virologe mit der Erforschung des FSME-Virus. „Im 18. Jahrhundert wurde die Krankheit zum ersten Mal in Finnland beschrieben. 1931 gab es die erste österreichische Beschreibung durch einen Primar in Neunkirchen. 1937 wurde das Virus im Fernen Osten isoliert.“ Wegen der charakteristischen Beschwerden von Lähmungen im Schulterbereich erhielt die FSME auch den Namen „Pecherschlag“, weil eben Waldarbeiter besonders häufig erkrankten.

Kunz: „Weltweit gibt es pro Jahr zwischen 10.000 und 20.000 Fälle von Hospitalisierungen wegen FSME. In Europa sind es rund 3.000.“ Der Virologe erprobte Anfang der 70er Jahre einen ersten Impfstoff aus Osteuropa. Das Ergebnis laut dem Experten, der noch immer arbeitet:
„Alle Geimpften bekamen Fieber, aber keine Antikörper.“ In einem britischen Labor für Arbeiten zur Abwehr chemischer und biologischer Waffen konnte Kunz schließlich 1973 auf mit einem aus Neudörfl in Niederösterreich stammenden FSME-Virus durch Bebrütung von Hühnerembryonen und Abtötung der Viren seine ersten Vakzine herstellen. In den darauffolgenden Jahren impfte er 30.000 Bauern und Waldarbeiter in ganz Österreich. Für allfällige Zwischenfälle haftete Kunz selbst. Er hatte nicht mehr an Versicherung als zehn Million Schilling (726.728 Euro) privat auftreiben können.

„Es gab damals keine Regeln (für klinische Versuche, Anm.). Ich konnte tun, was ich wollte. Es war eine herrliche Zeit“, meinte Kunz ein wenig ironisch am Dienstag. Nur eine Personengruppe war offenbar besonders von Nebenwirkungen betroffen. Der Virologe: „Die Wiener Lehrer, die geimpft wurden, kamen am darauffolgenden Tag zu einem Drittel bis zur Hälfte wegen Fiebers nicht in die Schule.“ Eine von seinem Nachfolger Franz X. Heinz entwickelte Reinigungsmethode für die Vakzine und die Übernahme der industriellen Produktion durch die Wiener Immuno AG (nunmehr Baxter) brachten den Durchbruch.

Die FSME-Vakzine ist auch ein Vorbild für alle anderen Impfstoffe. Kunz zufrieden: „Die Schutzrate beträgt 99 Prozent. Besser geht es nicht. Ich habe nie damit gerechnet, dass der Impfstoff ein so großer Erfolg wird.“

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