Wirbel um Autobahnanbindung "Seestadt Aspern"

Aspern: Die Kosten explodieren.
Aspern: Die Kosten explodieren. - © APA/Georg Hochmuth
Verdreifachung der Kosten und eine Verzögerung um sechs Jahre: Die Asfinag steht unter Beschuss, zumal die Stadt Wien immer noch von 428,3 Millionen Euro ausgeht.

Die kolportierte Verdreifachung der Kosten und mögliche Verschiebung für die Autobahnanbindung des Stadtentwicklungsgebiets “Seestadt Aspern” hat am Freitag für heftige Reaktionen auf der politischen Ebene Wiens gesorgt. Planungsstadtrat Rudolf Schicker (S) unterstrich in Richtung Autobahngesellschaft: “Mit der Stadt Wien ist die Verkehrsfreigabe für 2016 vereinbart und daran hat sich auch die Asfinag zu halten.”

Laut “Presse” sind hingegen die prognostizierten 428,3 Millionen Euro an Kosten nicht mehr zu halten, sondern sollen im schlimmsten Falle auf bis zu 1,2 Milliarden Euro steigen. Auch werde sich die Fertigstellung bis 2022 und damit um sechs Jahre verzögern. In dem Areal, das so groß wie die Bezirke Neubau und Josefstadt zusammengenommen ist, sollen in 20 Jahren rund 20.000 Menschen leben und ebenso viele Arbeitsplätze geschaffen werden.

Nicht mit Ruhm bekleckert

Das acht Kilometer lange Autobahnstück zwischen Südosttangente und Wiener Außenring Schnellstraße (S1) sei deshalb nicht nur für die Menschen im Nordosten Wiens, sondern auch für die Pendler aus dem niederösterreichischen Umland nötig, stellte Schicker klar: “Die Asfinag hat sich heuer schon bei den Sanierungsmaßnahmen am Wiener Autobahnnetz nicht mit Ruhm bekleckert. Es ist höchst an der Zeit, dass sie stadtverträgliche Straßen plant und zeitgerecht umsetzt.”

ÖVP-Planungssprecher Alfred Hoch griff hingegen die Stadtregierung an, die bei der Vorplanung versagt habe: “Es zeigt wieder einmal, dass die Planungsverantwortlichen dieser Stadt nicht in die Lage sind, die für Wien notwendigen Projekte planerisch so durchzuführen, dass ihr reibungsloser Ablauf gesichert ist.” Deshalb sollten Rechnungshof und Kontrollamt sofort eingeschaltet werden, um weitere Pannen auszuschließen.

Milliardengrab Lobautunnel?

Der grüne Umweltsprecher Rüdiger Maresch rechnete hingegen die Kostensteigerung beim gegenständlichen Straßenprojekt auf die geplante Nordost-Umfahrung unter der Lobau um: “Wenn schon ein so einfach zu bauendes Teilstück derartige Mehrkosten verursacht, dann wird der Lobautunnel zum mehrfachen Milliardengrab.” Nach der Asfinag-Rechenmethode erwarte man hier also eventuell vier Milliarden Euro an Kosten.

FPÖ-Gemeinderat Anton Mahdalik forderte einen Baustopp für das Stadtentwicklungsgebiet auf dem Gelände des einstigen Flugfelds Aspern, bis die Autobahnanbindung ausfinanziert sei. Ohne diese stehe den umliegenden Anrainern eine Verkehrshölle durch die neuen Nachbarn bevor.

Autobahnanschlüsse überdenken

Harald Frey, Verkehrswissenschaftler an der Technischen Universität Wien, forderte hingegen am Freitag, nun die geplanten Autobahnanschlüsse des Stadtentwicklungsgebiets grundsätzlich zu überdenken: “Siedlungsgebiete mit Autobahnanschluss sind planerische Ideologien der 50er und 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts.” Dies widerspreche allen Grundsätzen und Leitzielen zukunftsorientierter Verkehrs- und Siedlungsplanung, so Frey in einer Stellungnahme.

www.aspern-seestadt.at

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen