Willi Resetarits im Kino: "So schaut’s aus"

Willi Resetarits: "So schaut's aus" - Filmstill
Willi Resetarits: "So schaut's aus" - Filmstill
Am Ende möchte man ihn am liebsten vom Fleck weg adoptieren. So schaut’s nämlich aus. Denn die “G’schichten vom Willi Resetarits”, die der Filmemacher Harald Friedl in seiner 72-minütigen Doku erzählt, präsentieren den Musiker und Menschenrechts-Aktivisten so liebevoll, dass man ihn richtig ins Herz schließen muss.

Fast ein Jahr nach der TV-Erstausstrahlung zum 60er des Ex-Schmetterlings und Ex-Ostbahn Kurtis (21. Dezember 2008) hat der Film “So schaut’s aus” am Donnerstag (26. November) im Wiener Gartenbaukino seine Kinopremiere. Dazu gibt’s ein Konzert mit Resetarits’ aktueller Band, dem Stubnblues.

Dass man die Stubnblues-Allstars im Film häufiger sieht, musikalische Weggefährten aus legendären “Schmetterling”-Zeiten wie Erich Meixner, Trixi Neundlinger oder Georg Herrnstadt dagegen gar nicht vorkommen, liegt am Konzept des Films, der ab Freitag im Wiener Filmhauskino und im Linzer Moviemento gezeigt wird: Harald Friedl porträtiert Willi Resetarits ausschließlich von der Gegenwart ausgehend. Die große Vergangenheit kommt nur in Erzählungen, dem gemeinsamen Betrachten alter Konzertfotos (etwa des ersten Open Air auf dem Ostbahn XI-Platz) oder dem Anhören alter Ton-Aufnahmen vor. Dafür plaudert Willi beim Besuch seines Heimatortes Stinatz über seine musikalischen Anfänge, singt mit alten Damen kroatische Volkslieder und bekommt im Rückblick auf seine ersten Zeitungs-Porträts zu hören: “So stolz waren wir auf dich!”

Überhaupt – der Stolz und das Dazugehören-Wollen! Nachdem die Brüder Lukas und Willi ihre Studien abgebrochen hatten, musste der Jüngste, ORF-Redakteur Peter, sein Jus-Studium zu Ende bringen, “damit die Mama a Freud hat” (ungeklärt bleibt, ob sie mit den später zurückgelegten Titeln “Doktor der Önologie”, “Professor der Kurtologie” und “Obermedizinalrat” des “Dr. Kurt Ostbahn” genauso glücklich war). Über die Sehnsucht, zwischen Burgenländisch-Kroatien und Wien seinen Platz in der Gesellschaft zu finden (“Ausg’lacht wer’n war entsetzlich!”), erzählt Willi Resetarits immer wieder, u.a. am Bruckhaufen vor der UNO-City, wo er als Bub einiges an wilden Geschichten mitbekommen habe: “Wir aber waren nicht wild, sondern mild!”

Viele, viele schöne, emotionale Momente hat Friedl eingefangen, vom galgenhumoresken Schwadronieren von Willi mit dem um ein Jahr älteren Bruder Lukas über Altherren-Zustände (“So, wir sterben jetzt – auf Wiedersehen!”) bis zu der um einiges jüngeren Partnerin, die davon erzählt, wie schwer es sei, ihren Mann nach Konzerten loszueisen, und wie rasch er danach bei der Heimfahrt auf dem Beifahrersitz ver- bzw. in den Schlummer falle. “Sie sehen den Königstiger in seiner Agonie”, kommentiert Willi Resetarits und streckt sich behaglich auf dem Bett aus. Wie viel positive Energie in diesem leicht ergrauten Königstiger steckt, macht “So schaut’s aus” immer wieder deutlich. Und eine Resetarits-Doku mit ganz viel Archiv-Material hätten wir bitte auch einmal gerne. Spätestens dann zum 65er!

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