Wiens Theater setzen im Herbst auf Entdeckungen und junge Regie

Wiens Theater haben im Kulturherbst einige Uraufführungen zu bieten.
Wiens Theater haben im Kulturherbst einige Uraufführungen zu bieten. - © APA (Sujet)
Im Kulturherbst der Wiener Theater gehen jene Intendanten zwischen Volkstheater, brut Wien und Schauspielhaus Wien, die vergangenen Herbst ihre Funktionen angetreten haben, in die Verlängerung. Hinzu kommt Corinne Eckenstein im Dschungel Wien. In der hohen Uraufführungsdichte finden auch filmische Stoffe und junge Regietalente ihren Weg auf die Wiener Bühnen.

Die erste Saisonpremiere in Wien findet bereits am 1. September statt: Im Theater in der Josefstadt inszeniert Hausherr Herbert Föttinger die Uraufführung der Neuentdeckung “Niemand” von Ödön von Horvath. In dem im Vorjahr von der Wienbibliothek ersteigerten, bisher unbekannten Stück stehen u.a. Florian Teichtmeister, Gerti Drassl und Raphael von Bargen als Teil der 24-köpfigen Personenriege auf der Bühne. Bei dem Werk handelt es sich um ein expressionistisches “Mietshausdrama” mit allerlei zwielichtigen Charakteren. Am 4. September folgt im Akademietheater Becketts “Endspiel”, das als Koproduktion bereits im Sommer bei den Salzburger Festspielen für Begeisterung sorgte. Nicholas Ofczarek und Michael Maertens brillierten in dem von Dieter Dorn inszenierten Kammerspiel des Schreckens. Die Kammerspiele der Josefstadt zeigen ab 8. September eine Theaterversion des Kinohits “Monsieur Claude und seine Töchter”, Folke Braband zeichnet für die Regie der Uraufführung verantwortlich.

Premierenreigen in Wiens Theatern

Tags darauf reiht sich auch das Volkstheater mit der Uraufführung der Bühnenfassung von Katherine Anne Porters Roman “Das Narrenschiff” in den Premierenreigen ein. Dusan David Parizek, der am Haus im Vorjahr die Bühnenfassung von Thomas Bernhards Roman “Alte Meister” zeigte, inszeniert den Stoff rund um die Fahrt eines Passagierdampfers von Vera Cruz nach Bremerhaven, kurz bevor die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernehmen. Mit auf die Reise gehen u.a. Rainer Galke, Stefanie Reinsperger oder Seyneb Saleh. Auf den “frischen Blick” junger Regisseure will Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann heuer fokussieren: Den Anfang macht die Regisseurin Carolin Pienkos mit Shakespeares “Coriolan”, auf der Bühne steht ihr Ehemann Cornelius Obonya neben seiner Mutter Elisabeth Orth und Kollegen wie Sven Dolinski oder Sylvie Rohrer. Premiere im Akademietheater ist am 16. September.

Sicherlich ein Kontrastprogramm bietet man am 20. September im Wiener Rabenhof, wo u.a. Fritz Jergitsch, Gründer des Online-Satireportals “Tagespresse”, in der “Tagespresseshow” auftritt – der “seriösesten News-Show zwischen Zwettl und Seattle, live und in Echtzeit”. Der Dschungel Wien eröffnet am 23. und 24. September seine erste Saison unter der neuen Leitung von Corinne Eckenstein, die auf Stephan Rabl folgt. Am 24. September öffnet schließlich auch das Burgtheater seine Tore: Auf dem Programm steht Goethes Künstlerdrama “Torquato Tasso”, den der 1982 in Finnland geborene Regisseur Martin Laberenz mit u.a. Dorothee Hartinger, Philipp Hauß, Ignaz Kirchner und Andrea Wenzl inszeniert. Tags darauf startet Yael Ronens Produktion “Niemandsland”, das unter Anna Badora einst in Graz Premiere feierte, am Volkstheater. Sein zweite Saison eröffnet Tomas Schweigen am 29. September im Schauspielhaus Wien, das detaillierte Programm der Spielzeit wird erst am 8. September bekanntgegeben. Die letzte September-Premiere bildet schließlich die deutschsprachige Erstaufführung von David Lindsay-Abaires “Mittelschichtblues”, das Ingo Berk auf die Bühnen des Volkstheaters in den Bezirken bringt.

Weiteres Programm im Kulturherbst

Molieres “Der Menschenfeind” steht ab 1. Oktober im Volkstheater unter der Regie des jungen Regisseurs Felix Hafner, der laut Ankündigung einen “frischen Blick auf den Komödienklassiker” werfen wird, auf dem Programm. Das Theater in der Josefstadt bietet ab 6. Oktober Hofmannsthals Lustspiel “Der Schwierige” in der Regie von Janusz Kica, der in der vergangenen Saison Hauptmanns “Vor Sonnenuntergang” als nervöses Generationendrama anlegte. Michael Dangl steht in der Hauptrolle als Hans Karl Bühl auf der Bühne. Nach “am beispiel der butter” und “dosenfleisch” ist “der herzerlfresser” das neueste Stück des Grazers Ferdinand Schmalz, das Alexander Wiegold am 8. Oktober im Akademietheater zur österreichischen Erstaufführung bringen wird.

Den Reigen der zahlreichen Ur- und Erstaufführungen setzt das Volkstheater am 16. Oktober mit Christine Eders “Alles Walzer, alles brennt” fort, die ihre “Untergangsrevue” selbst inszeniert. Die Regisseurin, die zuletzt für die Produktion “Proletenpassion 2015 ff.” mit dem Nestroy-Preis ausgezeichnet wurde, beschäftigt sich in ihrer ersten Arbeit für das Volkstheater anhand von Wiener Biografien mit österreichischer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft(sangst). Interessant wird es am 22. Oktober im Burgtheater, wo Andreas Kriegenburg sich des Lustspiels “Pension Schöller” von Wilhelm Jacoby und Carl Laufs annimmt. Im Oktober bringt man im Kasino auch noch die Uraufführung von Christine Nöstlingers “Lumpenloretta” in der Regie von Martina Gredler auf die Bühne.

Uraufführungen und mehr

Weiter geht es nach diesem dichten Theaterherbst-Auftakt im November u.a. mit der Bühnenadaption des Visconti-Films “Die Verdammten” in der Regie von Elmar Goerden in der Josefstadt (10. November) oder dem Puppen-Musical “Kottan ermittelt” (Regie: Thomas Gratzer) im Rabenhof (17. November). Am 20. November folgt die heurige Regiearbeit von Volkstheater-Hausherrin Anna Badora, die sich Grillparzers “Medea” vorgenommen hat. Noch keinen konkreten Termin gibt es für die nächste Burgtheater-Produktion, die österreichische Erstaufführung von Ayad Akhtars Anti-Rassismus-Drama “Geächtet”, das Tina Lanik inszeniert. Eine Rückkehr aufs Wiener Theaterparkett wagt der ehemalige Volkstheater-Direktor Michael Schottenberg, der an der Josefstadt Nestroys “Das Mädel aus der Vorstadt” inszeniert (Premiere am 1. Dezember). Ein Text von Elfriede Jelinek steht wiederum im Volkstheater auf dem Spielplan: Am 11. Dezember zeigt man dort “Rechnitz (Der Würgeengel)” in der Regie des jungen Serben Milos Lolic, der in Jelineks Text nach den “Übergängen zwischen Party und Exzess, Rausch und Gewalt” suchen will, wie es in der Ankündigung heißt.

Geplant, aber noch ohne fixierte Termine sind bis Weihnachten u.a. noch die bereits einmal verschobene Uraufführung von Thomas Glavinics Theaterdebüt “Mugshots”, das er im Volx/Margareten inszenieren wird; Martin Kusejs Rückkehr ans Burgtheater mit Arthur Millers “Hexenjagd” oder die Visconti-Adaption “Ludwig II.” in der Regie von Bastian Kraft im Akademietheater.

(apa/Red)

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