Wiens Musiktheater im Kulturherbst mit Mozart, Verdi und Anne Frank

Die Staatsoper startet im September mit Verdi.
Die Staatsoper startet im September mit Verdi. - © APA (Sujet)
Der Saisonstart der Wiener Musiktheater steht bevor. Den Auftakt macht mit den Musiktheatertagen ein neues zeitgenössischen Festival im Meidlinger Werk X am 27. August. Im Folgenden ein Überblick der weiteren zu erwartenden Highlights.

Die neue Saison in der Wiener Staatsoper startet am 4. September mit Verdis “Rigoletto”, dem bereits zwei Tage darauf (am 6. September) der traditionelle Tag der offenen Tür samt Technikshow folgt. Auch die erste Premiere einen Monat später, am 4. Oktober, steht im Zeichen von Verdi, wenn dessen “Macbeth” am Programm steht, wofür Alain Altinoglu als Dirigent verpflichtet wurde, während Christian Räth die Regie führt. In der Sängerriege findet sich unter anderem Ferruccio Furlanetto als Banquo. Für die Kinder ist die Wiederaufnahme von Albert Lortzings “Undine” am 17. Oktober angesetzt – nach dem Abbau des Zeltes am Dach des Hauses erstmals im neuen Kinderopernstandort Walfischgasse. Am 29. Oktober gibt das Ballett ein deutliches Lebenszeichen, wenn unter dem Titel “Thoss/Wheeldon/Robbins” die drei gleichnamigen Choreografen ihre Arbeiten zu Philip Glass, Joby Talbot und Giuseppe Verdi vorstellen.

Eröffnung im Theater an der Wien mit “Tagebuch der Anne Frank”

Am 19. November erklingt dann Engelbert Humperdincks “Hänsel und Gretel”, was nicht zuletzt dem Wunsch von Dirigent Christian Thielemann zu verdanken ist und nur den Anfang markiert, wird auf Österreichs Bühnen heuer doch gehänselt und gegretelt, was das Zeug hält, wenn im Musiktheater Linz (19. Dezember) und der Kammeroper (12. Mai 2016) weitere Premieren anberaumt sind. In der Staatsoper wird nach ihrem Opernrückzug nicht wie ursprünglich geplant Elisabeth Kulman den Hänsel singen, sondern Daniela Sindram an der Seite von Adrian Eröd und Janina Baechle. Am 13. Dezember folgt die Fortsetzung des Janacek-Zyklus mit der Originalfassung von “Vec Makropulos”, wobei Peter Stein die Regie übernimmt, während Jakub Hrusa dirigiert. Und zum Jahresausklang ist im Kinderopernbereich mit “Fatima” von Johanna Doderer eine Uraufführung angesetzt, bei der Henry Mason Regie führt.

Im Theater an der Wien eröffnet man heuer statt mit einem Eröffnungskonzert am 10. September mit einer szenischen Produktion, wenn die Ein-Personen-Oper “Tagebuch der Anne Frank” von Grigori Frid mit Juliane Banse gezeigt wird, bei der Leo Hussain die Wiener Virtuosen dirigiert. Der romantischen Oper “Hans Heiling” von Heinrich Marschner gilt bereits drei Tage später, am 13. September, die zweite eigene Regie von Intendant Roland Geyer am Haus, wobei Constantin Trinks das RSO Wien dirigiert und Angela Denoke die Königin singt. Am 12. Oktober folgt Monteverdis “L’ Incoronazione di Poppeia” in der Regie von Claus Guth, bevor am 12. November Wagners “Fliegender Holländer” in der Regie von Olivier Py in See sticht, wofür Marc Minkowski mit seinen Musiciens du Louvre Grenoble geholt wurde. Benjamin Brittens “Peter Grimes” am 12. Dezember stellt in Christof Loys Interpretation mit Stammgast Kurt Streit den Jahresabschluss dar.

In der vom Theater an der Wien bespielten Kammeroper zeigt das Junge Ensemble des Hauses mit Tommaso Traettas “Antigone” erst am 30. November die erste Eigenproduktion. Den Saisonauftakt am 22. September bestreitet hier die Neue Oper Wien von Walter Kobera mit Dmitri Schostakowitschs Dreiakter “Die Nase”, dem am 6. Oktober mit Joseph Haydns selten gespieltem “Orlando Paladino” ein Vorhaben der Ad-libitum-Konzertwerkstatt und des Projekts Purpur folgt.

Eröffnung der Volksoper mit Mozarts “Zauberflöte”

Die Volksoper setzt zum Saisonauftakt auf Altbewährtes, wenn nach der Eröffnung mit Mozarts “Zauberflöte” am 2. September mit Ralph Benatzkys Operettenklassiker “Im weißen Rössl” am 6. September die erste Premiere gefeiert wird. Hier wird Josef E. Köpplinger, österreichischer Intendant des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München, die Regie übernehmen, wobei unter anderen Sigrid Hauser als Rösslwirtin und Daniel Prohaska als Oberkellner Leopold verpflichtet sind. Am 17. Oktober folgt dann mit “Der Mann von La Mancha” Mitch Leighs Musicalschlager, der vor 50 Jahren seine Uraufführung feierte. Unter der Regie von Olivier Tambosi wird Direktor Meyer selbst die Titelrolle übernehmen. Mit Mozarts “Don Giovanni” am 14. November meldet sich dann die Oper zu Wort, wobei hier Achim Freyer als Einmannunternehmen für Regie, Bühnen- und Kostümbild gewonnen wurde. Die Premieren des laufenden Jahres beschließt dann Sergej Prokofjews Ballett “Schneekönigin” in der Choreografie von Michael Corder.

Im Musicalbereich blicken die Fans nicht nur in Richtung Volksoper, sondern warten auch auf die neuinszenierte Wiederaufnahme der Wiener Erfolgsproduktion “Mozart!” am 24. September im Raimund Theater, für die wieder Harry Kupfer die Regie übernimmt. Im zweiten Standort der Vereinigten Bühnen Wien, dem Ronacher, ist hingegen weiterhin der Disney-Klassiker “Mary Poppins” zu hören und zu sehen. Im Metropol feiert am 1. Oktober der Gender-Klamauk “Charley’s Tante” in der Regie von Vicky Schubert mit Szenegrößen wie Stefano Bernardin oder Eva Maria Marold Premiere.

In der Freien Opernszene lädt die Neue Oper Wien nach ihrem “Nasen”-Auftakt in der Kammeroper am 22. Oktober in die mumok Hofstallung zur Uraufführung der Tanzoper “Judith / Schnitt_Blende” der österreichischen Komponistin Judith Unterpertinger. Und nicht nur die Staatsoper, auch das Letzte Erfreuliche Operntheater (LEO) in der Ungargasse startet mit “Macbeth” die Premierensaison am 30. September, wobei die LEO-Fassung auf vier Sänger reduziert ist.

Landestheater mit zwei Carmens und zwei Mäuse-Antons

In Graz läutet die neue Intendantin Nora Schmid ihre erste Saison mit einem selten gespielten Werk des Opernrepertoires ein. Nach dem Eröffnungskonzert “Traum und Rausch” am 12. September folgt am 26. des Monats Franz Schrekers “Der ferne Klang” aus 1912. Neben Chefdirigent Dirk Kaftan gibt hier Regisseurin Florentine Klepper – wie alle Regieteams der heurigen Saison – ihr Graz-Debüt.

Am 10. Oktober folgt mit “Der Liebe Schlaf – Ein Dornröschen Ballett” das erste Dornröschen – hier als Ballett zu barocken Klängen. Am 31. Oktober wird dann Engelbert Humperdinck nachgelegt – mit einer konzertanten Fassung seines “Dornröschen”. Dazwischen gibt es am 22. Oktober den massentauglichen “Der Barbier von Sevilla” Rossinis. Und am 14. November feiert auch Graz seinen “Opernball” – allerdings nicht als Konkurrenz zur Staatsoper, sondern in Form der gleichnamigen Operette von Richard Heuberger. Nach der Kinderopernpremiere “Emil und die Detektive” nach Erich Kästner am 22. November folgt mit Verdis Schiller-Adaption “Luisa Miller” am 12. Dezember dann die letzte Premiere des Jahres als Grazer Erstaufführung.

Einstieg des Linzer Musiktheaters

Das Linzer Musiktheater startet mit einem Knaller in die Saison, wenn am 19. September mit Verdis “La Traviata” in einer Inszenierung von Bühnenmagier Robert Wilson die erste Premiere gefeiert wird. Eine Woche später (am 25. September) tut man es dem Theater an der Wien gleich und zeigt Grigori Frids “Tagebuch der Anne Frank” in der BlackBox, wobei die Kurzoper auch als mobile Produktion in Schulen wandert. Und schließlich lässt man auch in Linz – wie an der Wiener Staatsoper und der Kammeroper – Engelbert Humperdincks “Hänsel und Gretel” ab 19. Dezember durch den Wald wandern, in diesem Fall von Noch-Intendant Rainer Mennicken als Regisseur geführt. Die Ballettsaison wird am 17. Oktober mit einem Klassiker, nämlich Tschaikowskys “Schwanensee” in der Choreografie von Mei Hong Lin, eingeläutet. Und auch für Musicalfans gibt es heuer mit “Singin’ in the Rain” in der Regie von Melissa King am 3. Oktober zunächst Bewährtes. Am 20. November folgt mit “Hedwig and the Angry Inch” über die Rock-and-Roll-Drag-Queen Hedwig, vormals Hänsel, in der Black Box jedoch Ungewöhnlicheres. Die Fahne der Operette hält Franz Lehars “Die lustige Witwe” mit Ensemblestar Martin Achrainer als Graf Danilo ab 7. November hoch.

Auf geballtes Musiktheater setzt man heuer auch im Klagenfurter Stadttheater, wo Intendant Florian Scholz am 17. September mit Mozarts Swingeroper “Cosi fan tutte” beginnt, der am 29. Oktober Benjamin Brittens “A Midsummer Night’s Dream” folgt. Die Winterszeit wird am 12. Dezember mit spanischem Feuer bekämpft, wenn Georges Bizets “Carmen” angesetzt ist. Und mausig wird es am 21. November, wenn man in Klagenfurt zum Familienevent “Anton – Das Mäusemusical” von Gertrud und Thomas Pigor mit Musik von Jan Fritsch lädt.

Auftakt in Innsbruck, Salzburg und St. Pölten

Auch in Innsbruck setzt man auf das Musical mit der Maus, ist hier doch ebenfalls “Anton – Das Mäusemusical” programmiert und feiert bereits am 8. November Premiere. Den Premierenauftakt gibt es aber am 26. September mit Beethovens “Fidelio” garantiert mausfrei. Puccinis “Turandot” wird am 21. November in Inszenierung von Rene Zisterer zu sehen sein und damit ein halbes Jahr vor der Neuinterpretation durch Marco Arturo Marelli an der Staatsoper. Und zum Jahresausklang feiert man am 19. Dezember mit Johann Strauß’ “Fledermaus” – in der Regie des als Prälat Hinter aus der Fernsehserie “Der Bulle von Tölz” bekannten Schauspielers Michael Lerchenberg. Für den Ballettbereich hat Enrique Gasa Valga Henrik Ibsens “Peer Gynt” zum Tanzstück choreografiert, das am 24. Oktober seine Uraufführung feiert.

Musikalisch wird der Herbst auch im Salzburger Landestheater, wo am 20. September mit Joseph Haydns “Il mondo della luna” eine echte Preziose am Programm steht, für die Andreas Gergen die Regie besorgt. Die Tradition der Mysterienspiele in der Stadt nimmt am 4. Oktober Autor Hellmuth Matiasek auf, der für die Uraufführung von “Das Salzburger Spiel vom verloren Sohn” Musik von Wilfried Hiller mit einem mittelalterlichen Fastnachtspiel kombiniert und in die Kollegienkirche bringt. “The Sound of Music”, jener Salzburger Klassiker, den außerhalb des deutschen Kulturraumes jeder kennt, wird am 17. Oktober zum 50-Jahr-Jubiläum mit einer großen Gala unter Moderation von Uwe Kröger geehrt, erneut unter szenischer Konzeption von Operndirektor Andreas Gergen. Tags darauf lässt er die Felsenreitschule für Georges Bizets “Carmen” im spanischen Flair erstrahlen. Den Jahresabschluss der Premieren macht dann am 10. Dezember das Musical, wenn Charles Strouses “Annie” in der Inszenierung von Musicalexpertin Kim Duddy mit Uwe Kröger in der Rolle des Oliver Warbucks die Weihnachtszeit einläutet.

Im Festspielhaus St. Pölten setzt man schließlich zum Saisonauftakt auf Tanz, wenn am 25. und 26. September Starchoreografin Sasha Waltz als Österreichpremiere ihre große Arbeit “Continu” erstmals mit großem Liveorchester, hier den Tonkünstlern, präsentiert. Und auch am 13. November steht der Tanz im Mittelpunkt, wenn Topchoreografin Lucinda Childs mit “Available Light” als Österreichpremiere eine Arbeit vorstellt, die 1983 als Auftragswerk für Los Angeles konzipiert wurde und in Zusammenarbeit mit Architekt Frank O. Gehry und Komponist John Adams entstanden ist.

(apa/red)

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