Wiener ÖVP: Harald Himmer als Parteichef so gut wie fix

Harald "Harry" Himmer bald neuer Chef der Wiener ÖVP
Harald "Harry" Himmer bald neuer Chef der Wiener ÖVP - © APA
Bundesrat und Alcatel-Vorstand Harald “Harry” Himmer ist als neuer Chef der Wiener ÖVP so gut wie fix. Der 44-Jährige ist der einzige Kandidat für dieses Amt, wie Noch-Parteichef Johannes Hahn nach einer Sitzung der parteiinternen Findungskommission am Dienstag im Gespräch mit Journalisten berichtete. Eine offizielle Empfehlung des Findungs-Gremiums gibt es jedoch noch nicht

Himmer habe heute seine Pläne präsentiert. Diese sollen nun in den Teilorganisationen beraten werden, so Hahn. Die Empfehlung für eine Wahl Himmers im Parteivorstand könnte dann in den nächsten Tagen erfolgen, hieß es. Himmer hat sich laut Hahn – der als EU-Kommissar nach Brüssel wechselt – auch bereiterklärt, Spitzenkandidat für die Wien-Wahl im kommenden Jahr zu werden.

Himmer hat dem Findungsgremium heute seine Überlegungen präsentiert, “inhaltlich, organisatorisch und personeller Art”, wie Hahn berichtete: “Es hat eine gute Diskussion gegeben.” Hahn betonte zwar, dass die Entscheidung noch nicht gefallen ist (“Noch nix ist fix”), erwartet laut eigenen Angaben aber nicht, dass es Widerstände geben wird. Er wolle aber die Debatten in den diversen Organisationen nicht vorwegnehmen, betonte er.

“Die Stimmung für ihn ist nicht schlecht”, versicherte Hahn. “Und ich freue mich, dass es ihm wichtig war, dass er meinen Stil und meine Linie fortsetzen wird. Aber natürlich wird er gegebenenfalls eigene Akzente setzen”, sagte der künftige EU-Kommissar. Änderungen personeller Natur seien noch nicht besprochen worden: “Er hat noch keine Namen genannt.”

Laut Hahn hat Himmer auch kundgetan, dass er seinen Vorstandsjob aufgeben wird. Formal sei dies nicht notwendig, so Hahn. Aus zeitlichen Gründen sei dies aber sinnvoll. Himmer selbst verließ die heutige Sitzung durch den Nebeneingang und stellte sich nicht den Fragen der wartenden Journalisten.

Die ÖVP Wien ist seit der Entscheidung, dass Hahn als EU-Kommissar nach Brüssel gehen soll, auf der Suche nach einem neuen Obmann. Der erste in diesem Zusammenhang genannte Kandidat, Raiffeisen-Generalsekretär Ferry Maier, war mit seinem Vorschlag gescheitert, das Amt des Parteichefs von der Funktion des Spitzenkandidaten zu trennen. Er hatte seine Kandidatur am Mittwoch vergangener Woche zurückgezogen.

“Bonzen quälen, Himmer wählen”

“Bonzen quälen, Himmer wählen” – dieser Wahlslogan als Obmann der Jungen ÖVP aus dem Jahr 1990 ist bis heute die bekannteste politische Aktion von Harald Himmer. Das könnte sich demnächst ändern, denn dass der 44-Jährige die Nachfolge von Johannes Hahn als Chef der Wiener ÖVP antritt, dürfte so gut wie fix sein. Seit 1995 ist Himmer VP-Bezirksobmann in Wien-Landstraße und zugleich Bundesrat. Im Brotberuf arbeitet er seit 1992 beim Telekomausrüster Alcatel.

Nach 14 Jahren als Zukunftshoffnung der Wiener Volkspartei setzt Harald Himmer, auch gerne Harry genannt, nun zum Sprung an die Spitze der Stadt-Schwarzen an. Innerhalb des Bündesystems der Volkspartei ist Himmer ungeachtet seiner privatwirtschaftlichen Führungsposition dem Arbeitnehmerflügel ÖAAB zuzurechnen und wird dementsprechend von diesem Flügel in seinen Ambitionen unterstützt.

Himmer selbst trat auf politischer Ebene vor seinem Wechsel in den Bundesrat 1995 primär als Bundesobmann der JVP in Erscheinung, eine Funktion, die er zwischen 1990 und 1993 bekleidete. Im Nationalratswahlkampf 1990 gab der Jungpolitiker, der mit dem Slogan “Bonzen quälen, Himmer wählen” ins Rennen ging, eine Pressekonferenz unter dem Titel “Bonzen, wollt Ihr ewig fressen? Harry Himmers Diätvorschläge gegen die Politversklavung”. Auch plädierte er für die Einführung des Persönlichkeitswahlrechtes. Zudem forderte Himmer, inzwischen seit 1995 amtierender Bundesrat, damals eine Beschränkung der parlamentarischen Tätigkeit auf zwei Funktionsperioden in einer Folge.

Geboren wurde Himmer am 24. November 1964. Nach einem bereits 1989 abgeschlossenen Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien war er zunächst in der Werbebranche tätig, bevor er 1992 bei Alcatel Austria (damals noch ohne US-Partner Lucent firmierend) begann. Nach verschiedenen Positionen im Unternehmen erfolgte 2007 der Aufstieg zum Generaldirektor von Alcatel-Lucent Austria und Ungarn-Chef.

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