Wiener Traditionsunternehmen Niemetz: Die Geschichte der Schwedenbombe

Von Verena Kaufmann
Die traditionelle Wiener Schwedenbombe hat eine lange Tradition.
Die traditionelle Wiener Schwedenbombe hat eine lange Tradition. - © Heidi Chocolat
Der Zuckerbäcker Walter Niemetz verwirklichte vor 90 Jahren eine süße Idee, die maßgeblich zum Erfolg des Wiener Traditionsunternehmens beitrug. Bis heute scheint die Begeisterung für Schwedenbomben ungebrochen. Wie die kleinen Schokoküsse zu ihrem Namen kamen, welche Vermarktungsstrategien damals eingesetzt wurden und was letztendlich die Rettung und den “Relaunch” des Unternehmens Niemetz ermöglichten, erfahren Sie hier.

Heute ist sie jedem ein Begriff: die Schwedenbombe. Die kleinen süßen Schokoküsse haben bereits eine lange Tradition hinter sich, denn sie wurden schon vor 90 Jahren erfunden. Generell galten Wiener Mehlspeisen und Schokoladen schon Mitte des 16. Jahrhunderts als weltberühmt, herrschte in der Stadt ein wahres Aufgebot an großen Meistern des Konditorenhandwerks.

Auch Edmund Niemetz eröffnete 1890 seine eigene Konditorei, sein Sohn Walter machte eine Ausbildung im Café Rumpelmayer in der Rue de Rivoli in Paris. 1926 kam ihm dann gemeinsam mit seiner Frau die Idee für die cremig-schaumige Süßigkeit.

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Wahre Freundschaft: Wie die Schwedenbombe zu ihrem Namen kam

Die Idee zur neuen Kreation war zwar da, an der Umsetzung haperte es jedoch noch. Deswegen wurde der Rat eines guten Zuckerbäcker-Freundes von Walter Niemetz hinzugezogen. Somit konnte die auf luftigem Eiweißschaum basierende, süße Entwicklung mit der heute so bekannten, charakteristischen Form vollendet werden. Als kleines Dankeschön für diese Unterstützung tauften Walter und Johanna Niemetz die von ihnen erfundene Schaumkuppe “Schwedenbombe”, da besagter Freund ein Schwede war.

Hinter der Erfindung und der Namensgebung steckt also eine wahre Freundschaft. Danach war der Grundstein für die “Süßwarenmanufaktur Niemetz” in Wien im Jahr 1930 gelegt. Vier Jahre später erfolgte die Anmeldung der Marke “Schwedenbomben” in das Österreichische Markenregister, im Februar 1939 wurde das Gewerbe an den Standort Rennweg im Bezirk Wien-Landstraße verlegt.

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Vorreiter in Sachen Werbung: Niemetz setzte früh auf TV-Spots

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch das bis heute verwendete, klassische Markenzeichen – der Schwedenbomben-Konditor, der eine übergroße Schwedenbombe in den Händen hält – offiziell geschützt. Auch die typische Klarsichtpackung wurde markenrechtlich eingetragen. Nach einer Unterbrechung während der Kriegsjahre wurde die Produktion der Schwedenbomben schließlich 1952 wieder aufgenommen.

In den 1950er Jahren erkannte Walter Niemetz bereits das Potential von Fernseh-Werbung und nutzte dieses auch. Viele kreative TV-Spots flimmerten in den folgenden Jahren über die Bildschirme des Landes. Man setzte vor allem auf Themen wie Beständigkeit und Qualität – die Schwedenbombe sollte als eine Köstlichkeit, die in aller Munde ist, wahrgenommen werden.

Anhaltender Erfolg und Sortimentserweiterung in den 1960ern

Nach dem großen Erfolg der Schwedenbombe erfolgte 1960 die Einführung der Haselnusscreme-Stange “MANJA” und dessen Eintragung als geschützte Marke ins Markenregister. Vier Jahre später gesellte sich die Erdnusscreme-Stange “SWEDY” in das Sortiment dazu und Ende der 1970er Jahre wurden außerdem die äußerst beliebten Niemetz Mozart-Polsterl lanciert.

Auch in den 1980er Jahren führte man die klassischen TV-Spots der Schwedenbomben fort. 1992 starb Walter Niemetz und somit wurde die Führung des Unternehmens an seine Tochter Ursula Niemetz weitergegeben.

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“Rettet die Niemetz Schwedenbombe”: Eine Facebook-Gruppe hilft mit

Schon 1996 wurde vom Wirtschaftsblatt erstmals von finanziellen Schwierigkeiten des Wiener Traditionsunternehmens berichtet, wogegen man sich anfangs jedoch noch wehrte. Leider wurden die Finanzen auch in den kommenden Jahren nicht rosiger, weswegen die Firma von 2000 bis 2012 laufend mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatte. Ende des Jahres 2012 verkaufte Niemetz schließlich seinen Produktionsstandort an die Wienwert Immobilien, wobei eine Nutzung des Geländes vertraglich bis Ende 2015 vereinbart wurde.

Nach dem Jahreswechsel wurde offiziell bekannt, dass das Finanzamt wegen Steuerschulden den Konkursantrag gestellt hat, am 1. Februar 2013 wurde das Sanierungsverfahren der Firma Niemetz eröffnet. Innerhalb von wenigen Tagen fanden sich 30.000 treue Schwedenbomben-Fans, die sich auf der Social Media Plattform Facebook für die Rettung ihrer Schwedenbombe und den Erhalt einer Wiener Tradition stark machten. Neben unzähligen “Likes” der Gruppe “Rettet die Niemetz Schwedenbombe” brachten die Mitglieder auch wertvolle Vorschläge für die Zukunft des Unternehmens ein. Auch die Nachfrage nach der süßen Spezialität stieg durch die plötzliche Welle der Solidarität an, Käufer stürmten sogar den Niemetz-Shop.

Übernahme und Neustart von Niemetz

Am 22. Mai wurde das Unternehmen schließlich an die Heidi Chocolat AG mit Sitz in der Schweiz um 5,2 Millionen Euro verkauft. Mit diesem Verkaufspreis konnten 100 Prozent der Gläubigerforderungen befriedigt werden, was in der Geschichte insolventer österreichischer Unternehmen bisher einzigartig ist. Bis Ende des Jahres 2013 investierte die Heidi Chocolat AG Geld in die Renovierung der vernachlässigten Produktionslinien, um den Erhalt der Schwedenbomben sicherzustellen.

Nach einer intensiven Suche wurde im Juli 2015 der neue Produktionsstandort am Stadtrand von Wien in Wiener Neudorf bekanntgegeben und der Schwedenbomben-Shop wurde an die Adresse Rennweg 65A verlegt. Zum zweiten Jahrestag der “Rettung der Schwedenbome” ließ man die bisherigen Erfolge der neu übernommenen Firma Revue passieren: Die Niemetz Schwedenbomben, Manja und Swedy sind wieder auf Erfolgskurs, Heidi Chocolat hat die Produkte zu Mitgliedern der Fairtrade-Familie gemacht und das Schwedenbomben-Team hat sich auf über 100 Mitarbeiter verdoppelt.

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Der Neustart des Wiener Traditionsunternehmens war somit ein voller Erfolg, auch in Zukunft will man auf neue Projekte und Kampagnen setzen, um die Schwedenbomben optimal zu vermarkten. Im Jänner 2016 fand beispielsweise der erste Niemetz Schwedenbomben Workshop statt, bei dem jeder Besucher seine eigene Schwedenbomben-Kreation fertigen kann und die Möglichkeit bekommt, in die hohe Kunst des Schwedenbombenherstellens eingeweiht zu werden.

>> Mehr Infos zu den Produkten und Themen des Wiener Traditionsunternehmen Niemetz finden Sie auf der Website

(Quelle: www.niemetz.at, Bilder: Heidi Chocolat)

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