Wiener Strombranche verteidigt umstrittene “Smart Meter”

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Auf der linken Seite ein analoger Stromzähler, auf der rechten Seite ein "Smart Meter".
Auf der linken Seite ein analoger Stromzähler, auf der rechten Seite ein "Smart Meter". - © AP
Nachdem Juristen die “Smart Cities” kritisch sehen, was den Datenschutz betrifft, wird seitens der Strombranche beteuert, dass die neuen intelligenten Stromzähler, die von den Netzbetreibern nach und nach installiert werden, die Verbraucher nicht “durchleuchten” sollen, sondern ihnen neue Annehmlichkeiten bieten.

“Wir tun alles gegen Missbräuche mit den Daten”, betonte Infrastruktur-Experte Bernd Richter von der Wien Energie, der auch Prokurist des Aspern-Smart-City-Research-Forschungsprojekts (ASCR) ist. Es interessiere keinen Menschen, “wann Frau Müller Wäsche wäscht oder welches TV-Programm sie sieht – aber vielleicht die Frau Müller, wann sie zu einem günstigeren Strompreis Wäsche waschen kann”. Die digitalen Technologien von Smart Meters und Smart Cities sollten Richtung Annehmlichkeit für die Kunden gehen, welche Produkte er wolle, müsse der Verbraucher selbst entscheiden: “Uns geht es nicht darum, jemanden zu durchleuchten”, betonte Richter von der Wien Energie. Die neuen Stromzähler würden zwar eingebaut, der Abnehmer habe aber “Wahlfreiheit”, ob die Datenschnittstelle aktiv geschaltet werde oder nicht. Laut E-Control-Angaben aus dem Vorjahr hat sich bei der ersten Viertel Million Smart Meter in Österreich weniger als jeder hundertste Kunde für ein “Opt Out” entschieden.

“Smart Meter” sollen Stromkunden nicht “durchleuchten”

“Es ist nicht beabsichtigt, die Bürger zu durchleuchten”, versicherte auch Ulrike Huemer, Chief Information Officer (CIO) der Stadt Wien, bei der Diskussion zu “Big Data in der Smart City: Gefahr oder Chance?” Im Gegensatz zur Stadt hätten Unternehmen wie Google, Amazon oder Facebook “ganz klare Informationen von uns allen”. Deshalb sei die eigene “digitale Kompetenz” gefordert, “das muss schon den Kindern vermittelt werden”. Das Wiener Smart-City-Konzept sei nicht mit Plänen von Metropolen Asiens vergleichbar. Deshalb müsse hier Vertrauen geschaffen werden. Freilich sei der Anspruch an die Datensicherheit hoch: Eine Million Mal werde pro Monat versucht, in ein IT-System der Stadt Wien “hineinzuhacken”. Besonders gefährlich seien Ransomware-Attacken, bei denen nach Öffnen eines Links der Datenbestand verschlüsselt werde und gegen Geld eine Entschlüsselung “angeboten” werde.

Rechtsanwalt Gabriel Lansky sprach von einem “Spannungsfeld zur Rechtssicherheit”, was Daten- und IKT-Themen betrifft. Es fehle hier eine Rechtsprechung, an den Zivil- und Strafgerichten herrsche teils “Unverständnis”. Ein Strafgericht etwa habe die Daten nach dem Wert des Speicher-Sticks beurteilt. Bei personenbezogenen Daten – egal ob zu Energie, Mobilität, Umwelt oder Freizeit – seien unbedingt die datenschutzrechtlichen Bestimmungen. Es sei zu “verhindern, dass sich Menschen vor ungewollten Eingriffen in ihr Leben fürchten”, betonte Lansky, dessen Kanzlei zur Datensicherheit die erste ISO-zertifizierte im Land sei: “Das war ein mühsamer Prozess, und da blieb kein Stein auf dem anderen.”

(apa/Red)

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