Wiener Polizei jagt Schulschwänzer

Wiener Polizei jagt Schulschwänzer
© Christian Kadluba & Dirk Vorderstraße, Montage: Gebrüder Moped (CC BY-SA 2.0)
Gastkommentar der Gebrüder Moped: Die Meldung um eine ganz besondere Form der Beamtenkooperation sorgt dieser Tage für Aufsehen. Um dem immer offener grassierenden Schulschwänzertum endlich Herr zu werden, ist der Wiener Stadtschulrat nun in letzter Konsequenz auf exekutive Amtshilfe angewiesen.

Im Konkreten wurde die Wiener Polizei um Unterstützung bei der Fahndung nach bildungsunwilligen Hauptstädtern gebeten. Der scharfe Spürsinn und der strenge Blick der respekteinflößenden Uniformträger sollen auf die Schülerinnen und Schüler präventiv wirken. Diese neuen “Stangler-Streifen” sind vormittags in Einkaufszentren und an öffentlichen Plätzen im Einsatz und sprechen schulpflichtige Kinder an.

Hunderte Kinder im Verhör

Und bereits am ersten Vormittag der “Aktion scharf” gegen Minderjährige mit Tafelkreide-Allergie gebührt der Polizei ein Römischer Einser. Man konnte innerhalb weniger Minuten gleich mehrere hundert Schulpflichtige in einem einzigen Gebäude dingfest machen. Stundenlange Einvernahmen und unzählige Schultaschendurchsuchungen schmälerten allerdings schon bald die erste Euphorie. Es handelte sich bei dem Gebäude um eine Wiener Volksschule.

Verschnaufpause im Sommer?

Nichts da. Auch in den kommenden Ferien werden Polizistinnen und Polizisten ausrücken und streng überprüfen, ob unsere Kleinen auch für anstehende Nachprüfungen oder Aufnahmetests stucken. Da kann es durchaus passieren, dass im Familienbecken des Freibades plötzlich ein Uniformierter vor ihrem Knirps auftaucht und ihn im Sinne der Republik anbrüllt: “Flossen hoch, Volumen der Kugel, aber dalli!” Desgleichen wird der verbotene Konsum von Schultüten außerhalb des Unterrichts rigoros kontrolliert.

Totale Überwachung in Wien

Stellt sich die Frage: Wo soll das enden? Ist das erst der Beginn einer totalen Überwachungsoffensive? Sollen die Kleinsten unserer Gesellschaft bereits darauf vorbereitet werden, künftig jeden ihrer Schritte dem Staat gegenüber rechtfertigen zu müssen? Werden Polizisten den gesamten Alltag unserer Kinder überprüfen? Windelkontrolle, Nasenputzanordnung, Pickerl-Überprüfung im Billa-Tiersticker-Album?

Und wird in weiteren Schritten das Aufgabengebiet des Spezialtrupps gar auf die gesamte Familie ausgeweitet? Ob Kinder in die Schule gehen? Ob Mütter die Freude übers Geburtstagsgeschenk vortäuschen? Ob Väter nach dem Klogehen ihre Hände waschen? Führerschein, Zulassungsschein, Unterhose!

Und was sagen die Kinder?

Der Dachverband der SchulschwänzerInnen gibt sich seit Mittwoch betont gelassen: “Wir wissen, der Wiener Bürgermeister steht voll hinter uns. Denn auch für uns gilt: Wenn wir das geforderte Wochen-Pensum Schule absolvieren, sind wir Dienstag Mittag fertig.”

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