Wiener Polizei: Bereitschaftseinheit vollzog bisher über 150 Haftbefehle

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Nach drei Jahren Bestehen der Bereitschaftseinheit zieht Kommandant Manfred Ihle.
Nach drei Jahren Bestehen der Bereitschaftseinheit zieht Kommandant Manfred Ihle. - © APA
Oberstleutnant Manfred Ihle, Kommandant der Bereitschaftseinheit der Wiener Polizei, zieht nach dreijährigem Bestehen Bilanz. Personenkontrollen und Identitätsfeststellungen sind Kernaufgaben der Einheit.

193.000 einzelne Amtshandlungen hat die seit knapp drei Jahren bestehende Bereitschaftseinheit der Wiener Polizei bisher durchgeführt. Die überwiegende Mehrheit davon sind reine Identitätsfeststellungen, wie bei der Begleitung einer Streife am Dienstag deutlich wurde. Diese Kontrollen haben seit November 2012 allerdings auch dazu geführt, dass mehr als 150 Haftbefehle vollzogen wurden.

Unter den verhafteten Personen waren Vergewaltiger, Räuber und ein im Ausland gesuchter Mörder, sagte Oberstleutnant Manfred Ihle, Kommandant der Einheit. Zumeist ergibt die Abfrage im elektronischen Polizeisystem über Funk keinen Treffer. “Danke sehr, schönen Tag noch”, hieß es beispielsweise von den Beamten zu zwei jungen Männern nach einer Ausweiskontrolle in der U-Bahn-Station Praterstern im Bezirk Leopoldstadt. Die Burschen durften weitergehen.

“Ziel ist, proaktiv auf Personen zuzugehen”

Ziel seiner Truppe sei es “nicht immer zu warten, bis jemand zu uns kommt und um eine Kontrolle ersucht, sondern, dass wir in jenen Bereichen, wo sich vermehrt strafbare Handlungen ereignen, proaktiv auf die Personen zugehen und Kontrollen durchführen”, erläuterte Ihle. Dann werde versucht, jene Personengruppen zu kontrollieren, die sich auffällig verhalten oder in ein bestimmtes Bild passen.

“Wenn wir einen Bereich haben, wo immer wieder Schlägereien, Raufhandel, schwere Körperverletzungen unter Jugendlichen passieren, dann ist unser Ziel natürlich, dort Jugendliche zu kontrollieren.” Das solle auch präventiven Charakter haben und vermitteln: “Seid vorsichtig, die Polizei ist aktiv, die Polizei weiß, wer sich hier aufhält, unterlasst so etwas einfach”, betonte der Kommandant. Die Beamten der Bereitschaftseinheit sind immer in Uniform unterwegs, bei Routinekontrollen in Gruppen von fünf bis sechs Personen.

Verstärkte Präsenz im öffentlichen Verkehr

Der Schwerpunkt der Arbeit liege im Bereich der öffentlichen Verkehrsmittel, sagte Ihle, und ansonsten in allen Bereichen, wo es Kriminalitäts-Hotspots gibt. In der kommenden frühen Dämmerungszeit, “wo relativ viel eingebrochen wird, werden dann Gegenden abgesperrt und auch Kontrollen durchgeführt”, erläuterte der Kommandant. Bei Anlässen wie Demonstrationen, Staatsbesuchen, Suchen nach vermissten Personen und sonstigen Situationen, wo eine größere Polizeianzahl – etwa für Absperrmaßnahmen – benötigt wird, kommt die Bereitschaftseinheit ebenfalls zum Einsatz.

Die in der Roßauer Kaserne am Alsergrund stationierte schnelle Eingreiftruppe wurde in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf derzeit 210 Beamte aufgestockt, berichtete Ihle. Zum Stammpersonal von 60 Beamten sind turnusmäßig für fünf Monate immer 150 junge Polizisten bei der Bereitschaftseinheit stationiert, die einem erfahrenen Gruppenkommandanten zugewiesen werden.

“Jeder junge Polizist und jede Polizistin wird uns einmal zugeteilt. Davor erfolgt die polizeiliche Grundausbildung auf der Sicherheitsakademie, die dauert 24 Monate”, erläuterte Ihle. Danach müssen die fertigen Beamten mindestens ein halbes Jahr auf einer Polizeiinspektion verbringen, bevor sie in die Bereitschaftseinheit kommen. “Diese Mindestvorgabe wurde von Beginn an de facto deutlich überschritten, derzeit liegt der Zeitraum bei durchschnittlich eineinhalb Jahren am Wachzimmer”, betonte der Kommandant. Nach fünf Monaten kommen sie dann wieder in ihre jeweilige Polizeiinspektion.

Seminare in Konfliktmanagement

Dass seine Kollegen zu unerfahren seien, wie nach Misshandlungsvorwürfen gegen Beamte der Bereitschaftseinheit heuer von Menschenrechts- und Kriminalexperten kritisiert wurde, wies Ihle zurück. Die jungen Polizisten hätten in der Regel bereits eineinhalb Jahre normal Dienst versehen. “Das sind keine Schüler mehr und die Bereitschaftseinheit ist kein Ausbildungsbereich”, betonte er.

Es sei jedoch nach Einführung der Bereitschaftseinheit festgestellt worden, dass die Menschen in Wien proaktive Polizeikontrollen nicht gewohnt sind, hielt Ihle fest. Seine Beamten werden deshalb nun in Seminaren in Sachen Reflexion und Konfliktmanagement- und -vermeidung geschult.

Während der Ausweiskontrollen kam es am Dienstag dann noch zu einem Hilfseinsatz der Bereitschaftseinheit. In der Nebenfahrbahn des Pratersterns wollte ein offensichtlich stark alkoholisierter Mann seinen Rausch auf der Straße ausschlafen. Die Beamten brachten den Mann in der angrenzenden Wiese in Seitenlage und riefen die Rettung, die ihn ins Spital brachte.

(APA, Red.)

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