Wiener Musikverein: Das bringt die Saison 2016/17

Der Musikverein startet in die nächste Saison.
Der Musikverein startet in die nächste Saison. - © APA
Trotz Subventionskürzungen möchte Musikvereinsintendant Thomas Angyan nach vorne schauen: Mit 85 Zyklen, 402 Eigenveranstaltungen und 300.000 aufgelegten Karten wartet das Haus in der Saison 2016/17 auf.

Eine besondere Freude bereitet Angyan etwa die geplante Rückkehr des dann 92-jährigen Dirigenten Georges Pretre am 11. und 12. Oktober, der in Zusammenarbeit mit Rudolf Buchbinder und den Wiener Symphonikern einen Abend gestalten wird.

Im Brahms-Saal hat hingegen die 24-jährige Cellistin Harriet Krijgh eine dreiteilige Carte blanche, die um ein Konzert mit dem Radio Symphonie Orchester im Großen Saal ergänzt wird (27. November). Es sei die Philosophie des Hauses, junge Talente zu fördern, so Angyan: “Wir wollen uns ein, zwei herauspicken und denen nachhaltig eine Chance geben – dann funktioniert es.” Nachwuchsförderung im weiteren Sinne bedeuten auch die Kinderprogramme, die mit Reihen wie “Topolina” oder “Agathe” in der kommenden Saison 231 Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche bereithalten.

Weitere Programmpunkte im Wiener Musikverein

Auch nach dem Tod von Nikolaus Harnoncourt wird der Zyklus mit seinem Originalklangensemble nicht beendet. “Wir wollen, dass der Concentus Musicus weiterlebt”, unterstrich Angyan. Angesetzt sind zwischen Oktober und Mai vier Matineen im kleineren Brahms-Saal, teils unter Leitung von Stefan Gottfried. “Sollte der Zyklus sehr gut gebucht sein, haben wir auch eine Verdopplung im Brahms-Saal angedacht”, zeigte sich Angyan flexibel.#

Und sollte die Reihe sehr gut laufen, könne man in der Zukunft auch wieder in den Goldenen Saal gehen, den man jetzt bewusst nicht gebucht habe: “Nichts ist trauriger, als einen nicht vollen Großer Saal nach dem Ableben von Nikolaus Harnoncourt zu haben.”

Auch der Kammermusik-Zyklus “Soiree Musicale” wird mit Originalklang durchmischt. So sind hier unter anderen Les Arts Florissants unter William Christie (27. November) oder die Capella Gabetta (19. Dezember) zu hören. Beim Zyklus “Alte Meister” macht Cecilia Bartoli mit “Händel Heroines” am 29. November den Auftakt, bevor unter anderen Marc Minkowski mit seinen Musiciens du Louvre und Bachs “Johannespassion” (3. April 2017) folgen.

Große Orchester zu Gast in Wien

Bei den großen Orchestergastspielen – “das Teuerste, das man sich leisten kann”, wie Angyan betonte – sind in der kommenden Saison 20 Gastspiele mit 34 Konzerten angesetzt – von Philippe Jordan mit dem Orchestre de l’Opera National de Paris (18. September) über das BR-Symphonieorchester unter Mariss Jansons (30. Jänner 2017) bis zum Gewandhausorchester Leipzig unter Andris Nelsons (26. Mai 2017).

“Es ist ein bisschen das Who-is-Who der Orchesterwelt”, zeigte sich der Intendant zufrieden. Einzig die Berliner Philharmoniker fehlen in der kommenden Saison, kommen aber 2018 wieder. Und nach einer Spielzeitpause meldet sich Riccardo Muti zurück, um bei den Wiener Philharmonikern (27. Oktober) und dem Chicago Symphony Orchestra (23. Jänner 2017) am Pult zu stehen.

Opern ebenfalls geplant

Im März 2017 müssen Opernfreunde nicht nur an den Ring, den Gürtel oder die Wien pilgern, sondern auch in den Musikverein, sind dann doch gleich drei konzertante Opernfassungen zu hören. Den Auftakt am 1. März macht das Orchestre National du Capitole de Toulouse unter Tugan Sokhiev mit Jules Massenets “Don Quichotte”, bevor am 2. März Les Arts Florissants unter Paul Agnew Claudio Monteverdis “L’Orfeo” spielen und am 7. März das “Tschaikowskij-Symphonieorchester Moskau” mit Vladimir Fedosejev am Pult Auszüge aus Tschaikowskys unvollendetem Werk “Undina” zum Besten geben.

Unvollendet sind auch die Sorgen bezüglich der Subventionen durch die öffentliche Hand an den Musikverein, auch wenn diese mittlerweile zu niedrig scheinen, um sich aufzuregen. “Es hat keinen Sinn, ewig zu lamentieren – das interessiert die Politiker sowieso nicht”, zeigte sich Angyan ernüchtert: “Wir haben jetzt noch schlanke zwei Prozent unseres Budgets an öffentlicher Förderung. Einerseits ärgert einen das, andererseits ist der Blick nach vorne zu richten.”

Subventionen gekürzt

Der Bund hat mit 2015 seine Subvention von 475.000 auf 200.000 Euro gekürzt, die Stadt mit 2016 von 545.000 auf 270.000 Euro – macht in Summe also 470.000 Euro. Dabei verwies der Musikvereinschef zugleich auf die wirtschaftlichen Effekte seiner Institution. So sichere man laut einer aktuellen Studie 1.191 Arbeitsplätze. Ohne die Einrechnung von touristischen Faktoren betrage die Umwegrentabilität des Musikvereins das 17,2-Fache dessen, was man von öffentlicher Seite erhalte – inklusive touristischer Effekte liege man demnach beim 62-Fachen. Insofern bleibe zu konstatieren: “Die zwei Prozent sind lächerlich.”

Von privater Seite könne die Subventionskürzung nur teilweise kompensiert werden. “Es ist sehr schwierig, große Sponsoren zu finden”, unterstrich der Musikvereinschef. Immerhin läuft der Vertrag mit dem Partner Bank Austria noch bis 2020, mit Rolex bis 2022.

(APA)

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