Wiener Linien: Öffi-Sicherheitsdienst “Lise” startet ins neue Jahr

Auch 2012 mehr Sicherheitgefühl in den Wiener Linien: Das ist das Motto.
Auch 2012 mehr Sicherheitgefühl in den Wiener Linien: Das ist das Motto. - © apa
“Lise”, das Linienservice der Wiener Linien, hat sich offenbar bewährt. Wie sehr und wo besonders – das wird nach Beendigung von zwei Jahren Probebetrieb derzeit von den Wiener Verkehrsbetrieben evaluiert.

Dabei machen die Verantwortlichen schon jetzt klar, dass man hartes Durchgreifen, wie in einigen deutschen Städten praktiziert, in Wien nicht anwenden will. Das subjektive Gefühl von Sicherheit habe sich seit dem Einsatz der mit gelben Warnwesten gekennzeichneten Bediensteten verbessert, sagt der für deren Einsatz Zuständige bei den Wiener Linien, Karlheinz Klausner. 70 Mitarbeiter der Wiener Verkehrsbetriebe, davon etwas mehr als ein Drittel Frauen, sind seit November 2009 als Doppelstreifen im gesamten Netz unterwegs, um Auskünfte zu erteilen, die Einhaltung der “Hausordnung” anzumahnen, Fahrscheine zu kontrollieren, aber vor allem den 2,5 Millionen täglichen Fahrgästen das Gefühl von Sicherheit zu geben.

Nach dem ersten Jahr hätten sie die neuen Einsatzkräfte der Wiener Linien noch nicht recht wahrgenommen, gibt Klausner zu. Und auch jetzt dürften die “gelben Engel” noch nicht jedem ein vertrauter Anblick sein, doch zeige sich weit mehr als die Hälfte der Benützer der Wiener Linien zufrieden mit der Institution. Der Einsatz verlange Fingerspitzengefühl: Zu wenig Präsenz sei wirkungslos, zuviel könne den Fahrgast erst recht beunruhigen.

Lise-Mitarbeiter der Wiener Linien “deaskalieren”

Für die Arbeit der Lise-Mitarbeiter verfolgt deren Leiter die Philosophie der “Eskalationsleiter von unten nach oben”, also: “Steigern, wenn es nichts hilft”, sagt Klausner: “Die letzte Stufe ist die Mehrgebühr.” Allerdings würden sich 95 Prozent der von den Mitarbeitern Angesprochenen “einsichtig” zeigen, wenn sie auf Rauchverbot oder Beißkorbpflicht für Hunde hingewiesen würden. Dabei sei es wichtig “die richtige Dosis” zu finden, sagt Klausner, der für den Einsatz großteils “alte Hasen” ausgewählt hat: “Ich habe beruhigtere Kaliber genommen, weniger die Heißsporne”.

Von hartem Auftreten wie in deutschen Großstädten hält man bei den Wiener Linien, wohl auch aufgrund der in der österreichischen Bundeshauptstadt im Vergleich friedlichen Atmosphäre, wenig. Die Hamburger Hochbahn etwa hat nach einem Mord in einer U-Bahnstation eine eigene Hochbahnwache geschaffen, die mit Hunden patrouilliert: “Hunde haben Symbolwirkung, außerdem braucht das eine irre Ausbildung”, so Klausner: “Wir wollen auch nicht die knochenharte Knüppeltruppe sein.”

Berlin greift mit Polizei durch

In Berlin stellt die Polizei nach zwei brutalen Überfällen in U-Bahnstationen derzeit 250 zusätzliche Polizisten ein, die Verkehrsbetriebe schicken 200 zusätzliche Mitarbeiter, teilweise gemeinsam mit der Polizei, auf Streife. Gleich vier Personen im gemeinsamen Einsatz wären den Wiener Verantwortlichen aber zu viel. Die Exekutive ist aber auch hier im Einsatz: Mit Einführung der Nacht-U-Bahn in Wien hat die Polizei elf Teams mit 22 Beamten gebildet, die – getrennt von den Wiener-Linien-Mitarbeitern – die U-Bahn überwachen.

Während Berlin wieder zur Fahrschein-Kontrolle in Uniform übergeht, sieht man dazu in Wien keinen Grund: “Wenn nur mehr die Dummen und Verschlafenen ins Netz gehen, wäre das zu wenig”, sagt Karlheinz Klausner. Weiterhin werde es in Wien auch Zivilkontrollen geben.

Ein Verkehrsverbund in Nordrhein-Westfalen hat ein generelles “Nahrungsmittel-Konsumationsverbot” in seinen Bussen und Bahnen verhängt. In Berlin wiederum sind in den Abend- und Nachtstunden Fahrgäste ohne Flasche in der Hand mitunter die Minderheit, weshalb dort ein Alkoholverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln überlegt wird.

(APA)

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