Wiener Leopold Maurer zeichnet Shakespeares “Sturm” als Graphic Novel

Shakespeare einmal anders - als Comic bzw. Graphic Novel
Shakespeare einmal anders - als Comic bzw. Graphic Novel - © Luftschacht Verlag / Regina Hofer
Wenn nüchterne Modernität auf sprachliche Schönheit trifft: Der Wiener Zeichner Leopold Maurer hat William Shakespeares Drama “Der Sturm” nun als Graphic Novel neu interpretiert. Das gelungene Ergebnis ist unser Buch-Tipp der Woche.

Dass seine gemeinsam mit Dramaturgin Vera Sturm hergestellte Überarbeitung der Schlegel’schen “Sturm”-Übersetzung solche Nachhaltigkeit hat, wird Claus Peymann freuen: Ausgerechnet die Textgrundlage seiner Burgtheater-Inszenierung von 1988 verwendet der Wiener Zeichner Leopold Maurer als Basis eines gelungenen Shakespeare-Comics, der nun im Luftschacht Verlag erschienen ist.

Außergewöhnlicher Zeichner: Leopold Maurer

Maurer, für außergewöhnliche Graphic Novels wie “Miller & Pynchon” (2009), “Mann am Mars” (2011) oder “Kanal” (2014) verantwortlich, hat allerdings eine zeichnerische Inszenierung hingelegt, die an Modernität die seinerzeitige märchenhafte Bebilderung Peymanns spielend übertrifft und sich in ihrer Nüchternheit auch tatsächlich gut auf einer Bühne machen könnte.

Prospero ist ein nachdenklicher, weißhaariger Mann im schwarzen Intellektuellen-Outfit, mehr Zauderer als Zauberer, der nicht über mächtige Magie sondern über heutige Überwachungselektronik verfügt. Sein Büro in einem stylischen gläsernen Strandbungalow ist Überwachungs- und Kommandozentrale in einem. Luftgeist Ariel ist ihm virtuell zu Diensten, die Kommunikation erfolgt mittels Monitor und Fernbedienung.

Gelungene Shakespeare-Adaption: Graphic Novel “Der Sturm”

Beim gestrandeten Gefolge des Königs von Neapel legt Maurer die Differenzierung weniger in den Strich als in die Kolorierung: Die klar zugeordnete Farbgebung wirkt bunt, aber nicht knallig. Deutliche Überzeichnung leistet sich der Zeichner nur beim bekannten Rüpel-Paar Trinculo und Stephano sowie bei Caliban, einem von Fliegenschwärmen umgebenen groben Klotz im hässlich-braunen Strand-Outfit, zu dem sich Prosperos blonde Tochter Miranda verständlicherweise nicht sonderlich hingezogen fühlt.

So angenehm unaufdringlich die bildliche Übersetzung des Dramas in eine Graphic Novel ist, so frappierend wirken die Monologe und Dialoge im Zusammenhang mit den Zeichnungen: Dass sich Rhythmus und Schönheit von Shakespeares reicher Sprache auch im Kontrast mit der Reduziertheit des Strichs so gut vermitteln, ist eine der Überraschungen des Bandes, der auf originelle Weise erneut den Nachweis führt, dass wahre Kunst nicht nur die Zeiten überdauert, sondern auch Formenwechsel übersteht. Auch zu seinem 400. Todestag gilt: Shakespeare lebt!

Leopold Maurer, William Shakespeare: “Der Sturm”, Luftschacht Verlag, Comic, 160 S., farbig illustriert, 24,70 Euro

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(apa/red)

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