18. März 2010 10:26; Akt.: 18.03.2010 10:26

Wiener Kinder stehen unter Druck

Kinder brauchen mehr Zuwendung Kinder brauchen mehr Zuwendung - © Bilderbox
Drei von vier Kindern meinen, dass dieser Druck zu einem Großteil in der Schule entsteht. Aufgrund der Ergebnisse einer vor drei Jahren durchgeführten Studie hat das Österreichische Jugendrotkreuz (ÖJRK) am Donnerstag zu einem Kindergipfel in Wien gerufen. Die Politik sei gefordert endlich zu handeln, so der Tenor der Experten. (1 Kommentar)

Auswirkungen des zunehmenden Drucks, der auf Kindern und Jugendlichen lastet, könne man in Form von gewalttätigen Auseinandersetzungen, Suchtproblemen oder Depressionen täglich in der Zeitung lesen. Für diese Probleme “wollen wir mehr Öffentlichkeit schaffen”, sagte Karl J. Zarhuber, Generalsekretär des ÖJRK. Das Jugendrotkreuz hat eine Kindercharta entwickelt, in der gemeinsam mit Schülern festgehalten wurde, welche grundlegenden Bedürfnisse wie Zeit, Zuwendung, Bildung oder Ernährung sie haben.

Von den zum Gipfel eingeladenen Vertretern der Politik erwarte man sich, dass sie “ihre Vorschläge zu dieser Charta artikulieren und uns sagen, wie das weiterbearbeitet wird. Wir wollen Zusagen für Vereinbarungen bekommen”, betonte Zarhuber.

Werdegang eines Kindes wird durch Schulen viel zu früh definiert

Die Politik lasse sich allerdings “nur halbherzig darauf ein, das Kinder gesetzlich verankerte Rechte haben sollen”, meinte Monika Pinterits von der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien. Einmal mehr kritisierte sie, dass es in Österreich unzureichend Daten über die Situation von Kindern gebe, etwa über die Auswirkung von Armut. Es bräuchte einen Jahresbericht über die Lage von Kindern und Jugendlichen, der im Parlament verlesen wird.

Schule müsse immer mehr das kompensieren, was Kindern abgeht. Dafür sei aber im herrschenden System nur bedingt Raum und Zeit, ergänzte der Wiener Lehrer Rudi Gratzl. Kinder bräuchten mehr Raum für Themen, die Konfliktlösung betreffen oder wo sie selber Verantwortung übernehmen müssen etwa im Bereich der Mediation. Schule könne Pinterits zufolge zwar viel ausgleichen, das österreichische Schulsystem sei aber sehr selektiv und der Werdegang eines Kindes werde dadurch viel zu früh über die Schule definiert.

Mehr Zuwendung für Kinder

Dass Kinder und Jugendliche zu wenig gehört werden, könne auch daran liegen, dass in Österreich keine eigenständige Kinderpolitik existiert. “Es braucht eine Politik, die die Bedürfnisse von Kindern in den Mittelpunkt stellt. Sie sollen mitreden dürfen und ernst genommen werden”, forderte Benedikt Walzel, Geschäftsführer der Bundesjugendvertretung.

Wesentliche Punkte aus der ÖJRK-Kindercharta sind Bedürfnisse wie Zuwendung: Kinder brauchen Zuwendung in Form von Zeit und Aufmerksamkeit, Ansprache und gemeinsames Tun, heißt es darin. Auch der Selbstwert müsse durch Eltern und Lehrer mehr gefördert werden: Aussehen und Markenkleidung ist für Kinder und Jugendliche unheimlich wichtig, es mache aber nicht glücklich. Angemessene Ernährung, um sich gesund entwickeln zu können, ist ein weiteres Grundbedürfnis. Essstörungen entwickeln sich durch die Ernährung zu Hause und in der Schule. Gewalt ist ein Thema, das Kinder immer mehr als Lösungsmittel erfahren. Auch hier haben sie das Recht, andere Lösungsstrategien für Konflikte kennenzulernen.



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