Wiener KAV-Generaldirektor Udo Janßen muss gehen

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Janßen hatte Auseinandersetzungen mit der Ärzteschaft
Janßen hatte Auseinandersetzungen mit der Ärzteschaft - © APA (Punz)
Die Stadt Wien hat sich vom Direktor des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV), Udo Janßen, getrennt. Janßen verlasse mit dem heutigen Tag den KAV, teilte Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) am Montag mit. Als Grund nannte sie fehlendes Vertrauen. Die interimistische Leitung übernehmen seine beiden bisherigen Stellvertreter Thomas Balazs und Evelyn Kölldorfer-Leitgeb.

Die Position des Generaldirektors wird ausgeschrieben, sobald die künftige Organisationsform des Krankenanstaltenverbunds feststeht, sagte Frauenberger. Die ärztlichen Agenden in der Generaldirektion des KAV wird Michael Binder, Leiter des Health Care Managements im KAV, in dieser Zeit übernehmen.

Janßen hatte sein Amt im November 2014 angetreten. Er war unter anderem wegen Verzögerungen bzw. kolportierten Kostensteigerungen beim im Bau befindlichen Krankenhaus Wien-Nord in die Kritik geraten. Auseinandersetzungen gab es auch mit der Ärzteschaft, deren Proteste gegen neue Dienstzeitmodelle im Vorjahr in einem Warnstreik gipfelten.

Als Grund für die Trennung von KAV-Direktor Janßen nannte Frauenberger fehlendes Vertrauen. Der KAV befinde sich an einem entscheidenden Punkt, da das Spitalskonzept 2030 nun umgesetzt werde. “In dieser sensiblen Phase ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Führung, das Management bzw. das Personal in den Häusern und die politischen Entscheidungsträger an einem Strang ziehen”, sagte sie.

“Dafür braucht es gegenseitiges Vertrauen und dieses Vertrauen ist verloren gegangen”, sagte Frauenberger im Rahmen der Pressekonferenz, bei der auch die interimistischen Leiter Balazs, Kölldorfer-Leitgeb und Binder anwesend waren. Janßen sei ab sofort vom Dienst freigestellt, nun gehe es darum, die Auflösung des Vertrags, der noch bis 2019 gelaufen wäre, zu verhandeln.

Über offene Ansprüche von Janßen könne sie daher zu diesem Zeitpunkt nichts sagen, so Frauenberger. Die Vorgangsweise sei selbstverständlich in Übereinstimmung mit Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) getroffen worden, versicherte sie.

Janßen wurde Montagfrüh, kurz nachdem die Entscheidung gefallen war, in einem persönlichen Gespräch informiert, erklärte ein Sprecher der Stadträtin. Sein Nachfolger wird erst ausgeschrieben, wenn die neue Organisationsform des KAV feststeht. Über diese werde man “bald entscheiden”, genaue Zeitangaben könne er keine machen, sagte der Sprecher.

Die Opposition im Wiener Rathaus und die Wiener Ärztekammer begrüßten den Abgang von Udo Janßen als Direktor des Krankenanstaltenverbunds. Die Ärztekammer nahm die Entscheidung “mit Genugtuung” zur Kenntnis, wie es in einer Aussendung am Montag hieß. Die FPÖ bezeichnete die Entscheidung der Stadt, sich von Janßen zu trennen, als “lange überfällig”. ÖVP und NEOS drängten auf Reformen.

Der Präsident der Wiener Ärztekammer Thomas Szekeres sieht mit der Trennung von Janßen die Forderung nach einer “Veränderung im inkompetenten KAV-Management” vom Warnstreik im September vergangenen Jahres als “großteils erfüllt” an. Er sprach sich dafür aus, dass nun “eine Ärztin oder ein Arzt mit Erfahrung” die Position übernimmt. Nur so könne das verlorene Vertrauen zwischen dem KAV und den Angestellten wiederhergestellt werden, sagte Skzekeres.

“Der Abgang des völlig überforderten Krankenanstaltenverbund-Chefs Janßen war lange überfällig. Dass ihn die SPÖ trotz Dauerversagens so lange gehalten hat, ist ein Skandal”, reagierte FPÖ-Vizebürgermeister Johann Gudenus in einer Aussendung. Den Personalwechsel sieht er als Chance, das Gehalt des künftigen KAV-Direktors zu stutzen. Kein Stadt-Manager solle mehr verdienen als der Bürgermeister, also 17.000 Euro im Monat. Außerdem forderte er, dass offengelegt wird, wie viel Geld Janßen für den Abgang erhält. Als Nachfolger wünsche er sich “keinen weiteren Import”, sondern “einen kompetenten Kenner der Materie aus den Reihen des KAV”, so Gudenus.

Die Wiener NEOS pochten in einer ersten Reaktion auf eine rasche Entscheidung über die zukünftige Aufstellung des KAV. “Janßens Amtszeit war geprägt von Gefechten mit dem eigenen Personal, dem er einen Maulkorb verpasst hat. Sie war geprägt von massiven Problemen bei Bauprojekten wie dem Krankenhaus Nord und sie war geprägt von teils unerträglichen Zuständen für Patientinnen und Patienten”, übte Beate Meinl-Reisinger Kritik. Die “Misswirtschaft” in der Wiener Gesundheitspolitik habe “enorme Ausmaße” angenommen. “In diesem Zusammenhang kann man nur sagen, dass KAV-Generaldirektor Udo Janßen nicht zu früh geht”, befand Meinl-Reisinger.

Für ÖVP-Wien-Chef Gernot Blümel kann die Trennung von Janßen “nur einen ersten Schritt” in einem Neuanfang für den Wiener Krankenanstaltenverbund darstellen. “Diese Personalentscheidung darf jedoch nicht dazu führen, dass die politische Verantwortung weiterhin abgewälzt wird und dies lediglich als Manöver benutzt wird, um von eigenen Versäumnissen abzulenken”, so Blümel. Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) müsse nun “die notwendigen und längst überfälligen Reformmaßnahmen in der Wiener Gesundheitspolitik einleiten”.

(APA)

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