Wiener Festwochen mit “Obsession”: Jude Law in Ivo van Hoves’ neuem Werk

Jude Law in "Obsession", auch bei den Wiener Festwochen.
Jude Law in "Obsession", auch bei den Wiener Festwochen. - © AFP
Auch bei den Wiener Festwochen macht sich die “Obsession” breit: Einen entblätterten Jude Law kann man in seiner Rolle im neuesten Filmwerk von Ivo van Hoves in der Halle E im Museumsquartier bewundern.

Nur 100 Minuten dauert die Inszenierung, in der der belgische Theatermacher Luchino Viscontis Regiedebüt aus dem Jahr 1943 auf die Bühne transferiert. Die auf James M. Cains “Wenn der Postmann zweimal klingelt” basierende Geschichte rund um den Landstreicher Gino (Jude Law) und die gelangweilte Ehefrau Hanna (Halina Reijn) verliert sich dabei im viel zu großen, weitgehend leer bleibenden Bühnenraum und erntete bei der Premiere am Mittwochabend auch einige unfreiwillige Lacher.

Zu schablonenhaft bleiben die aus der Zeit gefallenen Figuren, zu hölzern geraten die Kampfszenen, zu wenig Charisma strahlen die Protagonisten aus. Die Obsession, die Besessenheit frisch Verliebter, nimmt man diesem Cast nicht ab.

Obsession: Jude Law in einer Amour Fou

Ganz links auf der Bühne sitzt Hanna eingangs auf der schwarzen Bar und lackiert sich die Nägel. Weiter drüben macht sich ihr viel älterer Ehemann Joseph (Gijs Scholten van Aschat) an einem von der Decke baumelnden Motorblock zu schaffen, als durch die riesigen Fenster im Bühnenhintergrund die Silhouette eines Mannes sichtbar wird, der melancholisch auf seiner Mundharmonika spielt. Er betritt den Raum, Hanna gibt dem Hungrigen zu Essen und schon ist es geschehen – die beiden haben sich ineinander verliebt. Bald beschließen sie, gemeinsam zu fliehen.

Nach einigem Hin und Her, nachdem Hanna es sich doch anders überlegt hat und zu ihrem Joseph zurückgekehrt ist und Gino sich bei der Zufallsbekanntschaft Johnny ausgeweint und sich mit einer Tänzerin angefreundet hat, beschließen Gino und Hanna dann doch, den Ehemann gemeinsam ins Jenseits zu befördern. Die dramatische Mordszene unter dem sich lautstark herabsenkenden Motorblock, der dann auch noch eine Portion Schmieröl abspritzt, das auch in weiteren Szenen für Blut und Mord steht, ist einer der ästhetischen Tiefpunkte des Abends.

Filmabend im Wiener MQ

Ivo van Hove dekonstruiert den von Visconti damals frisch aufgebrachten Neorealismus: Seine Inszenierung lebt von Andeutungen und Auslassungen, von Zuspitzungen und Überzeichnung. Das geht zulasten eines dramaturgischen Bogens, eines Spannungsaufbaus, der den Funken zum Publikum überspringen lassen könnte. Dieses beklatschte am Ende wohl vor allem den Hollywoodstar, der allerdings gerade den Beweis geführt hat, dass sich die Intensität auf der Leinwand nicht immer auch auf die Bühne ummünzen lässt. Im Kino ist der zweifach für einen Oscar nominierte 44-Jährige derzeit übrigens in Guy Ritchies Fantasy-Abenteuer “King Arthur” zu erleben.

>> “Obsession” nach dem Film “Ossessione” von Luchino Visconti. Toneelgroep Amsterdam. Regie: Ivo van Hove. Mit u.a. Jude Law und Halina Reijn. Weitere Termine: 1. und 2. Juni, 19.30 Uhr, 3. Juni um 15.00 und 19.30 Uhr in der Halle E, MQ.

(APA)

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