Wiener Festwochen: Hyperreality als “paradigmenfreier” Ort

Durchtanzte Nächte in ungewöhnlicher Umgebung: Bereits im Vorjahr gab es diese Kombination bei den Wiener Festwochen. Die Clubkultur-Schiene Hyperreality führt man auch im zweiten Jahr unter Intendant Tomas Zierhofer-Kin fort und hat dafür mit der ehemaligen Sargfabrik Atzgersdorf, nun als F23 firmierend, ein neues Zuhause gefunden. Hier verspricht man einen “weitgehend paradigmenfreien” Ort.

Jedenfalls will Kuratorin Marlene Engel ihr Festival im Festival, das von 24. bis 26. Mai über die Bühne geht, so verstanden wissen. “Also ein Ort, an dem sich alle gleichermaßen willkommen fühlen können, bei dem wenig vorangehende negative Erfahrungen oder Assoziationen vorhanden sind und sich jeder gleichermaßen orientieren muss”, erklärte sie gegenüber der APA. Schon bei der ersten Ausgabe, die im Schloss Neugebäude die Mauern erzittern ließ, verstand man sich darauf, Musik, Ästhetik sowie gesellschaftspolitische Inhalte in unkonventioneller Form zusammenzubringen.

Auch diesmal gebe es einen “Querschnitt aus globaler Clubkultur”, wobei so bekannte Namen wie Arca oder Kelela ebenso zu Gast sind wie das Label Qween Beat mit einem Showcase und etliche heimische Künstler. Insgesamt sei das Line-up “eine Setzung mit Musikerinnen, die in sich spannend und nicht homogen ist, aber trotzdem Sinn ergibt”, so Engel. Ein gemeinsamer Nenner sei “eine gewisse queere Haltung. Queer nicht im Sinne von sexuell oder anderen Zuschreibungen, sondern klar politisch.” Das Hyperreality hat bezüglich der Zusammenstellung jedenfalls so gut wie allen anderen heimischen Musikfestivals einiges voraus, wenn es um Ausgewogenheit und Vielfalt geht.

Ein wesentlicher Bestandteil des Ganzen ist natürlich der Club als Ort, “an dem gesellschaftliche Zwänge und Mechanismen außer Kraft gesetzt werden”. Natürlich müssten das Betreiber und Gäste auch wollen, aber prinzipiell sieht Engel hier schon “eine gewisse Autonomie” vorherrschen, “in der wir uns nach innen selber strukturieren können, gesellschaftlich sowie politisch”. Zusätzliches subversives Potenzial ergebe sich schon alleine aus der “Diversität unserer Programmierung”, unterstrich Engel, die auch die zeitgemäße Musikszene als “Sprachrohr unserer Generation” definierte.

Folglich müsse man diesen Acts auch die entsprechende Bühne bieten, wobei die Ausprägungen “auch in der Musik nicht mehr auf nur eine Disziplin zu fassen” seien. Performance, Pop oder bildende Kunst – zunehmend werden die Übergänge fließend. Womit man letztlich wieder beim Freiraum Club wäre: “Hier kommen wir nicht nur ungefiltert zusammen, sondern die Erfahrung durch Dinge, die mit Selbstausdruck und Community zu tun haben, sowie interdisziplinäre Formate wie Visuals, Tanz oder Performance”, meinte Engel.

Und so gibt es pointierten Rap von Ebow (die übrigens auch als Teil des Kollektivs Gaddafi Gals zu erleben ist), präsentiert Electric Indigo Sounds ihres Debütalbums “511593”, lässt Meuko! Meuko! flüchtig anmutende Stimmfragmente auf knallige Beats treffen und tut sich die Engländerin Shiva Feshareki mit Organist Kit Downes zusammen, um mächtige Klangwände pulsieren zu lassen. Auch hier zeigt sich, wie weit das Feld bei Hyperreality beackert wird, wenn zeitgenössische Musik auf die Kraft des Elektronischen trifft. Neben dem Auftakt am 24. Mai, der mit drei Darbietungen im “Zusammenbau” bestritten wird, stehen also am 25. und 26. Mai lange Nächte mit verschiedenen Floors auf dem Programm. Hier wird die Nacht zum Tag gemacht.

(APA)

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen