Wiener Angewandte startet erstes künstlerisches Doktoratsstudium

Angewandte-Direktor Gerald Bast zu den Neuerungen.
Angewandte-Direktor Gerald Bast zu den Neuerungen. - © APA
Im Oktober lanciert die Angwandte als erste Kunstuniversität Österreichs ein künstlerisch-forschendes Doktoratsstudium, kündigte Rektor Gerald Bast bei der Jahrespressekonferenz in Wien an. Das Studium soll sechs Semester dauern und in Englischer Sprache sein.

Im Mittelpunkt des sechssemestrigen, englischsprachigen Studiums steht demnach eine künstlerische Arbeit, deren Entwicklung dokumentiert und die “theoretisch kontextualisiert und reflektiert werden muss”, so Bast.

Mitte März startet die Bewerbungsfrist, wobei maximal acht Doktoranden aufgenommen werden. Bei eingereichten Exposés werde vor allem auf die Aktualität, das Innovationspotenzial und die potenzielle gesellschaftliche Relevanz geachtet. Betreut werden die Doktoranden von den Professoren des Hauses sowie wechselnden Gastprofessoren. Den Anfang macht der niederösterreichische Künstler Nikolaus Gansterer.

“Internationaler Standard für jede Kunstuni”

Ein derartiges Studium sei international “mittlerweile Standard für jede Kunstuniversität”, hierzulande aber dennoch “lange diskutiert” worden, sagte Bast. So zeigte sich etwa die Universität Wien im Vorjahr erstaunt über die erstmalige Vergabe eines Doktorats “ohne Bezug zu einer wissenschaftlichen Leistung”. “Kunst und Weiterentwicklungen in der Kunst haben immer mit Forschung zu tun”, betonte Bast, der etwa den am Samstag verstorbenen Meisterdirigenten Nikolaus Harnoncourt als “Paradebeispiel von künstlerischer Forschung” hervorhob.

Der Angewandten gehe es nicht zuletzt darum “zu beweisen, dass wir nicht nur Produzenten von Humankapital für den Kunst- und Designmarkt sind, sondern auch als Institution an der Weiterentwicklung von ästhetischen Standards teilnehmen”.

Wiener Angewandte will Brücken schlagen

Auch andernorts will die Angewandte Brücken schlagen, und bietet ab 2017/18 ein interdisziplinäres Bachelor- und Masterstudium an. “Art & Cross-Disciplinary Communication”, so der Arbeitstitel, soll “Creative Skills” wie u.a. Imaginationsfähigkeit und die Entwicklung neuer Szenarien vermitteln, kombiniert mit Basiswissen in den Bereichen Technologie, Naturwissenschaften sowie Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Die Absolventen sollen zwischen Disziplinen kommunizieren können – ob in der Wirtschaft, Forschung, Kultur oder Politik. “Das sind die Leute, die gefragt werden”, so Bast.

Eine Theoretikerin, die konsequent Disziplinen überschreitet, hat einstweilen die Nachfolge von Peter Weibel übernommen. Ingeborg Reichle, die neue Professorin für Medientheorie, geht laut Bast “in ganz neue Felder und Definitionen von Medien hinein” und oszilliert zwischen Biomedien, digitalen Medien, Artificial Life und Robotik.

Stetiger Anstieg bei Bewerbungen

16 von 37 Professoren sind aktuell Frauen, hob Bast anlässlich des Internationalen Frauentags hervor. “Wenn man sich anschaut, wie andere Universitäten unterwegs sind, weiß man, wo wir stehen.”

Die Angewandte allgemein sieht Thomas Jakoubek, Vorsitzender des Universitätsrates, als “never-ending project” auf dem richtigen Weg. Das Publikationsvolumen steige stetig, Drittmitteleinnahmen hätten sich in den vergangenen zehn Jahren verfünffacht und die Fördersumme aus FWF-Mitteln für künstlerische Forschungsprojekte habe sich im Vorjahr von 1,13 Mio. (2014) auf 2,1 Mio. Euro erhöht. Auch bei den Bewerbungen erlebe man einen stetigen Anstieg, wenn auch die Zahl der Studenten mit rund 1.600 konstant bleibe. “Einerseits, weil wir auf Qualität statt Quantität setzen”, so Jakoubek, “und andererseits wegen der mangelnden Raummöglichkeiten.”

(APA)

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