Wiener Aids Hilfe Haus feiert 20-jähriges Jubiläum

Das Wiener Aids Hilfe Haus feiert sein 20-jähriges Bestehen.
Das Wiener Aids Hilfe Haus feiert sein 20-jähriges Bestehen. - © APA (Sujet)
Mit drei Wohnungen in Wien-Josefstadt startete die Aids Hilfe Wien ihre Büros bzw. Beratungsstellen – eine Situation, die so nicht mehr tragbar war, so der Obmann der Organisation, Wolfgang Wilhelm am Mittwoch in Wien. Schließlich erfolgte am 1. Dezember 1997 die Übersiedlung in ein eigenes Haus. Jetzt wird das 20-jährige Jubiläum gefeiert und gleichzeitig vor Sorglosigkeit gewarnt.

Mit dem Aids Hilfe Haus Wien am Mariahilfer Gürtel habe Wien damals ein “Vorzeigemodell” geschaffen, betonte Wilhelm in einer Pressekonferenz. Es sei ein Symbol der Solidarität mit Menschen mit HIV/Aids – sowie deren Angehörigen. Mehr als 4.000 Personen nutzen laut Aids Hilfe alljährlich die kostenlose und anonyme Testmöglichkeit. Auch auf das umfangreiche Beratungsangebot wurde verwiesen. Informiert wird nicht zuletzt zum Thema Safer Sex. Klienten erhalten dabei auch Unterstützung in Form von Verhütungsmitteln: 1,5 Millionen Kondome wurden in den vergangenen 20 Jahren verteilt.

HIV: Wissenschaftlicher Fortschritt führt zu weniger Beachtung des Themas

Aids-Hilfe-Chef Wilhelm verwies auf die Fortschritte der vergangenen Jahre. Zu Beginn hätten Angst und Unwissenheit vorgeherrscht. Man sei mit Fragen konfrontiert worden, ob etwa Gelsen HIV übertragen würden. Der Wissensstand sei inzwischen deutlich besser: “Die Menschen haben dazugelernt. Der Schrecken hat nachgelassen.” Das liege auch daran, dass Aids inzwischen eine chronische Krankheit sei. Der Nachteil dieser Entwicklung: Das Thema werde weniger beachtet, warnte er.

Von den 447 Neudiagnosen in Österreich 2016 sind laut Aids Hilfe 208 in Wien verzeichnet worden. Insgesamt wurden im Haus am Gürtel im Vorjahr 10.164 Tests durchgeführt, wobei auch Untersuchungen auf Syphilis und Hepatitis durchgeführt werden. Inzwischen wird das Haus aber auch regelmäßig verlassen, um direkt zu den jeweiligen Zielgruppen zu gehen, wie die Geschäftsführerin des Hauses, Isabell Eibl, berichtete.

Stadt Wien unterstützt Aids Hilfe Haus

Sozialstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) sicherte heute die weitere Unterstützung der Stadt zu – nämlich nicht nur die finanzielle, sondern auch die “inhaltliche und ideelle”. Antidiskriminierungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) verwies darauf, dass Ungleichbehandlung bzw. die Stigmatisierung von an Aids erkrankten Menschen noch immer ein Thema sei. Die Aids Hilfe Wien hat dazu eine eigene nationale Diskriminierungsmeldestelle eingerichtet.

Ziel sei es, das Aids Hilfe Haus auch einmal wieder zu schließen – nämlich dann, wenn sich die Situation weiter verbessert habe und das umfangreiche Angebot gar nicht mehr nötig ist, hieß es heute. Bis es so weit ist, wird jedoch das Jubiläum gefeiert, aber auch den Opfern der Krankheit gedacht. Neben einem Festprogramm im Haus selbst findet am Freitag ein Fackelzug durch die Innenstadt und anschließend ein Gedenkgottesdienst im Wiener Stephansdom statt.

(APA/Red)

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