“Wien wird sich ändern”: Stadt will Kultur als “öffentliches Gut” schützen

Andreas Mailath-Pokorny will Kultur als "öffentliches Gut" schützen.
Andreas Mailath-Pokorny will Kultur als "öffentliches Gut" schützen. - © APA
Am Dienstagabend widmete siche eine Diskussion dem Thema Bewahrung von Kultur als öffentliches Gut. Was die künftigen Herausforderungen der Stadt Wien betrifft, so hielt Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) fest: “Kultur ist ein öffentliches Gut und hat auch öffentlich finanziert zu werden.”

Wien befindet sich im Umbruch – die Stadt wächst Jahr für Jahr. Das stellt auch Kunstinstitutionen und die Politik vor große Herausforderungen – angefangen von der Finanzierung über die Bewahrung von Kultur als öffentliches Gut bis hin zum Umgang mit der aktuellen Flüchtlingsthematik. Eine von der Gesellschaft für Kulturpolitik organisierte Diskussion widmete sich am Dienstagabend diesem Thema.

“Die Weichenstellungen liegen vor uns oder wir rumpeln gerade drüber”, stellte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) bei der Veranstaltung mit dem Thema “Wien wächst, Kultur wächst mit” im Museum auf Abruf fest. Europa werde sich ändern, Wien werde sich ändern. “Wir wissen nur noch nicht ganz, in welche Richtung.”

Kultur soll “öffentliches Gut” bleiben

Was die künftigen Herausforderungen betrifft, so hielt der Stadtrat fest: “Kultur ist ein öffentliches Gut und hat auch öffentlich finanziert zu werden.” Er versprach in diesem Zusammenhang auch einen “bedingungslosen Einsatz für das öffentliche Gut Kultur”. Doch das gestalte sich mittlerweile aber als immer schwieriger.

Die Stadt wachse, müsse allerdings jedes Jahr mit gleichbleibendem Budget ihre Aufgaben bewältigen, erklärte der Ressortchef. Aufgrund des Stabilitätspakts dürften keine neuen Schulden gemacht werden. Projekte, wie der Bau des neuen Wien Museums müssten eigentlich mittels “unendlich komplizierten” Public-Private-Partnership-Modellen realisieren werden. Das sei momentan die einzige Möglichkeit, neue Schulden zu machen, so der Stadtrat. “Das ist in der Tat der politische Kampf, in dem wir uns befinden.”

Neben Mailath-Pokorny nahmen die neuen bzw. designierten Leiter bekannter Wiener Institutionen an der Diskussion teil: Tomas Zierhofer-Kin, designierter Intendant der Wiener Festwochen, brut-Leiterin Kira Kirsch, Volkstheaterdirektorin Anna Badora, Schauspielhaus-Leiter Tomas Schweigen und der baldige Wien-Museums-Chef Matti Bunzl. Wobei letzterer durchaus kreativ in Sachen Geldaufstellen vorgeht: Auf der Museumswebseite gibt es eine Crowdfunding-Aktion zur Wiedereröffnung der Virgilkapelle, erzählte er. Mit den Mitteln soll die Publikation der Forschungsergebnisse über die Bau- und Nutzungsgeschichte ermöglicht werden.

Auch Flüchtlingsthematik wurde diskutiert

Auch die aktuelle Flüchtlingsthematik wurde in der Diskussion angesprochen – konkret die Frage, was Kunst in solch einer Situation beitragen kann. “Ein Theater muss auch mit Theatermittel reagieren”, meinte Badora. Durch Bilder und bestimmte Blickwinkel könne beim Publikum ein anderes Bewusstsein entstehen, “dass die Leute berührt werden”. Rasches Reagieren ist aber eher nicht möglich: “Man kann keine tagespolitischen Themen auf die Bühne bringen”, unterstrich die Direktorin. Kurzfristig könne man nur kleine Projekte zum Beispiel Diskussionsrunden realisieren: “Einen Nestroy rauszunehmen und ein schnell geschriebenes Stuck zu aktuellen Themen zu bestellen, das ist eine Vorgehensweise die ich nicht akzeptieren würde.”

Letzterem kann Schweigen allerdings nicht zustimmen, wie er betonte. Für die Spielzeiteröffnung werde an einem Stück gearbeitet, dass im Ensemble entstehe und dessen Themensetzung den Sommer über relevanter geworden sei: “Tatsächlich beeinflusst das Tagesgeschehen die Proben.” Mehr wollte er noch nicht verraten.

Das Wien Museum reagierte auf die aktuelle Situation: Bunzl kündigte an, dass kurzfristig eine Präsentation auf die Beine gestellt wird, die “einerseits mit musealen Techniken spielt und einen historischen Kontext für die Asylproblematik besonders in Wien einrichtet”. Diese werde in den nächsten Tagen vor dem Wien Museum aufgestellt. Es handle sich um einen “Asylraum”, der 24 Stunden begehbar sein werde.

(APA/Red)

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