Wien: Sechsfacher Familienvater soll Tochter jahrelang missbraucht haben

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Der Vater wurde freigesprochen. / Symbolbild
Der Vater wurde freigesprochen. / Symbolbild - © APA/HELMUT FOHRINGER
Ein sechsfacher Familienvater musste sich am Dienstag vor einem Gericht in Wien verantworten, weil der Verdacht bestand, dass er seine älteste Tochter seit ihrem fünften Lebensjahr missbraucht haben soll.

Der 34-Jährige bestritt die Vorwürfe vor dem Wiener Schöffengericht vehement. Er gab an, dass das Mädchen diese Behauptungen “aus Eifersucht” aufgestellt habe, weil er sich von der Kindesmutter getrennt und eine neue Familie gegründet habe. 2008 trennte sich der Mann von der Mutter seiner beiden ältesten Kinder und zog vorübergehend zu seiner Mutter. Ein Jahr lang habe er seine Tochter und seinen Sohn daraufhin nicht gesehen.

“Ich hab Abstand gesucht”, meinte der 34-Jährige zur Schöffensenatsvorsitzenden Elisabeth Reich. Erst ab 2009 gab es regelmäßige Wochenendbesuche der Kinder bei ihrem Vater. Da hätten die Kinder auf der ausgezogenen Wohnzimmercouch geschlafen, er daneben am Boden. Dabei hätte es nie zu Übergriffen kommen können, ohne dass der kleine Bruder etwas mitbekommen habe.

“Habe Kinder nicht gebadet”

Auch im Badezimmer sei es nicht zu den inkriminierten Tathandlungen gekommen. “Ich habe die Kinder nicht gebadet”, sagte der Angeklagte. “Drei Tage nicht?”, fragte Richterin Reich. “Nein, sie wurden erst wieder gewaschen, wenn sie zu Hause waren. Wenn sie sich dreckig gemacht haben, hab’ ich sie mit einem Waschlappen abgewischt.” Nachdem er 2009 seine jetzige Ehefrau kennenlernte, habe sie die Pflege der Stiefkinder übernommen.

Dass die Kinder – vor allem das Mädchen – ungewaschen nach dem Wochenendbesuch beim Vater nach Hause kamen, bestätigte auch die Kindesmutter. “Ich hab sie immer gleich unter die Dusche gestellt”, sagte die 30-Jährige. Sie habe auch geglaubt, dass ihre Tochter ein gutes Verhältnis zu ihrem Vater hatte. Probleme gab es, als das Mädchen zwölf Jahre alt wurde. “Ich hab’ gedacht, das ist die Pubertät”, meinte sie.

Tochter hätte sich verändert und Lügen erzählt

Nachdem der Vater mit der neuen Frau ein Kind nach dem anderen bekam, hätte sich die älteste Tochter verändert. “Bei jedem Kind war etwas”, sagte die Stiefmutter. Nach der Geburt des ersten Kindes hätte das Mädchen behauptet, sie bekäme kein Essen mehr, beim zweiten meinte sie, dass gar nichts mehr gemeinsam unternommen werde, und beim dritten Geschwisterchen beklagte sie sich, dass sie von der Stiefmutter geschlagen werde. “Und beim vierten Kind?”, fragte Richterin Reich. “Beim letzten Kind kam das jetzt”, sagte die 28-Jährige und meinte den Vorwurf des Missbrauchs.

Dabei hätte das Mädchen seit knapp vier Jahren den Wunsch geäußert, beim Vater leben zu wollen. Der Grund war, dass die neue Lebensgefährtin der Mutter so grausam sei, meinte die Stiefmutter. “Sie ist gern zu uns gekommen.”

Ende vergangenen Jahres sprach ihn laut Richterin die Ex-Frau an, dass er mit seiner ältesten Tochter sprechen sollte, da sich das Kind an den Armen ritze. “Ich war sicherlich nicht sehr einfühlsam bei dem Gespräch. Ich hab’ gesagt, dass das nur dumme Leute tun. Und wenn sie nicht damit aufhört, lass ich sie in die Geschlossene einweisen.” Das hätte das Kind nur “witzig gefunden”.

Tochter schrieb Vorfälle in Brief auf

Anfang 2018 weinte das Mädchen in der Schule so oft, dass ihre Lehrerin geraten habe, sie soll einen Brief schreiben und dabei all ihre Gedanken niederschreiben. Darin berichtete die mittlerweile 13-Jährige erstmals von dem Missbrauch, wenig später vertraute sie sich der Mutter an. “Ich hab’ von den Gerüchten gehört. Ich hab’ dann das Kind nicht mehr geholt, ich wollte Abstand”, sagte der Beschuldigte, der kurz darauf in Haft genommen wurde. Er habe geglaubt, er habe ein gutes Verhältnis zu seiner Tochter. Als er von den Anschuldigen hörte – “was glauben Sie, wie fühlt man sich als Vater?”, fragte er die Richterin.

Nach der Aussage des Beschuldigten wurde die Öffentlichkeit für die Dauer der Vorführung des Videos der kontradiktorischen Einvernahme des Opfers ausgeschlossen. Der Mann musste sich wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen, sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und wegen Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses verantworten.

Freispruch

Der 34-jährige Familienvater ist am Dienstag vom Missbrauchsverdacht im Zweifel freigesprochen worden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. Das Opfer habe sich in seiner Einvernahme wiederholt widersprochen, sagte Richterin Elisabeth Reich in ihrer Urteilsbegründung: “Es war bis zuletzt nicht schlüssig, ob das passiert ist oder nicht.” Zudem hätten es die jetzige Ehefrau und der Bruder des Mädchens aufgrund der engen Wohnverhältnisse die Übergriffe mitbekommen müssen. Auch sei es dem Angeklagten nicht möglich gewesen, seine Tochter wegen ihres relativ hohen Gewichts aus dem Stockbett zu heben und für den Missbrauch ins Badezimmer zu tragen, meinte Reich.

APA/red

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