3. Februar 2012 16:57; Akt.: 3.02.2012 16:57

Wien hat den blutigsten “Tatort”

Krassnitzer kommt am Tatort nicht aus dem Leichenzählen Krassnitzer kommt am Tatort nicht aus dem Leichenzählen - © APA
Der 27. Fall von Moritz Eisner alias Harald Kassnitzer wird “Spannung ohne Schnickschnack” verspricht Regisseur Fabian Eder. Und auch der “bodycount” der neuen Folge gibt sich nicht zimperlich. Gleich 15 Tote müssen herhalten, um vielleicht schon diesen Sonntag den neuen Zuseherrekord der Staffel einzufahren.

“Kein Entkommen”, so der Titel der neuen Folge, wird bereits jetzt als “blutigster ‘Tatort’ aller Zeiten” kolportiert, der am Sonntag (5. Februar) um 20.15 Uhr auf ORF 2 zu sehen ist – um eine Leiche mehr als die bisherige Rekordfolge aus dem Jahr 2004.  In ihrem dritten gemeinsamen Fall bekommen es Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser als Kommissar Moritz Eisner und Assistentin Bibi Fellner mit serbischen Kriegsverbrechern zu tun. Man habe für den historisch angelegten Hintergrund “sehr genau recherchiert – Daher ist der Film auch sehr geerdet und besteht aus durchwegs realistischen Komponenten.”

Zusätzlichen Realismus erhält die Folge durch den eigentlichen Drehtermin vor einem Jahr im März. In der grauen, frostigen Bundeshauptstadt tobt die Grippewelle und setzt auch in den Reihen der Polizei reihenweise Beamte außer Gefecht. Von Knoblauch bis Ingwer scheint jeder ein Hausmittel zu haben. Auch Chefinspektor Eisner ist schwer bedient, stellt sich jedoch direkt vom Krankenbett aus in den Dienst, als es zu einem offenkundigen Auftragsmord an einem kurzfristig als Fahrer einer Reinigungsfirma eingesprungenen Studenten kommt.

Mehr Leichen am “Tatort” – mehr Zuseher

Das aber gleich 15 fiktive Personen den Abspann nicht “erleben”, ist in der 41 jährigen Geschichte der ARD Tatort Produktion ein eher schon morbides Highlight. Bisheriger Rekordhalter mit 14 Leichen war im Jahr 2004 der Bremer “Tatort: Abschaum” mit Sabine Postel (als Inga Lürsen), in dem es um Satanismus ging. Die deutsche Produktion löste Proteste aus, der Krimi sei zu brutal. Dies konnte aber die heimischen Zuseherzahlen nicht beeindrucken – durchschnittlich gab es 984.000 Seher bei “Vergeltung” am 6. März 2011 und 861.000 bei “Ausgelöscht” am 29. Mai.

“Tatort” als Gesamtkunstwerk zu sehen

Während aber die Medien die Leichensäcke zählen, ist Regisseur Eder mit seinem Gesamtwerk zufrieden. “Kein Entkommen” ist eine Geschichte über serbische Profikiller, die auf der Flucht aus ihrer Heimat in Wien untergetaucht sind. Ein Rachemord an einem ehemaligen Mitglied der  nationalistischen “Sveti Tigar”, spielt die Geschichte dem Kommissarenduo in die Hand.
‘Kein Entkommen’ ist aber auch ein Film über Väter und Söhne und das Erbe, das eine Generation der folgenden übergibt, über das Weitergeben von veralteten und verbohrten Geisteshaltungen oder das Brechen mit eben diesen. Die größte Schuld, die eine Generation auf sich laden kann, ist, ihre Schuld nicht vollständig aufzuarbeiten.”, so Fabian Eder.

Auch Wiens Landespolizeikommandant Karl Mahrer zeigte sich bei der Präsentation begeistert: “Dieser ‘Tatort’ ist der beste, den ich je gesehen habe. Authentizität, realistische Szenen und sehr viel Gefühl – man zeigt auch, dass Polizistinnen und Polizisten Gefühl haben. Das ist ganz wichtig und selten in dieser Dichte gebracht worden.”

Die “Tatort” – Community

Für eingefleischte Fans ist “Tatort” Nummer 827 (ARD-Zählung) aber eben nicht bloß eine neue Folge. “Einen ‘Tatort’ machen zu dürfen, ist eine besondere Auszeichnung”, versichert Eder. “Der ‘Tatort’ ist ein weltweit einzigartiges Format. Er ist keine ‘Serie’, er ist keine ‘Reihe’, er ist vielmehr Kult und gleichzeitig bereits Kulturgut.” Dass der vor allem in Deutschland gepflogene “Tatort”-Kult mittlerweile auch in Österreich Fuß gefasst hat, belegen auch einige Angebote zum gemeinsamen “Tatort”-Schauen in Wiener Szene-Lokalen: So kann man jeweils sonntags um 20.15 Uhr etwa im Top Kino und im Schikaneder in Kinosaal und Bar ebenso mit Gleichgesinnten die aktuelle “Tatort”-Folge sehen wie im Xpedit-Kiosk (Schleifmühlgasse) oder im Moped-Wohnzimmer (Salmgasse).

(APA)


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