Wien-Haftung sinkt um 1,9 Mrd. der aufgelösten Bank Austria Pensionsreserve

Die Wien-Haftung sind um 1,9 Milliarden Euro.
Die Wien-Haftung sind um 1,9 Milliarden Euro. - © apa (Sujet)
Die Bank Austria will 3.300 der noch knapp 9.300 Mitarbeiter im Inland demnächst vom hauseigenen Pensionssystem ins staatliche ASVG-System übertragen und hat dazu bereits 2015 bilanzwirksam die dafür aufgebaute Pensionsreserve aufgelöst. Zum Stichtag Ende Dezember 2015 waren dies 1,9 Milliarden Euro. Um diese Größe sinken jetzt auch die Haftungen der Gemeinde Wien für die Bank.

Der Schritt hatte in der Ergebnisrechnung der Bank namentlich im vierten Quartal 2015 einen schönen Sondereffekt: Aus dem Titel Pensionsreserveauflösung wurde in der Gewinn- und Verlustrechnung ein positiver Saldo (in der Position “Integrations/Restrukturierungsaufwand”) von 312 Millionen Euro verbucht.

Auflösung der Pensionsreserve

Gleichzeitig wurde in ähnlicher Größenordnung des im Ergebnis gebuchten positiven Saldos eine so genannte kompensatorische Buchung (“Lastschrift”) im Eigenkapital gemacht, wodurch sich insgesamt mit minus 27 Mio. Euro ein nahezu neutraler Effekt ergebe, teilte die Bank mit.

Diese Reserveauflösung war laut IFRS-Rechnungslegung bereits 2015 fällig, weil die entsprechende Betriebsvereinbarung zur Pensionsübertragung im Dezember unterschrieben wurde, sagte ein Sprecher heute zur APA. Vollzogen werden soll der – öffentlich zum Teil heftig kritisierte Pensions-Deal – im ersten Quartal 2016.

Nach Bankangaben wurden zugleich alle damit zu erwartenden Kosten und Aufwände und neue Rückstellungen (für die Übertragung an die PVA, Ausgleichs-/Abschlagszahlungen, Restrukturierung) verbucht, die derzeit kalkuliert und noch nicht öffentlich aufgeschlüsselt werden. Somit blieben unterm Strich von 1,9 Mrd. Euro für den vorjährigen Ergebnisausweis 312 Mio. Euro über.

Sparmaßnahmen der Bank Austria

Vor allem wegen der Bank Austria-Pensionsrückstellungen war allein im Jahr 2014 die Haftung der Gemeinde Wien für die Bank Austria um rund eine Milliarde angestiegen. Das war damals ein belastender Effekt wegen des gesunkenen Rechnungszinses, damit musste die Bank ihre Rückstellungen entsprechend höher dotieren. Ende 2014 haftete die Gemeinde laut Finanzschuldenbericht in Summe mit 7,758 Milliarden Euro. Für die unveränderten Rückstellungen bereits in Pension befindlicher Bank Austrianer gelten die Haftungen weiter.

Die Übersiedlung der Pensionsansprüche ist ein gewichtiger Teil der Sparbemühungen der Bank Austria. Sie muss im Auftrag der italienischen Konzernmutter bis 2018 rund 300 Mio. Euro einsparen, ausgehend von 2014. Gewichtigster operativer Brocken ist die Redimensionierung und Sanierung des inländischen Privatkundengeschäfts – namentlich der defizitären Filialsparte.

2015 hat die Bank durch Zusammenlegungen die Zahl der inländischen Filialen um 42 auf 174 reduziert. Es sollen 120 werden. Das sieht das hausinterne Sanierungsprogramm vor. Von einem Verkauf des Österreich-Retailgeschäfts wurde im Abtausch gegen Entlastungen bei den Pensionen und radikaler Redimensionierung des Zweigstellennetzes abgesehen.

Mitarbeiterabbau

Den Mitarbeiterstand in Österreich hat die Bank Austria im Inland letztes Jahr um 387 auf 9.254 (Vollzeitarbeitskräfte) zurückgeschraubt.

In Zentral/Osteuropa kam die Bank zum Jahresende auf 47.462 (2014: 47.053) Beschäftigte in 13 Ländern. Einem weiteren Mitarbeiterabbau in einigen ost/südosteuropäischen Ländern (CEE) stand ein Beschäftigtenzuwachs vor allem in der Türkei gegenüber. In der Region CEE hat die Bank heute 2.300 Filialen. Diese große Division wechselt heuer von der Bank Austria Wien zur UniCredit Mailand. 2015 gewann die Bank im Osten brutto 800.000 neue Kunden, hieß es heute. Bis 2018 sollen in der Region jedes Jahr eine Million dazu kommen. Das verantwortet dann schon Mailand. Zu Kundenbewegungen im Inland geht aus den heute veröffentlichten Daten nichts Näheres hervor.

An Bankensteuern und “Systemsicherungsbeiträgen” hat die Bank Austria im abgelaufenen Jahr 326 Mio. Euro abgeführt, 38 Prozent mehr als ein Jahr davor. Dazu der scheidende Bankchef Willibald Cernko in einer “Grußadresse” an die politischen Entscheidungsträger: “Die heimische ebenso wie die europäische Politik wird sich entscheiden müssen, ob sie die Kuh weiter melken möchte oder sie schlachten will – beides zugleich wird jedenfalls nicht gehen.”

>> Mehr Info zum Mitarbeiterabbau der Bank Austria

(apa/red)

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