Wien-Debüt von Rosanne Cash, Tochter des legendären Johnny Cash, in der Arena

Rosanne Cash gab am Montag ihr Wien-Debüt in der Arena.
Rosanne Cash gab am Montag ihr Wien-Debüt in der Arena. - © AP (Sujet)
Rosanne Cash gab am Montag ein Konzert in Wien: Authentizität und Leidenschaft verschmolzen bei der intimen, intensiven Darbietung.

Eine ganz große Stimme, manchmal eine zweite für Zwischentöne, manchmal nur eine Gitarre, des öfteren eine zweite – mehr brauchten Rosanne Cash, Tochter des legendären, schmerzlich vermissten Johnny Cash, und ihr musizierender, produzierender und songschreibender Partner nicht, um ein Gefühl davon zu vermitteln, welcher Soundreichtum an den Ufern des Mississippi bis heute die populäre moderne Musik geprägt hat. Leventhal breitete einen aus Delta-Blues, Soul, Appalachen-Balladen, Folk und Country gewebten Klangteppich aus, auf dem Cash souverän wandelte und ihre Persönlichkeit einbrachte.

Rosanne Cash-Konzert in der Arena began mit Erzählungen

Die 60-Jährige erzählte in der Arena zunächst in Worten, wie die Cash-Familie Mitte der 30er-Jahre nach Arkansas zog, wo die Urgroßmutter Baumwolle pflückte, sieben Kinder großzog und die Gemeinheiten ihres Mannes stoisch ertrug, dann mit dem Lied “The Sunken Lands”. Mitglieder der Cash-Familie haben im amerikanischen Bürgerkrieg an beiden Seiten gekämpft, ließ die mehrfache Grammy-Gewinnerin in der Einleitung zu “When The Master Calls The Roll” wissen. Von ihrer Einstellung ließ sie gleich gar keine Zweifel aufkommen: “Die Südstaatenflagge muss weg. Wir leben in 2015, Leute!”

Schwerpunkt der ersten Konzerthälfte: “The River & The Thread”

Der Schwerpunkt in der ersten Hälfte lag auf dem Meisterwerk “The River & The Thread”: “Etta’s Tune”, inspiriert von der 65 Jahre überdauernden Ehe von Johnny Cashs ehemaligem Bassisten, versprühte Sentimentalität, “Modern Blue” verband Americana mit keltischem Balladentum, “A Feather’s Not A Bird” atmete geisterhaften New-Orleans-Blues. Dann brachte das Duo Standards, viele davon von Rosanne Cash’ Album “The List”, auf dem sie Klassiker interpretierte, die ihr vom Vater ans Herz gelegt worden waren: “Long Black Vail” und “Sea Of Heartbreak” etwa und das Johnny-Cash-Cover “Tennessee Flat Top Box”, bei dem Country-Puristen ebenso auf ihre Kosten kamen wie bei “Heartaches By The Number” (von Peter Alexander einst als “Ich zähle täglich meine Sorgen” eingedeutscht).

Blieb nur die Frage, warum beim Wien-Debüt von Topstar Rosanne Cash die halbe Halle leer blieb. Aber immerhin verstanden es die begeisterten Fans zuzuhören – kein Quatschen bei den leisen Tönen, das hat man bei einem (nicht klassischen) Konzert in der Bundeshauptstadt lange nicht erleben dürfen…

(apa/red)

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