“Wie gemalt für uns”: Stermann und Grissemann als “Sunny Boys”

Christoph Grissemann und Dirk Stermann gehen als "Sunny Boys" auf die Bühne.
Christoph Grissemann und Dirk Stermann gehen als "Sunny Boys" auf die Bühne. - © APA/Georg Hochmuth
Dirk Stermann und Christoph Grissemann über ihre Adaption des Broadwayklassikers “Sunny Boys”, interessante Langeweile und den Ekel vor Kabarettfestivals.

Ein gefeiertes Komikerduo, das nach gemeinsamen Erfolgen die Schnauze voll voneinander hat: Die Ausgangssituation von Neil Simons “Sonny Boys” klingt wie gemacht für Dirk Stermann und Christoph Grissemann. Nach Jahren der Überredung durch Rabenhof-Leiter Thomas Gratzer feiert ihre Adaption des Broadwayklassikers nun am 10. Februar Premiere – im besten Fall ohne “verschwitzten Altherrenhumor”.

Als solchen habe Stermann die Thematik lange betrachtet, wie er im APA-Interview verriet. Gratzer aber sei hartnäckig geblieben. “Und ich bin ja jetzt 50 geworden, Christoph wird heuer 50. Dann hat er gesagt: 100 Jahre Stermann und Grissemann, ihr seid alt genug dafür.” In der Regie von Gratzer und gemeinsam mit Magdalena Kropiunig an ihrer Seite wird das Duo nun in das “Dilemma” der “Sonny Boys” eintauchen, denn: “Die Szenerie ist wie gemalt für uns.”

Frage: Das Stück hat eine gewisse Tradition, viele große Duos haben das gespielt. Hemmt so etwas?

Dirk Stermann: Es hemmt nicht, weil wir ja wissen, dass wir keine Schauspieler im klassischen Sinn sind. Wenn Otto Schenk und Helmuth Lohner das spielten, dann machten die das so gut auf ihre Art, dass es eh unvergleichbar war. Das wäre gar nicht unser Anspruch. Unser Anspruch ist, daraus einen Stermann-und-Grissemann-Abend zu machen. Insofern ist der Vergleich nicht mehr so wichtig.

Christoph Grissemann: Das Interessante ist: Lohner und Schenk waren Schauspieler, die sich das Stück erarbeiten mussten. Bei uns stimmt das Stück aber tatsächlich. Streckenweise ist es genau das, was wir in den letzten 20 Jahren in der Garderobe verhandelt haben. Verblüffenderweise stimmt das Eins zu Eins.

Wie schwierig ist es in einer Künstlerbeziehung, nicht irgendwann den Hut drauf zu hauen?

Stermann: Das hängt mit unserer psychischen Konstitution zusammen. Wir können wahnsinnig schlecht streiten, machen es aber viel und oft. Aus einem Defekt heraus treffen wir uns aber am nächsten Tag wieder und machen weiter.

Grissemann: Vor allem: Was wäre die Alternative? Natürlich ist es zerfleischend, aber ich kann ja nichts anderes. Es wäre absurd, das jetzt aufzugeben und auf Fußpfleger umzuschulen. Dazu bin ich auch zu alt. Also werde ich es die nächsten paar Jahre noch durchstehen. Und es ist ja auch ein schöner Beruf, es ist nicht nur schrecklich.

Gibt es etwas, das Sie aneinander besonders stört oder das Sie besonders schätzen?

Stermann: Was ich am Christoph mag und schätze, mochte ich von Anfang an: Dass er sehr lustig ist, sehr schnell und sehr überraschend sein kann in dem, wie er arbeitet. Es gibt von daher auch für mich keine Alternative. Wenn ich auf einer Bühne stehe, dann am liebsten mit Christoph.

Grissemann: Nach 30 gelebten Berufsjahren kann man sich nicht mehr vorstellen, den Partner zu tauschen. Außer ein schneller Todesfall…

Stermann: …oder ein langsamer Todesfall.

Grissemann: Aber dann ist die Frage, wen man nimmt?

Stermann: Hugo Simon musste auch lange schlucken, als E.T. gestorben ist. Wir sind einfach zwei Gäule, die zusammen den Karren ziehen, weil es kein anderer Gaul kann.

Haben Sie eigentlich ein bevorzugtes Ausdrucksmedium: Bühne, Radio, Fernsehen?

Grissemann: Mir macht die Arbeit auf der Bühne am meisten Spaß, aber das ist eine ständige Wiederholung. Mit “Stermann” sind wir beispielsweise 400 Mal aufgetreten. Mir macht das in Wahrheit Spaß, das ständige Reproduzieren des ewig Gleichen. Ich suche gar nicht nach Dingen, die mich neu herausfordern. Ich stecke im Alten fest und es gefällt mir. Jede Fernsehsendung ist für mich eine viel größere Tortur, weil es ein ungeprobtes Programm ist. Aber wenn etwas feststeht und du weißt, wann die Leute lachen: ein Traum.

Da kommt keine Langweile auf?

Grissemann: Es ist schon langweilig, aber interessant langweilig. Jeder Beruf ist langweilig, ist jeden Tag genau das gleiche wie gestern. Aber auf der Bühne fühle ich mich am sichersten. Fernsehen ist sehr oft eine Qual.

Stermann: Fernsehen ist viel Aufregung, es sind viele Menschen im Raum, es gibt die Kameras. Du musst in dieser einen Stunde funktionieren, ohne zu wissen, wie das wird. Ich bin montags nach der Aufzeichnung wirklich immer erschöpft. Das ist auf der Bühne nicht so, das ist keine Anstrengung mehr. Du weißt genau, wie es läuft. Aber wenn man so etwas oft spielt: Ab 200 Mal ist mir langweilig, ab 300 Mal ist es eine Qual und ab 400 Mal habe ich richtige Schmerzen auf der Bühne. Deshalb ist es gut, dass wir verschiedene Stücke parallel spielen.

Würden Sie sich manchmal mehr Abwechslung oder Überraschung wünschen, etwa durch einen Auftritt mit anderen Partnern?

Stermann: Wenn ich mit einem anderen Kabarettisten als mit Christoph auf der Bühne bin, ziehe ich mich sofort zurück. Ich habe keine Lust, eine Show abzuziehen. Da denke ich mir aus Höflichkeit: Sollen die das machen. Wir spielen auch wahnsinnig ungern auf Kabarettfestivals. Da haben wir das Gefühl, die Leute haben nicht für uns bezahlt, sondern für irgendwen und müssen uns jetzt schlucken. Das wollen wir nicht.

Grissemann: Es ist ein unerträglicher Gedanke, mit jemand anderem auftreten zu müssen. Wie man funktioniert, ist ein Kraftfeld, das man sich erarbeitet hat. Die Mutter kann man auch nicht wechseln. Das bleibt jetzt und ist ganz gut so.

Ist Ihr Beruf für Sie eher Arbeit oder Spaß?

Grissemann: Es ist beides gleichzeitig. Nervierender, nervenzerfetzender Spaß.

Stermann: Und nervenzerfetzende Langeweile.

Grissemann: Genau, Spaß und Qual, immer gleichzeitig.

(APA, Red.)

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