Wie auf Erden – Trailer und Kritik zum Film

Wie auf Erden – Trailer und Kritik zum Film
Vom ausgebrannten Stardirigenten Daniel und seiner Rückbesinnung auf das Wesentliche durch die Leitung eines Kirchenchors erzählte Kay Pollak 2004 in “Wie im Himmel”.

Die Tragikomödie wurde zu einem der erfolgreichsten schwedischen Filme aller Zeiten, für den Auslandsoscar nominiert und zog in Österreich mehr als 250.000 Zuseher an. Am Freitag startet mit “Wie auf Erden” die Fortsetzung.

Wie auf Erden – Die Geschichte

Mussten Fans elf Jahre lang auf den zweiten Teil warten, sind in der scheinbar idyllischen, schwedischen Dorfgemeinschaft Ljusaker nur neun Monate vergangen. Die quirlige Lena (Frida Hallgren) betrauert den Verlust ihrer großen Liebe Daniel (Michael Nyqvist) – und trägt sein Kind in sich. Als sie eines Abends hochschwanger als Countrysängerin auf der Bühne eines Tanzlokals steht, setzen die Wehen ein. Und bei der Hausgeburt im Schneegestöber steht ihr ausgerechnet der schwerst depressive, versoffene Pfarrer Stig (Niklas Falk) zur Seite.

Seit er den unorthodoxen Kantor Daniel und dessen Chor hinausgeekelt hat, sind Stig nicht nur seine Ehefrau, sondern auch sämtliche Kirchgänger abhandengekommen. Als der Kirchenrat ihm ob des leeren Gotteshauses und seiner Alkoholsucht mit dem Rauswurf droht, hegt Lena Mitleid mit dem einsamen Pfarrer. Und sagt zu, Daniels Erbe anzutreten und für das anstehende Jubiläumskonzert Chor und Orchester auf die Beine zustellen. Ausgerechnet das anspruchsvolle “Hallelujah” aus Händels “Messias” soll sie dafür einstudieren. Doch die scheinbar unmögliche Aufgabe beflügelt Lena geradezu, lässt sie mit Traditionen aufräumen und die Kirchenbänke entfernen. Das ruft Kritiker ebenso wie Verehrer – konkret den jungen Restaurator Axel (Jakob Oftebro) – auf den Plan.

Wie auf Erden – Die Kritik

Kay Pollak (77), der gemeinsam mit Ehefrau Carin Pollak erneut für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, holt für “Wie auf Erden” den Großteil seines ursprünglichen Ensembles liebenswert-skurriler Charaktere zurück auf die Leinwand. Gab es in “Wie im Himmel” noch deutlich mehr Nebenschauplätze und häusliche Krisen hinter pseudo-harmonischen Fassaden, konzentrieren sich die Pollaks nun ganz auf Lena: Den melancholischen Daniel durch die optimistische, naive, alleinerziehende Mutter ersetzt, gewinnt der Film im Gegensatz an Frische und Hoffnung. Frida Hallgren lässt die Leinwand förmlich erstrahlen, steckt an mit ihrer Lebensfreude inmitten widrigster Umstände. Ihre Figur stellt sich entschieden gegen jene Männer, die ihr Vertrauen einst ausnützten und sie nun als Nymphomanin diskreditieren. Und wächst an den Aufgaben, die ihr das Leben oder auch eine repressive Kirche stellen.

An großen Dramen mangelt es also auch diesmal nicht, zeichnet Pollak seine Schweden doch entgegen dem Klischee der melancholischen Ruhe als laute, aufbrausende, unsichere Zeitgenossen, die sich gegenseitig das Leben schwer machen. Die Konflikte von Teil 1 kehren in neuem Gewand wieder: So wird Stig vom Intriganten zum Opfer von Intrigen, haftet Lena mit unehelichem Kind erst recht der Ruf der Dorfschlampe an, und trägt die Wiederbelebung des Chors einmal mehr zum Zusammenrücken der Gemeinschaft und zum Selbstwertgefühl mancher Bewohner bei.

Das kommt wie schon der Vorgänger alles andere als subtil daher, wird teils unerträglich aufgebauscht, ständig wiederholt und trotz erwartbaren Ausgangs inklusive Tränendrüsen-“Hallelujah”-Finale mit 137 Minuten unnötig in die Länge gezogen. Fans von “Wie im Himmel” werden wohl dennoch ihre Freude haben, sind doch die Szenen, in denen unkonventionell und mit Inbrunst Musik gemacht und eine Alternative zum starren Gottesdienst vorgelebt wird, auch diesmal die schönsten. Das hätte bei einem Drittel weniger Länge aber definitiv mehr Freude gemacht.

(APA)

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