Widerstand gegen Mittal-Übernahme

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Gegen das feindliche Übernahmeangebot des indischen Stahlkonzerns Mittal für den europäischen Konkurrenten Arcelor wächst der Widerstand von Politikern: “Übernahmeschlacht wird Monate dauern”.

Die Schlacht um den europäischen Stahlkonzern Arcelor ist voll entbrannt: Während sich die Arcelor-Spitze und die französische Regierung am Montag ablehnend zu der feindlichen Übernahmeofferte von Weltmarktführer Mittal Steel äußerten, warb dessen Konzernchef Lakshmi Mittal in Paris für sein Vorhaben.

Am Dienstag wollte der indische Milliardär auch dem luxemburgischen Regierungschef Jean-Claude Juncker als Vertreter des größten Arcelor-Einzelaktionärs (gut fünf Prozent) seinen Plan erläutern. Die Aktienkurse beider Unternehmen legten weiter zu, nachdem am Freitag vor allem die Arcelor-Anteilsscheine starke Zuwächse verzeichnet hatten.

Arcelor gab sich kampfeslustig. „Die Schlacht hat begonnen und wir werden sie gewinnen“ sagte Arcelor-Chef Guy Dolle dem französischen Radiosender Europe 1. Sein Unternehmen habe sich seit vergangenem Frühjahr auf den „Angriff“ vorbereitet und verfüge über „Möglichkeiten zum Widerstand“. Die Schlacht werden „vier bis sechs Monate“ dauern, sagte er voraus. Der Pariser Tageszeitung „Le Monde“ vom Dienstag sagte Dolle, eine Übernahme durch Mittal hätte „dramatische Folgen“ vor allem für die Beschäftigten. Er sei „zu 300 Prozent dagegen“.

Frankreichs Finanzminister Thierry Breton übte scharfe Kritik. Lakshmi Mittal habe ihm am Montag bei einem Gespräch in Paris kein konkretes „Industrieprojekt“ vorgestellt und auch nicht dargelegt, wie die unterschiedlichen Firmenkulturen unter einen Hut gebracht werden könnten, sagte Breton. Er habe die „lebhaftesten Bedenken“ seiner Regierung zum Ausdruck gebracht.

Lakshmi Mittal beteuerte unterdessen angesichts weit verbreiteter Sorge um Arbeitsplätze, sein Unternehmen kaufe „Fabriken nicht, um sie zu schließen“. Das Zusammengehen zu einem neuen Branchenriesen sei vielmehr ein „gutes Mittel“, um europäische Arbeitsplätze auch in Zukunft zu schützen. Er brachte eine gemeinsame Konzernführung und einen Sitz des neuen Unternehmens in Luxemburg ins Gespräch. Arcelor beschäftigt allein in Frankreich etwa 27.000 Menschen.

Mittal, der weltgrößte Stahlkonzern, hatte am Freitag angekündigt, Arcelor für 18,6 Milliarden Euro übernehmen zu wollen. Die Arcelor-Führung hatte am Sonntag einstimmig beschlossen, diese Offerte zurückzuweisen. Arcelor als Nachfolger der französischen Usinor, der luxemburgischen Arbed und der spanischen Arceralia ist weltweit die Nummer zwei der Branche. Beide gemeinsam verfügen über Produktions-Kapazitäten von mehr als hundert Millionen Tonnen Stahl und damit über etwa zehn bis zwölf Prozent am Weltmarkt.

Die Arcelor-Aktie legte am Montag an der Pariser Börse zunächst fünf Prozent zu und lag damit am Mittag bei 29,94 Euro. Am Freitag war der Anteilsschein bereits um mehr als 28 Prozenrt im Wert gestiegen. In Amsterdam stieg auch die Mittal-Aktie um mehr als sieben Prozent auf 29,68 Euro; sie hatte am Freitag ein Kurs-Plus von mehr als sechs Prozent verzeichnet. Gemessen am Mittagskurs vom Montag lagen Arcelor-Aktien gut sechs Prozent über dem Barangebot pro Aktie von Mittal. Spekulanten setzten darauf, dass Mittal seine Offerte noch einmal aufstocken dürfte. Lakshmi Mittal sagte indes in Paris, sein Haus habe „nicht die Absicht, unser Angebot zu erhöhen“. Es sei bereits „attraktiv“.

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