Westbalkankonferenz in Wien – Gesetztes Ziel: Den Flüchtlingsstrom stoppen

Als Ziel nach der Westbalkankonferenz wurde gesetzt, den Migrationsstrom zu stoppen.
Als Ziel nach der Westbalkankonferenz wurde gesetzt, den Migrationsstrom zu stoppen. - © APA (Sujet)
Österreich und acht Länder entlang der Balkanroute konnten sich am Mittwoch in einer gemeinsamen Konferenz in Wien auf ein gemeinsames Vorgehen in der Flüchtlingskrise einigen. Als Ziel wurde gesetzt, die Migrationsströme zu stoppen, erklärte Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), “Wir wollen eine Kettenreaktion der Vernunft”, so die Innenministerin.

Bei dem Treffen auf Initiative Österreichs, das bereits im Vorfeld für Kritik aus Brüssel und Griechenland gesorgt hatte, wurde ein gemeinsame Maßnahmenpaket vereinbart. Demnach sollen die Voraussetzungen für den Grenzübertritt in den Ländern abgestimmt werden und nur mehr “offenkundig schutzbedürftige Personen” die Einreise erlaubt werden. Die Unterscheidung, wer zu dieser Gruppe gehört, werde den einzelnen Ländern überlassen, erklärte Mikl-Leitner auf Nachfrage.

Österreich und Balkanländer wollen Flüchtlingsstrom massiv reduzieren

Menschen mit gefälschten Dokumenten sollen direkt an der Grenze abgewiesen werden. Außerdem einigten sich die beteiligten Länder auf gemeinsame Standards zur Registrierung der Flüchtlinge. Besondere Unterstützung wurde Mazedonien zugesichert. Mikl-Leitner kündigte an, das österreichische Kontingent von Polizisten an der mazedonischen Grenze auf 20 aufzustocken.

Mit den vereinbarten Maßnahmen will Mikl-Leitner am Donnerstag auch Druck beim EU-Innenministerrat machen. “Die Flüchtlingsfrage kann zu einer Überlebensfrage der Europäischen Union werden”, erklärte sie. Es sei das Gebot der Stunde zu handeln, damit nicht Nationalisten die Oberhand in Europa bekommen.

Zu dem Treffen im Wiener Innenministerium waren die Innen- und Außenminister von Slowenien, Kroatien und Bulgarien sowie der sechs Westbalkan-Länder Albanien, Bosnien, Kosovo, Serbien, Mazedonien und Montenegro angereist. Griechenland – Hauptankunftsland der Flüchtlinge und erstes Land an der sogenannten Balkanroute – war nicht geladen. Das hatte bereits am Dienstag für Proteste aus Athen gesorgt. Das Mittelmeerland befürchtet, dass durch die Maßnahmen noch mehr Flüchtlinge im Land stranden. Auch die EU hatte den Alleingang Österreichs am Dienstag kritisiert und “alle Staaten” entlang der Westbalkan-Route aufgefordert, Notfallpläne gegen eine humanitäre Krise vorzubereiten.

Westbalkankonferenz in Wien

Der Kritik entgegnete Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) am Mittwoch: “Ich glaube nicht, dass es uns in Europa an gemeinsamen Veranstaltungen mangelt, sondern es fehlt der Willen, den Flüchtlingsstrom deutlich zu reduzieren.” Die griechische Seite habe bisher keine Bereitschaft gezeigt, den Flüchtlingsstrom zu reduzieren, sondern nur “ein Interesse, dass die Flüchtlinge möglichst schnell weiter transportiert werden”.

Österreich und alle Teilnehmer der Konferenz sind weiterhin überzeugt, dass das Beste eine gemeinsame europäische Lösung wäre. Allerdings sei keine solche gemeinsame europäische Lösung in Sicht. Daher setze Österreich auf eine nationale Lösung, die es aber regional mit den betroffenen Ländern abstimmen wolle. “Österreich ist schlicht und ergreifend überfordert”, so Kurz. An die Adresse Deutschlands erklärte der Außenminister erneut, er erwarte einen “respektvollen Umgang” und “Verständnis dafür, wenn Österreich überfordert ist”.

Die slowenische Innenministerin Vesna Györkös-Znidar bezeichnete die Konferenz als “eine der letzten Chancen, eine gemeinsame Lösung zu finden”. Slowenien könne nicht das Opfer einer nicht abgestimmten Politik der Länder im Norden werden und der Länder im Süden, die Flüchtlinge einfach durchwinken.

Der serbische Innenminister Nebojsa Stefanovic betonte, die “einzige nachhaltige Lösung kann nur eine europäische Lösung sein”. In Ermangelung einer solchen werde Serbien alles unterstützen, was Deutschland, Österreich und Schweden, welche die Hauptlast tragen, tun.

Stopp des Migrationsstroms

Bereits in den vergangenen Wochen haben Österreich und die Westbalkan-Staaten konkrete Maßnahmen zum Stopp des aus Griechenland kommenden Flüchtlingsstroms gesetzt. An der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien ist die Lage zunehmend chaotisch, seitdem Mazedonien nur noch Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak ins Land lässt. Afghanische Flüchtlinge weist das Land seit Montag zurück, weshalb Tausende in Griechenland gestranden sind.

Im südserbischen Presevo an der Grenze zu Mazedonien sind am Dienstag und Mittwoch keine weiteren Flüchtlinge angekommen. Auch in Slowenien gab es diese Woche keine neuen Flüchtlingsankünfte. Am serbisch-kroatischen Grenzübergang Batrovci-Bajakovo bildeten sich unterdessen lange Lkw-Kolonnen. Die Wartezeiten an dem Grenzübergang für Lastkraftwagen betrugen am Mittwoch laut serbischen Medienberichten etwa acht Stunden. Grund dafür seien die genauen Fahrzeugkontrollen der kroatischen Grenzpolizei, berichtete das serbische Fernsehen.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen warnte am Mittwoch vor den humanitären Folgen der Grenzpolitik der an der Konferenz teilnehmenden Länder für Griechenland. “Die Situation ist nicht mehr tragbar, wird sich in den kommenden Tagen aber weiter verschlimmern”, hieß es in einer Aussendung.

(apa/red)

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