Wessel Pretorius’ One-Man-Show zu den Wiener Festwochen im Künstlerhaus

Das Stück "Ont-" ist zu sehen im Wiener Künstlerhaus.
Das Stück "Ont-" ist zu sehen im Wiener Künstlerhaus. - © APA (Sujet)
Das Stück “Ont-” des südafrikanischen Performers Wessel Pretorius entführt auf den Wiener Festwochen in ein Leben aus Liebe und Zurückweisung. Gleich zu Beginn des Stücks wird das Publikum in seine Kindheit entführt.

Der 1986 in Südafrika geborene Performer hat mit seinem Solo, das 2011 uraufgeführt wurde und am gestrigen Donnerstagabend im Rahmen der Wiener Festwochen seine Premiere im deutschsprachigen Raum feierte, eine poetische Abhandlung über die Unmöglichkeit der familiären Liebe geschaffen. Als Eckpunkte dienen nicht nur ein schon lange im Ausland lebender Bruder, sondern auch seine eigene Entfremdung seit dem Tod der Mutter und die in Gefühllosigkeit erstarrte Beziehung zum Vater.

“Ont-“: Lederjacke und Koffer als einzige Requisiten

In Kaskaden bricht es aus dem jungen Mann, der sich recht bald aus der Wanne erhebt und einzig eine dunkle Lederjacke sowie einen großen, braunen Koffer als Requisiten nutzt: Die Geschichte des griechischen Gott Dionysos einwebend, springt er von frühester Kindheit und zärtlichen Erinnerungen an die sich schminkende Mutter zum beinahe ins Groteske verdrehten Tod des Vaters, der beim Frühstück über seinem Porridge das Leben aushaucht. “Was sollte ich tun? Ihm einen Kuss schicken? Mit dem Kopf nicken? Oder einfach nur lächeln?”

Wiener Festwochen im Künstlerhaus: Viel Abwechslung auf der Bühne

Pretorius schwankt dabei übergangslos zwischen humorvollen sowie mimisch überzeichneten Sequenzen und Melancholie. Etwa, als er in der Zeit vor seiner Geburt an der Schlafzimmertür der Eltern “lauscht – vielleicht habe ich ja etwas verpasst”. Die Mutter erörtert die Liebe zu ihrem Mann, mit all seinen Fehlern – und er sieht sich als “jener, der geliebt wird”, gleichzeitig defensiv wie fordernd. “Hier habe ich meine Kette bereitgelegt.” Zwischenzeitlich wird das Publikum im Festwochen-Zentrum im Künstlerhaus, das sich ob des minimalistischen Bühnensettings ganz auf die Darstellung Pretorius’ konzentrieren kann, mittels in Afrikaans vorgetragener Gedichte aus dem Geschehen gerissen, wird dadurch doch eine weitere Ebene der Reflexion eingeführt.

Eindrucksvolles Kaleidoskop der Gefühle, Sorgen und Träume

Nicht immer kann man Wessel Pretorius, der mit “Ont-” sein erstes eigenes Stück vorgelegt hat, folgen. Einiges erschließt sich erst im Laufe der vielen Monologe, die dank der Fähigkeiten des Schauspielers oft dialogische Qualität erreichen und immer wieder Anknüpfungspunkte offenbaren. So entsteht in etwas mehr als 80 Minuten ein eindrucksvolles Kaleidoskop der Gefühle, Sorgen und Träume dieser so unterschiedlicher Figuren. Langer, freundlicher Applaus für einen überzeugenden Abend.

(apa/red)

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