Wegen “Home Invasion” in Wien-Döbling: Mehrjährige Haftstrafen

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Die beiden Angeklagten beim "Home Invasion"-Prozess.
Die beiden Angeklagten beim "Home Invasion"-Prozess. - © APA
Die mutmaßlichen Täter, die im Februar einen brutalen Raubüberfall auf ein Ehepaar in ihrer Villa in Wien-Döbling verübten, müssen für mehrere Jahre in Haft. Der 27-jährige Hauptangeklagte wurde zu fünfeinhalb Jahren verurteilt, sein 31-jähriger Cousin erhielt eine vierjährige Zusatzstrafe, weil er derzeit eine 20-monatige Haftstrafe in Niederösterreich wegen Einbruchsdiebstahls absitzt.

Der 31-Jährige hatte den Einbruch nur drei Tage vor dem Überfall begangen. Da er vor Gericht stets bestritt in der Villa gewesen zu sein und die Opfer auch nicht vier, sondern drei Täter wahrgenommen haben, wurde er nur als Beitragstäter des Raubes verurteilt. Sein jüngerer Cousin wurde des Raubes, des Diebstahls und eines später begangenen versuchten Einbruchsdiebstahls schuldig gesprochen. Von der angeklagten Freiheitsentziehung wurden beide freigesprochen.

“Home Invasion” bereits einen Monat vorher geplant

Die Urteile sind nicht rechtskräftig. Weder die Staatsanwältin, noch die Verteidiger – Rudolf Mayer und Christian Werner – gaben eine Erklärung ab.

Die fünfköpfige Bande plante bereits einen Monat vor der Tat die “Home Invasion”. Warum gerade der Mediziner und seine Frau als Opfer ausgesucht wurden, konnte der Hauptangeklagte – ein gebürtiger Serbe, der seit über zehn Jahren in Wien lebt – nicht sagen. Seine Komplizen hätten den Mann “einmal verfolgt, weil er einen Porsche fährt”, mutmaßte der Beschuldigte gegenüber der Schöffensenatsvorsitzen Gerda Krausam. Er selbst sei im Jänner von seinem serbischen Cousin über Facebook kontaktiert worden. Bei einem Treffen in einem Wiener Kaffeehaus wurde er in die Pläne eingeweiht.

Da der 27-Jährige zu dieser Zeit keiner Beschäftigung nachging, willigte er ein, als Dolmetscher bei der “Home Invasion” dabei zu sein. Weil er der deutschen Sprachen mächtig ist, sollte er bei dem Überfall mit den Opfern kommunizieren und sie fragen, wo Geld und Schmuck in dem Haus versteckt sei. Die Bande mietete zwei BMW an, am 16. Februar fuhren sie zu der Villa in der Kahlenberger Straße in Döbling. Sie läuteten an, und weil die 71-jährige Frau ihren Mann erwartete, öffnete sie arglos die Wohnungstür.

Ehepaar in Wien-Döbling gequält

Die Komplizen der Männer drangen sofort in das Haus und attackierten die Frau mit Schlägen, während der 27-Jährige vor der Tür wartete, weitere standen in unmittelbarer Nähe Schmiere. “Sobald jemand die Tür öffnet, wird Gewalt angewendet”, berichtete der Angeklagte über den vorgegebenen Plan. Die Arztgattin wurde mit Klebebändern gefesselt, auch ihre Augen wurden verklebt. Als die Frau bereits hilflos am Boden lag, betrat der 27-Jährige das Haus. “Ich habe gesagt, sie soll still sein, es ist alles in Ordnung”, meinte der Beschuldigte.

“Es war entsetzlich”, sagte die 71-Jährige. “Hatten Sie Todesangst”, fragte Richterin Gerda Krausam. “Ja.” Die Frau berichtete den Räubern, dass bald ihr Mann nach Hause käme, worauf die Täter die Frau in die Toilette sperrten und sich auf die Lauer legten.

Als dann der Ehemann wenige Minuten später zu Hause eintraf, malträtierten sie auch den Mediziner mit Schlägen. Er habe sich beim Heimkommen noch gewundert, weil ihn der Hund nicht begrüßte, sagte der 64-Jährige im Zeugenstand. Auch er wurde mit einer Vorhangkordel gefesselt und die Augen mit Klebebänder verschlossen. “Ich hab gesagt, er soll ruhig bleiben. Und ich hab ihm gesagt, dass es seiner Frau und seinem Hund gut geht”, schilderte der 27-jährige Angeklagte. “Da hat er sich bedankt.” Er habe mit dem Opfern “höflich kommuniziert”, und gesagt, “das ist das erste Mal, dass ich so etwas mache.”

Online-Zeitungen gelesen, um zu sehen ob es den Opfern gut geht

“Können Sie sich vorstellen, wie es den Opfern gegangen ist? Sie sagen der Frau, alles ist gut. Sie war gefesselt. Nichts war gut”, sagte Richterin Krausam. “Nichts war gut und ich bereue es”, meinte der 27-Jährige mit gesenktem Kopf. Tage später habe er Online-Zeitungen durchforstet, um zu sehen, ob es den Opfern gut geht.

Mit einer Beute in Höhe von weit über 70.000 Euro flüchtete die Bande vom Tatort. Das Bargeld wurde mitgenommen, der Schmuck bei einem Hehler versetzt. Der 27-Jährige erhielt 2.000 Euro für seine Dienste.

Vier Monate nach dem Coup wurde der 27-jähriger Serbe, der bereits einschlägig vorbestraft ist, dank einer DNA-Spur auf einem der Klebebänder identifiziert. Nach einem unfangreichen Geständnis wurde kurze Zeit später sein 31-jähriger Cousin festgenommen. Nach drei weiteren Komplizen – teilweise weitere Familienmitglieder – wird noch gefahndet.

(apa/red)

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