Was von der Wiener Reichsbrücke übrigblieb

Was von der Wiener Reichsbrücke übrigblieb
Ein schwarzer Tag für die Wiener jährt sich am Samstag zum 33. Mal: Am 1. August 1976 stürzte die Reichsbrücke in die Fluten der Donau. An die Katastrophe erinnert seit der Neuerrichtung auf den ersten Blick nur wenig.

Bei genauerem Hinsehen finden sich aber heute noch einige Erinnerungsstücke des tragischen Ereignisses.

Immer noch fahrbereit ist etwa jener städtische Gelenkbus, der mit der Brücke in die Tiefe krachte. Er war bis 1989 regulär unterwegs und kann jetzt im Wiener Straßenbahnmuseum besichtigt werden. Die Katastrophe überstand er fast unbeschadet, lediglich die Front war eingedrückt. Er stand einige Tage im Wasser und wurde dann per Schwimmkran geborgen.

Dass der Bus damals gerade die Reichsbrücke querte, war reiner Zufall, so Museumsdirektor Harald Marincig im Gespräch mit der APA. Der Fahrer – er war noch lange als Buschauffeur im Einsatz und verstarb erst vor wenigen Jahren – kam zu spät zum Dienst und nahm von der Betriebsgarage kommend eine Abkürzung. Eine reguläre Autobuslinie über die Brücke gibt es (abgesehen vom Nachtbus) bis heute nicht.

Von der 1937 eröffneten Kettenbrücke selbst sind rund 30.000 Tonnen Bauschutt übrig, die nach dem Einsturz auf die Deponie Rautenweg im 22. Bezirk transportiert und dann lange vergessen wurden. Erst vor wenigen Jahren wurden die Betonbrocken wiederentdeckt, fein vermahlen und für Befestigungsmaßnahmen sowie die Schaffung eines Lkw-Abstellplatzes genutzt, hieß es auf Anfrage im Rathaus.

Eine besondere Recycling-Idee hatten Mitarbeiter der für Müllentsorgung zuständigen MA 48: Aus einem der übrig gebliebenen Granitblöcke wurden “Glückssteine” mit rund sechs Zentimeter Kantenlänge gemacht. Die historischen Stücke – rund 2.000 wurden produziert – können um sieben Euro erstanden werden. Der Erlös dient karitativen Zwecken, etwa dem Integrationshaus.

Immer wieder zum Einsatz kommen jene Brückenelemente, die von 1976 bis 1980 als Ersatz für das eingestürzte Bauwerk dienten. Sie gehören der Gemeinde Wien, werden aber beim Bundesheer gelagert und von den Pionieren im Katastrophenfall aufgebaut. Unter anderem wurden sie beim Jahrhundert-Hochwasser im Jahr 2002 zum Bau von Behelfsbrücken verwendet.

Auch künstlerisch fand das Ereignis beachtlichen Nachhall. So endet in der “Kottan ermittelt”-Folge mit dem Titel “Räuber und Gendarm” eine Verfolgungsjagd an der funktionsuntüchtigen Brücke. Das Duo Kratochwil & Napravnik veröffentlichte ihren “Reichsbrückenmarsch”, Gert Jonke schrieb sein Essay “Reichsbrücke” und Ludwig Fischer publizierte 1994 seinen Roman “Die Reichsbrücken-Rhapsodie”. Die Lyrikerin Christine Busta widmete der Brücke sogar einen Nekrolog mit ihrem Gedicht “Nachruf einer Brücke”. 

Geschichte der Reichsbrücke
Hundert Jahre vor dem Einsturz der Wiener Reichsbrücke gab es dort erstmals ein Bauwerk zur Querung der Donau. Die “Kronprinz Rudolf Brücke” wurde am 21. August 1876 eröffnet. Ihre Nachfolgerin versank am 1. August 1976 in den Fluten. Nach vier Jahren mit Behelfsbrücken für Straßenbahn und Autoverkehr wurde 1980 die bis heute bestehende Brücke eröffnet.

Die “Kronprinz Rudolf Brücke” wurde ab 1872 im Zuge der Donauregulierung in vierjähriger Bauzeit errichtet, und zwar noch über das trockene Flussbett. Nach dem Ende der Monarchie wurde das Bauwerk 1919 in “Reichsbrücke” umbenannt.

Die Brücke war den Anforderungen des gestiegenen Verkehrs bald nicht mehr gewachsen, weshalb man sich zu einem Neubau als Kettenbrücke entschloss. Allerdings gestalteten sich die Arbeiten an dem Projekt schwieriger als angenommen. Die Untergrundverhältnisse verzögerten die Eröffnung, die erst 1937 erfolgte.

Den Zweiten Weltkrieg überstand die neue Brücke dann trotz einiger Treffer. Bis 1955 trug sie dann einen neuen Namen: “Brücke der Roten Armee”.

Im Jahr des 100. Geburtstags kam es zur Katastrophe, als das Bauwerk am 1. August 1976 in sich zusammenstürzte. Der Wiederaufbaubeschluss erfolgte rasch und so konnte bereits am 9. November 1980 die zweite – oder je nach Rechnung – dritte Reichsbrücke für den Verkehr freigegeben werden. Die bisher letzte Generalsanierung erfolgte zwischen 2003 und 2005.

Mehr Bilder der Reichsbrücke und des legendären Busses

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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