Was passiert, wenn wir alle plötzlich auf alternative Antriebe umsteigen?

Was passiert, wenn wir alle plötzlich auf alternative Antriebe umsteigen?
Man stelle sich vor der Tag-X ist gekommen und von heute auf morgen steigen wir alle auf Automobile mit alternativen Antrieben um. Nun könnte man versucht sein darüber zu jubeln, denn das würde bedeuten, dass wir plötzlich keine Blechkolonnen mit stinkenden Abgasen mehr rund um uns hätten und auch bezüglich Lärmbelastung unmittelbar eine riesengroße Erleichterung erleben würden.

Schöne neue Welt, oder? Wenn da nur das Wörtchen „aber“ nicht wäre. Leider leben wir nicht im Schlaraffenland und können uns auch die Zukunft nicht auf einem weißen Blatt Papier einfach so ausmalen. Viel mehr sind wir dazu angehalten den Tatsachen ins Auge zu blicken. Und da stolpern wir unmittelbar über einige Punkte die uns vor große Herausforderungen stellen.Wenn wir alle keinen Benzin oder Diesel mehr tanken hat das nicht nur Vorteile, sondern Punkt eins würde ein großer Industriezweig zusammen brechen und uns viele Arbeitsplätze kosten, wo der eine oder andere von uns auch unmittelbar betroffen wäre. In weiterer Folge würden auch einige Staaten, welche fast zur Gänze ihr Budget aus der Erdölförderung beziehen, pleite gehen. Dies wiederum hätte zur Folge, dass Kriege ausbrechen, in denen es um das nackte Überleben gehen würde. Doch wir wollen hier nicht globale Szenarien erstellen und den Teufel an die Wand malen.

Selbst wenn wir dieses Szenario Tag-X im kleinen Rahmen betrachten, so stoßen wir sehr schnell auf einige Probleme. Woher sollte der Strom kommen den wir benötigen würden, wenn wir alle Elektroautos oder zumindest Hybrid-Autos fahren? Noch mehr Atomkraftwerke zu bauen kann spätestens seit Fukushima nicht unser erklärtes Ziel sein. Es gibt heute schon teilweise, und vor allem regional gesehen, Probleme den täglichen Strombedarf zu decken. Ganz abgesehen davon, dass unsere Leitungs-Netze in Europa den benötigten Kapazitäten nicht standhalten könnten. In anderen Ländern und Kontinenten unserer Erde sieht es diesbezüglich noch um einiges schlechter aus.

Nun, eine mögliche Antwort wäre, dass wir uns alle zu unseren neuen e-Autos auch eine entsprechende Anlage kaufen bzw. bauen, um uns selbst den Strom dafür zu erzeugen. Tolle Idee, nur leider nicht für alle umsetzbar, denn erstens würde dadurch die Anschaffung um einiges höher ausfallen und der geplante Einsparungseffekt durch die Spritersparnis schnell dahin schmelzen und erst nach vielen Jahren und unzähligen Kilometern eintreten. Zweitens kommt noch hinzu, dass viele von uns ja gar nicht die Möglichkeit haben sich eine eigene Anlage zu bauen. Was ist mit all jenen Menschen die in Wohnungen und Wohnhausanlagen leben? Wie sieht es mit den Bewohnern von Großstädten wie Wien aus, die beim besten Willen nicht die Möglichkeit haben sich auf ihr Fensterbrett ein eigenes Sonnenkraftwerk zu bauen? In ländlichen Regionen und für Hausbesitzer stellt sich diese Sachlagen natürlich etwas besser dar. Nichts desto trotz bleibt das Problem der hohen Anschaffungskosten und auch der Leitungskapazitäten. Gibt es denn hierfür überhaupt eine Lösung? Zum derzeitigen Zeitpunkt und nach dem heutigen technischen Fortschritt scheinen diese Probleme nicht so einfach zu entschärfen sein.

An dieser Stelle ist jedoch die Industrie gefragt und der Gesetzgeber gefordert diese Punkte vorsorglich und nachhaltig zu bedenken und klar zu definieren. Es bringt uns im Endeffekt nicht weiter, wenn dem einzelnen Menschen eingetrichtert wird, dass er auf Alternativen umsteigen soll, wenn das System als Ganzes dies eigentlich gar nicht ertragen könnte.

Droht damit unsere Vorstellung der schönen neuen und grünen Welt zu zerplatzen? Haben wir etwa gar nicht die Möglichkeit, unsere Umwelt zu schützen bzw. zu verbessern? Mehr dazu beim nächsten Mal.

Autor und Bildrechte: Mag.(FH) Manfred Erwin Winter

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