Warum ein Hund unterm Weihnachtsbaum nichts verloren hat

Bloggerin Claudia Drobny-Oertel über tierische Weihnachtsgeschenke.
Bloggerin Claudia Drobny-Oertel über tierische Weihnachtsgeschenke. - © Privat
Gastkommentar von fischundfleisch-Bloggerin Claudia Drobny-Oertel: Immer wieder werden Hunde von ihren Menschen einfach ausgesetzt. Das tierische Weihnachtsgeschenk, das am 24. Dezember noch so niedlich erschien, wird plötzlich zur Bürde und möglichst noch bevor das neue Jahr beginnt entsorgt. Für den Hund endet die Geschichte dann bestenfalls im Tierheim.

Gefährlich wird es für den besten Freund des Menschen aber spätestens dann, wenn der nächste Sommerurlaub naht.Das lästige Anhängsel wird einfach auf dem Weg in den Süden auf der Autobahnraststätte vergessen. Im Urlaub hat man schließlich ein Recht darauf sich zu entspannen. Besonders traurig macht mich aber das Schicksal von Hunden, die von ihren Besitzern einfach ausgesetzt werden, weil sie alt und krank sind. Wie kann man einen Hund, der jahrelang ein treuer Begleiter war, wie Müll entsorgen? Ich werde so ein herzloses Verhalten nie verstehen, aber ich weiß, warum mir Hunde lieber sind als so manche Menschen.
Jeder kann schwer erkranken, auch ein Hund. Manchmal sind die Halter dieser Hunde selbst alt oder krank und wissen einfach nicht, wie sie die hohen Tierarztkosten bezahlen sollen und setzen ihr Tier aus. Für derartige Kurzschlusshandlungen kann ich durchaus noch Verständnis aufbringen. Manchmal sind sie aber einfach nur skrupellos und egoistisch.

Auch Lebenssituationen können sich dramatisch ändern. Es gibt schreckliche Schicksalsschläge. Die Betreuung eines schwer erkrankten, oder aber auch gesunden Hundes ist dann einfach nicht mehr zu bewältigen. Den Hund auszusetzen ist allerdings in keinem dieser Fälle eine gute Lösung. Es gibt immer Alternativen, man muss sie nur suchen.

Nicht immer sind es die Tierarztkosten, die Menschen dazu treiben, ihren Hund auszusetzen. Ein krankes Tier ist in unserer schnelllebigen Zeit eine Belastung, der sich auf Dauer nicht jeder stellen kann und meist schon gar nicht will. Auch alte und kranke Menschen werden in unserer Gesellschaft oft als Störfaktor empfunden. Den Besuch im Altersheim absolviert man vielleicht noch pflichtbewusst, aber bitte nicht zu oft, denn die Atmosphäre dort kann sich schon ordentlich aufs Gemüt schlagen. Mit den Ängsten und Sorgen der Alten will man möglichst auch nichts zu tun haben, man hat ja selbst mehr als genug eigene Probleme.

In einem perfekten Leben hat ein beeinträchtigtes und auf Hilfe angewiesenes Tier gar nichts zu suchen. Man kann sich einfach nicht um alles kümmern. Das eigene Wohl geht nun mal vor und der Verursacher allen Übels muss weg. Leider betrifft das nicht nur kranke Hunde, auch gesunde werden ausgesetzt. Spätestens dann, wenn sie sich bei ihren coolen Haltern als Lebewesen mit Bedürfnissen zu erkennen geben. Mit der Erkenntnis, dass Hund und eigener Lifestyle nicht miteinander harmonieren, steigt die Gefahr für den Hund abgeschoben oder ausgesetzt zu werden erheblich. Es gibt viele Arten sich eines kranken oder lästig gewordenen Hundes zu entledigen. Man kann sie auf Autobahnrastplätzen zurücklassen, vor Tierheimen aussetzen oder einfach im Wald ihrem Schicksal überlassen. Der Phantasie sind da wirklich keine Grenzen gesetzt. Bei der harmloseren Variante werden die einst so süßen Welpen einfach nur möglichst schnell weitergegeben. Soll sich doch bitte jemand anderer mit diesem Problemhund beschäftigen…

„Die Menschlichkeit einer Gesellschaft misst sich am Umgang mit ihrem schwächsten Glied“, sagte Alexander Solschenizyn einmal. Diese Aussage ist nach wie vor gültig, auch wenn die schwächsten Glieder heute andere sind.

Claudia Drobny-Oertel lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Hunden in Wien. Sie arbeitet als freie Texterin, widmet sich auf ihrem Blog AbsolutHund.at Themen rund um den Hund und bloggt auf der Meinungsplattform fischundfleisch.com, wo jeder zu Themen aller Art schreiben kann. 

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