“Vulgär?”: Modeschau in den Prunkräumen des Winterpalais

"Vulgär? Fashion Redefined", von 3. März bis 25. Juni, Belvedere Winterpalais
"Vulgär? Fashion Redefined", von 3. März bis 25. Juni, Belvedere Winterpalais - © Belvedere, Wien
Ab 3. März 2017 verwandelt sich das Winterpalais in einen Catwalk: “Vulgär?” ist eine “wunderschöne, vor allem aber sehr intelligente Ausstellung”, freute sich Belvedere-Direktorin Stella Rollig am Donnerstag vor der Presse.

Das Vulgäre begreift man als Quelle der Innovation und will zeigen, “wie eloquent die Modeschöpfer Antworten auf schwierige Fragen finden”, erklärte Kuratorin Judith Clark, die die Schau zunächst für die Barbican Gallery in London erarbeitet hat. Die Kleider von Galliano bis Lacroix, von H&M bis zur historischen Hofbekleidung aus dem Victoria and Albert Museum, befanden sich im dortigen Black Cube freilich in ganz anderer Gesellschaft als in den Prunkräumen des Palais. Belvedere-Kurator Alfred Weidinger nahm die “Übersetzung” vor, platzierte die Mode mit großer Geste selbstbewusst in den barocken Bombast und sorgt damit für eine ganze Reihe zusätzlicher ästhetischer Dimensionen.

Modeausstellung im Winterpalais

Inhaltlich basierte die Ausstellung auf einem Dialog von Clark mit ihrem Lebenspartner, dem Psychoanalytiker Adam Philips. Von ihm stammen die Texte, die jedem Raum verschiedene Facetten des Vulgären zuordnen – “und sie feiern”, wie Clark betonte. Seine Genussfähigkeit, seinen Ehrgeiz, seine Kraft zur Übersteigerung, sein innovatives Potenzial. Als “Selbstheilmittel gegen die Angst vor der Armut” wird sie gepriesen, die Vulgarität, als Sündenbock, dem es “strikt verboten ist als Inspiration zu dienen” und der sich diesem Verbot entschieden widersetzt. Die Mode untermauert diese sprachliche Abhandlung über das Prinzip des Vulgären mal mehr, mal weniger stringent – und manchmal sehr einfach. Gefragt, was das “neue Barock” für ihn bedeute, antwortete Christian Lacroix: “Linien, die nach außen und nicht nach innen schwingen.”

“Vulgär?” Fashion Redefined in den Prunkräumen

Von den kleinen Podesten schauen edle Roben und neckische Hauche von Nichts herunter, meist im Dialog mit der Geschichte der Bekleidung, in Zitaten und Anspielungen, als freche Kopien und mutige Veredelungen. Die Mode habe das Vulgäre in sich aufzunehmen “und zu adeln ” verstanden und aus dem vermeintlich Anderen das Neue geschält, so die These. Edles Material, bedruckt mit dem Bild eines nassen und daher durchsichtigen Stoffes, der verheißungsvoll am Körper klebt. Motive aus der Popkultur, die sich mit Gold und Purpur als grelle Mixturen an die Puppen schmiegen, Ideen und Ideengeschichte, Farbe und Statement wo man hinschaut: Dass Mode Kunst sein kann und sich auch mühelos als solche ausstellen lässt, daran lässt man hier keinen Zweifel.

Was die Ausstellung in jedem Fall leistet, ist eine fabelhafte Inszenierung des Winterpalais – und damit einen bitteren Abschied von diesen prächtigen Ausstellungsräumen, die nun zum vorletzten Mal museal bespielt werden.

(APA/red)

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