Vorarlberg sieht Handlungsbedarf bei Stickstoffdioxiden

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In Vorarlberg sind im vergangenen Jahr die Grenzwerte für Stickstoffdioxid(NO2)-Konzentrationen in der Nähe von stark befahrenen Straßen mehrmals überschritten worden.

“Es besteht deutlicher Handlungsbedarf”, betonte Umweltlandesrat Johannes Rauch (Grüne) am Montag in Bregenz. 70 Prozent der Belastungen stammten aus Verkehrsemissionen, das größte Problem stellten Dieselfahrzeuge dar.

An drei Messstellen im Land, an der Bärenkreuzung in Feldkirch, dem Zollamt Lustenau und dem Gemeindeamt Höchst, wurde bei der Stickstoffdioxid-Belastung 2017 der österreichische Grenzwert von 35 Mikrogramm pro Kubikmeter anhaltend überschritten, berichtete Rauch im Rahmen einer Pressekonferenz.

“Einiges zu tun”

“Es gibt einiges zu tun”, stellte der Umweltlandesrat einen “Luftgüteplan neu” in Aussicht, der in den kommenden Wochen von der Landesregierung beschlossen werden soll. Zu sehen ist dieser auch als Reaktion auf ein von der EU-Kommission gegen Österreich angestrengtes Vertragsverletzungsverfahren wegen der anhaltenden NO2-Belastung, in dem auch Vorarlberg angeführt ist.

Bezüglich der Inhalte wollte Rauch nicht vorgreifen. Nur soviel: Es handle sich um “eine ganze Palette an Maßnahmen”, zu denen etwa der Ausbau und die Förderung von E-Mobilität, weitere Verbesserungen im öffentlichen Verkehr, eine stärkere Kontrolle bestehender Vorschriften oder die Planung grenzüberschreitender Projekte zählten.

Einen Seitenhieb auf die Automobilindustrie konnte sich der Politiker nicht verkneifen: “Wir haben einen Gutteil der Probleme auch deshalb, weil die Automobilindustrie nicht eingehalten hat, was sie versprochen hat”, spielte Rauch auf die Manipulation der Abgasgrenzwerte durch die Fahrzeughersteller an.

Fahrverbot “allerletztes” Mittel

Ein Dieselfahrverbot, wie in Deutschland in den vergangenen Tagen diskutiert, ist für ihn deshalb das “allerletzte” Mittel der Wahl: “Ich halte es kaum aus, dass nun die Konsumenten ausbaden müssen, was die Industrie verbockt hat”, machte Rauch seinem Ärger Luft. Das Gebot der Stunde sei vielmehr eine Hardware-Nachrüstung der Fahrzeuge auf Kosten der Hersteller. “Das wäre möglich”, stellt der Vorarlberger Umweltlandesrat klar. Die europäischen Politiker müssten sich allerdings dafür einsetzen.

Für Vorarlberg machte er deutlich: “Luftschadstoffe sind nicht innerhalb eines Jahres in den Griff zu bekommen. Man braucht einen langen Atem”, sagte Rauch und verwies auf einen Zeitrahmen von mindestens zehn Jahren.

“Gute Beispiele” Feinstaub und Ozon

Dass mit politischem Gegensteuern etwas erreicht werden kann, zeigte der Umweltlandesrat anhand der Schadstoffe Feinstaub und Ozon. Die Feinstaubbelastung ging in den vergangenen 15 Jahren stark zurück, erhöhte Werte wurden 2017 lediglich an einzelnen Tagen festgestellt, der Jahresgrenzwert wurde an keiner Messstelle überschritten. Maßnahmen, wie die Emissionsminderung beim öffentlichen Verkehr, bei der Straßenreinigung, beim Winterdienst oder bei Holzheizungen, “haben gegriffen”, führte Arthur Sottopietra vom Umweltinstitut Vorarlberg aus.

Auch die Ozonwerte lagen im vergangenen Jahr durchwegs unterhalb der Informationsschwelle von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter. Vor allem Verbesserungen im Bereich der flüchtigen Kohlenwasserstoffe machten sich hier bemerkbar, hieß es.

(APA)

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