Vor 100 Jahren verstarb Kaiser Franz Joseph I.

1913 verstarb der damals 68-jährige Kaiser Franz Joseph I. in Wien.
1913 verstarb der damals 68-jährige Kaiser Franz Joseph I. in Wien. - © APA
Am Montag jährt sich der Tod von Kaiser Franz Jospeh I. zum 100. Mal. Mit ihm wurde mitten im Ersten Weltkrieg auch die jahrhundertelange Herrschaft des Hauses Habsburg zu Grabe getragen.

“Ist zu beerdigen: In Kapuzinergruft”, verfügte vorschriftsgemäß der amtliche Totenschein jenes Mannes, der Zeit seines Lebens die Einhaltung und Erfüllung der vorschriftsmäßigen Ordnung zur Maxime seines Handelns machte und buchstäblich bis zum Umfallen arbeitete. Erst am Vorabend seines Todes begab sich der gesundheitlich schwer angeschlagene Monarch etwas früher zu Bett.

Die Geschichte von Kaiser Franz Joseph I.

Erzherzog Franz Joseph aus dem Hause Habsburg-Lothringen wurde am 18. August 1830 unter der Regentschaft seines Großvaters Franz II./I. im Schloss Schönbrunn geboren. Als dieser 1835 starb, folgte ihm zunächst sein Sohn als Ferdinand I. auf den Thron. Als “der Gütige” in die Geschichte eingegangen, war Ferdinand von den einen als durchsetzungsschwach, von anderen schlicht als schwachsinnig bezeichnet, jedoch niemals in der Lage, die Regierungsgeschäfte wirklich zu führen und stand unter dem Kuratel einer Staatskonferenz unter der Führung des Staatskanzlers Metternich. Als im Jahr 1848 die Revolution auch über Wien hereinbrach, musste Metternich fliehen und Ferdinand abdanken. Der 18-jährige Franz wurde am 2. Dezember 1848 zum Kaiser proklamiert.

Unter dem Eindruck der Revolution und dem Einfluss konservativer Berater – allen voran seine Mutter Sophie, eine bayrische Prinzessin aus dem Hause Wittelsbach, und sein Kabinettschef Felix Fürst Schwarzenberg – setzte Franz Joseph ganz auf die Wiederherstellung der zentralen kaiserlichen Autorität. Die 1849 ohnehin oktroyierte “Märzverfassung” wurde gar nicht erst in die Tat umgesetzt und zwei Jahre später wieder aufgehoben. Der junge Kaiser errichtete unter dem Einfluss des Hochadels zunächst eine unbeschränkte neoabsolutistische Herrschaft, die außenpolitisch vor allem darauf bedacht war, Österreichs Vormachtstellung in Europa zu behaupten.

Erst außenpolitische Ereignisse – der Bruch mit Russland durch die West-Orientierung Österreichs im Krimkrieg 1853/54 und die Rivalität am Balkan, militärische Niederlagen im sardisch-französisch-österreichischen Krieg mit empfindlichen Gebietsverlusten und schließlich die Niederlage gegen Preußen bei Königgrätz 1866 – beschleunigten eine ohnehin nicht mehr aufzuhaltende Wende zu konstitutionellen Reformen. Mit dem “Oktoberdiplom” von 1860 und dem “Februarpatent” von 1861 wurde zuerst eine föderative, dann eine liberalistisch-zentralistische Verfassung eingeführt, das Jahr 1867 schließlich sah nicht nur den “Ausgleich” mit Ungarn und die Errichtung der Doppelmonarchie, sondern auch die Unterschrift Franz Josephs unter das “Staatsgrundgesetz über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger für alle im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder”, einen Grundrechtskatalog, der noch Basis für die über 50 Jahre später ausgearbeitete Verfassung der Ersten Republik sein sollte. Den bereits “vor Überdruck pfeifenden Kessel” auseinanderstrebender Völker konnten diese “Deckel” allerdings langfristig auch nicht mehr verschließen.

Seine Frau Elisabeth

Seine Frau Elisabeth – wie seine Mutter aus dem Haus Wittelsbach stammend -, die er 1854 heiratete, wurde am Wiener Hof nie heimisch und entfremdete sich nach glücklichem Beginn im Laufe der Jahre immer mehr von ihm. Sie reiste ruhelos umher, war monate- bis jahrelang nicht in Wien und entwickelte immer stärkere Symptome physischer und psychischer Labilität. Nach dem Tod des Thronfolgers Erzherzog Rudolf in Mayerling 1889 zog sie sich gänzlich vom Hofleben zurück. Am 10. September 1898 wurde sie auf der Uferpromenade des Genfer Sees von einem italienischen Anarchisten erstochen. Vor dem Tod seines einzigen Sohnes Rudolf – “Sisi” hatte ihm noch drei Töchter geschenkt – und seiner Frau hatte Franz Joseph bereits seinen jüngeren Bruder Maximilian verloren, der sich auf ein kurzlebiges Abenteuer als Kaiser von Mexiko eingelassen hatte und 1867 vor einem Erschießungskommando endete.

Die Ermordung seines Neffen Franz Ferdinand

Den letzten Schlag versetzte ihm die Ermordung des nunmehrigen Thronfolgers, seines Neffen Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 in Sarajevo. Er begann, bereits 84 Jahre alt und müde, unter dem Druck nach Rache dürstender Politiker und Militärs einen Weltkrieg, den er nicht wollte, auch wenn seine unbewegliche Haltung in außen- und innenpolitischen Fragen besonders in der Frage der nach Unabhängigkeit strebenden Nationalitäten des Vielvölkerstaates dazu beigetragen hatte. Er glaubte, die Donaumonarchie militärisch zusammenhalten zu können und musste die Konsequenzen dieser Fehleinschätzung nicht mehr miterleben.

(APA)

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