Von wegen “Höhenangst”: Billy Talent live im Wiener Gasometer

Von Amina Beganovic
Akt.:
Billy Talent-Frontmann Benjamin Kowalewicz ganz in seinem Element.
Billy Talent-Frontmann Benjamin Kowalewicz ganz in seinem Element. - © Vienna.at/Bernhard Jank
Mit ihrem aktuellen Album “Afraid Of Heights” gab sich die kanadische Rockband am Samstagabend vor einem ausverkauften Gasometer live die Ehre.

Es wurde ein langer, wenn auch keineswegs langweiliger Abend in einem vollgesteckten Gasometer, dessen Publikum zu gefühlten achtzig Prozent weiblich und unter 1,60 Metern war – aber wenn Billy Talent mitsamt neuem Album in Wien zugegen sind, lassen sich Fans nicht zwei Mal bitten.

Mitsamt Support-Bands (The Dirty Nil und Monster Truck, wobei letztere durchaus eine Empfehlung sind) und ihrem fünften Studioalbum im Gepäck feierten die vier sympathischen Kanadier mit ihren Wiener Fans eine ausgelassene Rock-Party, wie es sich gehört. “Wien, wir haben euch vermisst!”, flirtete Sänger Ben Kowalewicz mit seinem zustimmend kreischenden Publikum – wenn er mal kurz eine Pause einlegte, denn der charismatische Frontmann ist nicht zuletzt für seine energiegeladene Bühnenpräsenz bekannt, von der er auch mit 40 Jahren noch nichts eingebüßt hat.

Bodenständiger Rock made in Canada

In Sachen Setlist wurden die Fans durchaus zufrieden gestellt, denn Billy Talent lieferten einen gelungenen Mix aus Alt und Neu. Aufwärmprogramm gab es mit bekannten Krachern wie “Devil In A Midnight Mess” oder “Rusted From The Rain”, wobei das Publikum auch bei neuen Songs wie “Big Red Gun” und “The Crutch” die Texte zuverlässig, wenn auch nicht ganz so inbrünstig mitsang.

Das aktuelle Material besticht mit dem klassischen Billy Talent-Sound, den die Fans in der vergangenen Dekade lieben gelernt haben: Bodenständig und geradlinig, handgemacht und ohne elektronischen Schnick-Schnack, dafür stets mit gekonnter Gesellschaftskritik in den Lyrics. Trotz des teilweise experimentelleren Sounds, der sich mitunter auf dem neuen Album findet, bleibt “Afraid Of Heights” dieser Linie treu – und die Fans danken es den vier Musikern.

“Wir kommen jetzt bestimmt schon seit elf Jahren zu euch, und es ist für uns ein echtes Privileg, dass heute auch so viele von euch hier sind!”, streute Kowalewicz der Menge Rosen. Wobei die Band leider nicht vollständig in altbekannter Besetzung am Posten war: Schlagzeuger Aaron Solowoniuk ist bei der derzeitgen Tournee krankheitsbedingt nicht dabei. “Unser Freund und Bruder Aaron kämpft weiter den Kampf gegen MS (Multiple Sklerose, Anm.). In seiner Abwesenheit ist unser guter Kumpel Jordan Hastings für ihn eingesprungen,” erklärte Kowalewicz den Wechsel in der Band. Und auch wenn Solowoniuk fehlte, musste man Hastings durchaus zugute halten, dass er einen hervorragenden Job machte: Seine Drums und der Bass von Jon Gallant zogen den ganzen Abend hindurch, dass die Halle keine Sekunde Ermüdungserscheinungen zeigte, die Soli von Gitarristen Ian D’Sa gaben dem Sound den finalen Schliff.

Billy Talent und das “verdammte Jahr 2016”

Nicht nur wegen dem Fortschreiten von Aaron Solowoniuks Krankheit war 2016 für Billy Talent ein “verdammtes Jahr”. “All die fantastischen Musiker, von denen wir Abschied nehmen mussten: Begonnen mit Scott Weiland von den Stone Temple Pilots, bis zu David Bowie, Prince, Lemmy, ….” zählte Sänger Kowalewicz auf. “Und dann wird auch noch Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten! Aber eines sagen wir euch: Uns ist es egal, ob ihr schwarz, weiß, asiatisch, mexikanisch, Muslime, Christen, homosexuell oder hetero seid – wir lieben euch alle!” Zustimmender Beifall aus dem Publikum.

Auf die beliebten Klassiker mussten die Fans an diesem Abend ebenfalls nicht warten: “Surrender”, “Pins And Needles” “Devil On My Shoulder” oder “Red Flag” waren ebenso Teil des fast zweistündigen Programms. Mit dem Klassiker “Try Honesty” sowie “Fallen Leaves” und einem lautstarken “Viking Death March” in der Zugabe endete der Abend zur allgemeinen Zufriedenheit. In diesem Sinne: Wiedersehen macht bekanntlich Freude!

Fotos des Konzertabends finden Sie in unserer Diashow.

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