Von “The Neon Demon” bis “The Nice Guys”: Die Kinohighlights im Juni

Von Christoph Stachowetz
Akt.:
Ryan Gosling in der 70er Jahre Actionkomödie "The Nice Guys"
Ryan Gosling in der 70er Jahre Actionkomödie "The Nice Guys" - © Constantin Film
Man kann durchaus überrascht sein, dass der Juni auch ohne millionenschwere Blockbuster und immer weiter steigenden Temperaturen doch einiges in Sachen Kinofilme zu bieten hat.

Kleine, aber feiner Filme für ein breitgefächertes Publikum in fast jedem zugkräftigen Genre schaffen einiges an Abwechslung.

“Green Room” (03.06.)

Die Mitglieder einer Anti-Nazi-Punk-Band bestreiten ihren letzten Auftritt in einem Club im Nirgendwo. Das Publikum: Skinheads. Deren Anführer: Patrick Stewart. Ein brutales Katz-und-Maus-Spiel vom Regisseur des Überraschungshits “Blue Ruin”, das mit harter Action und psychologischem Thrill die Kritiker begeistern konnte. “Green Room”Kein Feel-Good-Movie, aber definitiv ein Highlight im Juni, das vorgemerkt werden sollte.

“The Nice Guys” (03.06.)

Ein Buddy-Action-Movie vom Wegbereiter des ganzen Sub-Genre, Shane Black. Der Mann hat schon mit dem Drehbuch zu “Lethal Weapon” und auch mit seinem sträflichst vom Publikum übersehenen Regiedebüt “Kiss Kiss Bang Bang” gezeigt, das grundverschiedene Charaktere in den Hauptrollen und deren gegenseitiges Aufeinanderprallen gleichermaßen interessant wie amüsant sind. Hat man dann auch noch ein Schauspielduo bestehend Russell Crowe und Ryan Gosling zur Hand, kann also kaum noch etwas schiefgehen.

“Der Moment der Wahrheit” (03.06.)

Die besten Geschichten schreibt das Leben. Die ärgerlichsten Geschichten erzählen Filmemacher, wenn es um Skandale in der Medienbranche geht – siehe dazu etwa den vor kurzen erschienenen “Spotlight”, Klassiker wie “All the President’s Men” oder die perfekte Satire dahingehend, “Wag the Dog”. In “Der Moment der Wahrheit” trifft eine großartige Besetzung (u.a. Robert Redford, Cate Blanchett, Dennis Quaid, Bruce Greenwood, Stacy Keach) auf ein kontroverses Stück Mediengeschichte: Im Jahr 2004 berichtet der renommierte Journalist Dan Rather in seiner TV-Nachrichtensendung 60 Minutes über eine Reihe von Notizen, die den damaligen Präsident George W. Bush und seine Zeit bei der Nationalgarde schwer belasten. Es soll sich jedoch bald herausstellen, das die Dokumente gefälscht sind. “Der Moment der Wahrheit” basiert übrigens auf dem Buch der entlassenen 60 Minutes-Produzentin Mary Mapes, was den Film dann nochmal sehenswerter machen dürfte.

“Vor der Morgenröte” (03.06.)

Wenn Josef Hader auf der großen Leinwand zu sehen ist, kann man schon hellhörig werden. Wenn er dann auch gleich eine vorwiegend dramatische Rolle übernimmt und das Ganze zudem in Zuge einer Biografie abläuft dürfte man sich schon in Richtung Kino bewegen. In “Vor der Morgenröte” spielt Hader niemand anderen als den großen österreichischen Schriftsteller Stefan Zweig, der in fünf Episoden dessen Alltag im Exil zeigt. Die Gewissensbisse Zweigs werden dabei ebenso fokussiert wie die Zwiespältigkeit der Exilaten beim Blick auf ihre ursprüngliche Heimat.

“Stolz und Vorurteil & Zombies” (10.06.)

Wie kann man den weltberühmten Roman von Jane Austen für ein breiteres Publikum interessanter gestalten? Natürlich mit Zombies und haufenweise Ninja-Actionsequenzen. Die Gefahr einer Zombie-Apocalypse lauert dabei immer im Hintergrund, was der klassischen Erzählung rund um die Verheiratung mehrer jungen Frauen einer Großfamilie und deren Standeszugehörigkeiten einen besonderen Twist verleiht. Ob der Film besser funktionieren wird als der von Kritikern geschmähte “Abraham Lincoln: Vampire Hunter” von 2012 wird sich zeigen.

“The Conjuring 2” (17.06.)

Horror geht immer. Wenn dann auch noch mit “auf wahren Gegebenheit basierend” gelockt wird erst recht. Genre-Spezialist James Wan (“Saw”, “Insidious”) bringt nach dem gewaltigen Erfolg von “The Conjuring” nun die Fortsetzung in die Kinos. Die paranormalen Ermittler Ed und Lorraine Warren werden erneut von Patrick Wilson und Vera Farmiga gespielt, die merkwürdigen Vorgänge rund um Poltergeist-Aktivität in einem englischen Gebäudekomplex stehen nun in “The Conjuring 2” im Vordergrund, Spannung und Gänsehaut ist dabei vorprogrammiert.

“Demolition – Lieben und Leben” (17.06.)

Der Regisseur von “Wild” und “Dallas Buyers Club”, Jean-Marc Vallée, nimmt sich in “Demolition” der Leidensgeschichte eines Investmentbankers an, der nach dem tragischen Tod seiner Frau sein Leben neu ordnen muss. Dies beginnt mit einem scheinbar unbedeutenden Beschwerdebrief an eine Automatenfirma, der mit emotionalen Ausführen aufgeladen ist und die bearbeitende Servicemitarbeiterin auf einer sehr persönlichen Ebene berührt. Interessant erscheint dabei vor allem die Besetzung: Jake Gyllenhaal darf die Hauptrolle übernehmen und weiter an seiner Reputation als vielseitiger Schauspieler arbeiten, Naomi Watts übernimmt den Part seiner zufälligen Leidensgenossin. Auch wenn internationale Kritiken von einem konfusen Handlungsverlauf berichten, so scheinen sie immerhin von der tollen Besetzung begeistert zu sein.

“The Neon Demon” (23.06.)

Das es dem dänischen Filmemacher Nicolas Winding Refn nicht gerade an Selbstbewusstsein mangelt, hat er erneut bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes und seinen herabwürdigenden Äußerungen hinsichtlich seinem Arbeitskollegen Lars von Trier beweisen. Angesichts seines bisherigen Schaffens kann man aber doch über dieses Verhalten hinweg sehen, Filme wie “Bronson”, “Valhalla Rising” und “Drive” zeigen doch eindrucksvoll, das der Mann sein Handwerk versteht. Nun meldet sich Refn mit “The Neon Demon” zurück und prangert darin mit gewohnt überwältigender Präsentation die Versessenheit auf Oberflächlichkeiten in der Modelbranche an. Natürlich mit einem Twist und mit der fantastischen musikalischen Untermalung von Cliff Martinez.

“Bastille Day” (24.06.)

Den Part des neuen James Bond dürfte er zwar nicht bekommen (Tom Hiddleston befindet sich da in der Vorreiterrolle), dank seines charismatischen Auftretens und seinem unbestreitbaren Talent ist Idris Elba aber immer ein heißer Anwärter für Actionrollen mit Tiefgang. So vermutlich auch in “Bastille Day”, bei dem Elba auch gleich ein wenig im Territorium der “Jason Bourne”-Action-Thriller fischt. Ein Dieb, gespielt von Richard Madden (Rob Stark aus “Game of Thrones”, wird dabei für einen Bombenanschlag in Paris fälschlicherweise in das Visier der CIA genommen. Das dahinter eine großere Verschwörung steht ist dem ermittelten Agenten (Elba) klar und gemeinsam gehen die beiden dem Ganzen auf den Grund. Banale Story, interessante Besetzung, kann man sich also durchaus vormerken.

“Ein ganzes halbes Jahr” (24.06.)

Und nochmal “Game of Thrones”: Diesmal steht jedoch kein Sprössling der Familie Stark im Zentrum, sondern niemand geringeres als die Mother of Dragons selbst. In “Ein ganzes halbes Jahr” spielt Emilia Clarke eine lebenlustige Pflegerin, die den Auftrag bekommen hat, einen depressiven und lebensmüden Querschnittsgelähmten (Sam Claflin, bekannt aus “Die Tribute von Panem”) zu animieren. Gegensätze ziehen sich natürlich an, eine Romanze entsteht, zwei hübsche Jungschauspieler in den Hauptrollen zu besetzen ist auch keine schlechte Entscheidung gewesen.

(Red.)

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