Von “Bad Moms” bis “War Dogs”: Die Kinohighlights im September

Von Christoph Stachowetz
Das Remake "Die glorreichen Sieben" ist ein Kinohighlight im September
Das Remake "Die glorreichen Sieben" ist ein Kinohighlight im September - © Sony Pictures
Der Sommer neigt sich dem Ende zu, was traditionell gerade bei Filmfans angesichts der größeren Auswahl und Vielfalt von Filmen aller Art nicht unbedingt schlechte Laune hervorruft.

Obwohl die Filme im September auf den ersten Blick vorwiegend von Neuverfilmungen alter Klassiker bzw. deren weniger reizvollen Fortsetzung überdeckt werden, finden sich darüber hinaus auch einige international hochgelobte Werke. Hier also die Highlights im September:

Ben Hur (01.09.)

Ein klassisches Sandalenepos zeigt sich recht selten auf der großen Leinwand, ein Remake eines Klassiker in diesem Genre könnte dann schon als exotische Ausnahmeerscheinung durchgehen. Beides trifft auf “Ben Hur” zu, das in vielerlei Hinsicht für Wirbel gesorgt hat: Ein massiver Flop in den USA und dann auch noch von Kritiker verrissen. Die Fehleranalysen laufen: Ist der russische Regisseur Timur Bekmambetov der falsche Mann für die Erzählung gewesen? Ist die Besetzung rund um Jack Huston, Toby Kebbell und Rodrigo Santoro zu unglamourös, um wirklich zugkräftig zu sein? Das aber bei all der Kritik auch bei anderen Flops gleicher Art (“John Carter”, “The Lone Ranger”) so mancher Kinogänger sein Vergnügen gefunden hat, steht dennoch außer Frage. Wer auf der Suche nach einer groß angelegten Erzählung rund um Rache und Vergeltung ist, der wird vielleicht mit “Ben Hur” nicht enttäuscht sein.

The Light Between Oceans (09.09.)

Regisseur Derek Cianfrance hat sich mit seinen bisherigen Filmen bereits einen Namen gemacht: Sowohl bei “Blue Valentine” als auch “The Place Beyond the Pines” zeigt der 42-Jährige mit spielerischer Leichtigkeit, dass er den Spagat zwischen dem Umgang mit schwierigen Themen wie krisengeschüttelten Beziehungen und hervorragender Schauspielführung scheinbar mühelos bewältigt. In “The Light Between Oceans” hat Cianfrance dann auch wieder eine tolle Besetzung um sich versammelt: Michael Fassbender, Alicia Vikander und Rachel Weisz spielen in der Romanverfilmung die Hauptrollen. Einsamkeit, Ziellosigkeit und Melancholie stehen in dem Drama rund um einen Kriegsveteran (Fassbender), der als Leuchtturmwärter sein Dasein bis zum Zusammentreffen mit seiner zukünftigen Fra (Vikander) fristet, anfangs noch im Fokus der Erzählung. Das neugefundene Glück des Paares soll jedoch erschüttert werden.

Don’t Breathe (09.09.)

Das Jahr 2016 gilt unter Horror- und Thriller-Fans schon jetzt als eines der Besten in jüngerer Vergangenheit. Verständlich, konnte man doch bisher eine Vielzahl von höchst unterschiedlichen Produktionen im Kino bestaunen, sogar in Sachen Fortsetzungen gab sich die Filmindustrie vergleichsweise zurückhaltend. Neben noch kommenden (mutmaßlichen) Genre-Highlights wie “Blair Witch”, “Train To Busan” und “I Am Not a Serial Killer” darf man sich auf den Überraschungshit “Don’t Breathe” freuen, der wohl den Platz des letztjährigen “It Follows” einnehmen dürfte. Auch hier darf eine (großteils) unbekannte Besetzung in einer einfach gehaltenen Rahmenhandlung ihr Können unter Beweis stellen: Eine Gruppe von Freunden will den perfekten Einbruch bei einem wohlhabenden und zudem blinden Mann begehen. Das alles anders kommt als vermutet versteht sich wohl von selbst.

Nerve (09.09.)

Geht man von der Beschreibung von “Nerve” aus, so soll es sich dabei um einen Neo-Noir-Techno-Actionthriller handeln. Klingt schlimm im ersten Moment, lässt aber bei weiterer Betrachtung bzw. Recherche sicher den einen oder anderen interessiert aufhorchen. In einer Welt voll Smartphone-süchtiger Teenager ist ein Online-Spiel gerade der absolute Hit: “Pokémon Go” “Nerve” stellt eine extreme Version von “Wahrheit oder Pflicht” dar, bei dem die Spieler durch eine anonyme Community gesteuert werden. Das hier natürlich allerlei Unterhaltsames, in weiterer Folge jedoch auch Konspiratives sowie Gefährliches zustande kommen kann, müssen die mehr oder minder unfreiwilligen Teilnehmer Emma Roberts und Dave Franco am eigenen Leib erfahren.

Safari (16.09.)

Die Filme von Ulrich Seidl haben wohl allesamt Eines gemeinsam: Sie sind (vor allem für heimische Betrachter) eine bittersüße Reflektion der menschlichen Natur, die durch die ungeschönte Betrachtung nochmals befremdlicher wirkt. So nimmt Seidl vor allem in seinen Dokumentationen (etwa “Tierische Liebe”, “Im Keller”) die Eigenheiten der österreichischen Volksseele ins Schussfeld der Kameralinse, bleibt dabei jedoch auf (notwendiger) Distanz und entsagt sich jedwedem wertenden Kommentar. Bei “Safari” hat Seidl wohl erneut ins Schwarze getroffen, folgt er doch einer Familie, die bei der titelgebende Unternehmung in Namibia zugange sind.

Bad Moms (22.09.)

Man würde es kaum vermuten, aber die internationale Kritik zeigte sich bei “Bad Moms” durchaus positiv begeistert. Bei einer Komödie rund um gestresste Mütter und ihre Lebensgestaltung könnte man ja schnell zur Schlussfolgerung gelangen, dass es sich dabei um eine der schnell produzierten und gleichermaßen beliebig wie belanglosen Pausenfüller handelt, die Hollywood dank Ideenlosigkeit auf das Publikum loslässt. Hinter der doch recht hinterlistigen Komödie steckt jedoch genug Satire auf aktuelle Lebensentwürfe von Powerfrauen der heutigen Zeit, um den Film überaus sehenswert zu machen.

Die glorreichen Sieben (23.09.)

Und nochmal ein Remake eines legendären Films aus einem Genre, das seit einigen Jahren eher in den Hintergrund gedrängt wurde: Mit “Die glorreichen Sieben” wagt sich Antoine Fuqua an den Western von  John Sturges, der mit Größen wie Yul Brynner, Steve McQueen, Charles Bronson sowie James Coburn glänzte. Noch ist die Weltpremiere der Neuverfilmung ausständig, angesichts der feinen Besetzung rund um Denzel Washington, Chris Pratt und Ethan Hawke, die gemeinsam mit vier weiteren Spezialisten die Bewohner einer Stadt vor einem erpresserischen Geschäftsmann retten sollen, darf man aber einiges erwarten.

Snowden (23.09.)

Altmeister Oliver Stone kehrt zu seinen Wurzeln zurück – oder zumindest zu der Art von Film, mit der er wohl am meisten Erfahrung aufweist, nämlich das Biopic bzw. die Filmbiographie. Ob Flops oder nicht: Werke wie “W.”, “Alexander” und “The Doors” waren zumindest so interessant gestaltet, das sie doch immer wieder eine Sichtung wert sind. Was der Regisseur nun mit “Snowden” auf die Leinwand zaubert wird bleibt abzuwarten, die Vorlage ist natürlich überaus spannend. Empfehlung: Die Dokumentation “Citizenfour” im Vorfeld noch anschauen.

Findet Dorie (29.09.)

Es war nur eine Frage der Zeit, bis “Findet Nemo” eine Fortsetzung erhält und vermutlich auch das es in diesem Ableger dann um die an Amnesie leidende Dorie handeln wird. “Findet Dorie” zeigt abermals, dass die Computerspezialisten von Pixar die ungekrönten Könige des reichweitenstarken Familienfilms sind. Gerade wenn man die englische Synchronsprecherauflistung durchliest, kann einem dann zusätzlich noch schwindlig werden, welch großartige Darsteller bzw. bekannte Stimmen sich dort wiederfinden (u.a. Ed O’Neill, Willem Dafoe, Idris Elba und Sigourney Weaver).

War Dogs (30.09.)

Zwei kleine Nummern Anfang 20 erhalten zur Zeit des Irakkriegs einen 300 Millionen Dollar schweren Rüstungsauftrag vom Pentagon: Hört sich schräg an, basiert jedoch auf wahren Tatsachen. Für die Verfilmung des Stoffes hat man sich zwei gleichermaßen talentierte wie unterschätzte Jungschauspieler geholt, die dann auch gleich mit Spielfreude und Chemie zueinander überzeugen – Miles Teller und Jonah Hill. Einzig Regisseur Todd Phillips, seines Zeichens verantwortlich für die “The Hangover”-Trilogie, “Due Date” und “Road Trip” könnte als Schwachstelle in der erfolgversprechenden Konstellation aus Story und Schauspieler auffallen.

(Red.)

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