2. Februar 2010 12:27; Akt.: 2.02.2010 12:27

Volksbefragung: Hundefreunde fletschen die Zähne

Rottweiler: Kampfhund oder nicht Kampfhund? Rottweiler: Kampfhund oder nicht Kampfhund? - © bilderbox.at
Das Hundemagazin “Wuff”, das Tierschutzhaus und die Tierärztekammer machen gegen den Pflicht-Führschein für Kampfhunde mobil, über den bei der Wiener Volksbefragung abgestimmt wird. (3 Kommentare)

Während das Tierschutzhaus dank der laufenden Diskussion über die erhöhte Abgabe der betroffenen Rassen klagt, organisiert das Hundemagazin “Wuff” eine Flugblattkampagne unter dem Motto “Nein zum Hunde-Rassismus!”. Auch die Österreichische Tierärztekammer (ÖTK) wandte sich in einem Kommunique gegen die Maßnahme.

Die Stadt stelle mit der Formulierung “Sind Sie dafür, dass es in Wien für sogenannte ‘Kampfhunde’ einen verpflichtenden Hundeführschein geben soll?” eine populistische Suggestivfrage, beklagte Wuff-Verleger Gerald Pötz. Dann könne man gleich fragen: “Soll man Kriege verbieten?” Anstatt die Bevölkerung aufzuklären, werde von der Stadt Hetze und ein Auseinanderdividieren der Hundehalter betrieben, so Pötz bissig. Man wolle eine Zweiklassengesellschaft aus Guten und Bösen schaffen.

Dabei werde das Treiben der schwarzen Schafe unter den Hundehaltern durch einen Führschein auch noch legitimiert: “Ein soziologisches Problem psychopathischer Hundehalter lässt sich so nicht lösen.” Stattdessen solle die Leinen-, Maulkorb- und die Chippflicht kontrolliert werden, um die Vergehen in einer Datenbank zu speichern. Schließlich seien in Wien geschätzte 45.000 Hunde nicht gemeldet. Und so verteilt die Forumsgemeinde des Wuff nun 100.000 Flugblätter. “Denn Gefährlichkeit kann immer nur am Individuum festgemacht werden und nicht an einer ganzen Rasse – auch nicht bei Hunden”, so Pötz.

Auch beim Tierschutzhaus gleicht das derzeitige Verhältnis zur Stadt eher dem von Hund und Katz. Schließlich zeigen sich bereits die Vorboten des dräuenden Pflichtführscheins. 130 von rund 360 Hunden im Vösendorfer Tierheim gehören einer der Rassen an, die sich auf der von Umweltstadträtin Ulli Sima (S) erstellten Indexliste finden. Jetzt schon müsse man wöchentlich ein bis zwei Hunde mehr als sonst aufnehmen – weil die Politik mit der Propagierung einer unsinnigen Maßnahme das zu Unrecht schlechte Image der betroffenen Hunde weiter verstärke, so Pressesprecher Alexander Willer im APA-Gespräch.

Wenn es einen Pflicht-Hundeführschein gebe, müsse dieser für alle gelten. “In der jetzigen Form diskriminiert es bestimmte Rassen”, so Willer. Dabei habe man im Tierschutzhaus viele Angsthasen unter den betroffenen Rassen. Durch das Wiener Konzept und das am 1. Jänner in kraftgetretene niederösterreichische Gesetz steige in kleineren Tierheimen die Gefahr, dass derartige Rassen nun eher getötet würden, da man davon ausgehe, sie ohnedies nicht mehr vermitteln zu können – wogegen sich das Tierschutzhaus dezidiert wende. Allerdings merke man, dass sich potenzielle Interessenten zurückhielten.

Auch die Tierärztekammer entzündete ihre Kritik an der Frage, ob man Gefährlichkeit an bestimmten Rassen festmachen könne. Des Pudels Kern ist für die ÖTK, dass es per se keine gefährliche Rasse gebe, sondern Verhaltensauffälligkeiten und Aggression von Haltungsbedingungen, Gesundheitszustand und Erziehungsmängel abhingen. “Das Festmachen der Gefährlichkeit von Hunden an Rassemerkmalen oder ihrem optischen Erscheinungsbild ist wissenschaftlich nicht zu belegen und deshalb, wie auch der ‘Kampfhunde-Führschein’, abzulehnen”, heißt es in einer Aussendung.

Auch sei der Hundeführschein ausdrücklich kein Ersatz für eine fundierte Ausbildung bei einem Hundesportverein oder -trainer. Insofern sei die Fragenerläuterung bei der Volksbefragung, “Der Hundeführschein ist eine fundierte Ausbildung für Hundehalter”, irreführend. Dieser stelle nur eine Momentaufnahme des Zusammenspiels zwischen Halter und Hund innerhalb einer simulierten Prüfungssituation dar, so Maurizio Colcuc, Präsident der Wiener Landesstelle der ÖTK.

Volksbefragung: Was tun, wenn Sie keinen Stimmzettel erhalten haben?
Ersatz-Stimmkarten können in den Wiener Wahlreferaten beantragt werden. Informationen dazu finden Sie unter http://www.wien.gv.at/amtshelfer/dokumente/verwaltung/stimmkartenantrag.html



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