voestalpine erzielte bestes Ergebnis seit neun Jahren

Konzernchef Wolfgang Eder darf zufrieden sein
Konzernchef Wolfgang Eder darf zufrieden sein - © APA (VOESTALPINE)
Der Stahlkonzern voestalpine hat im ersten Geschäftshalbjahr 2017/18 den höchsten Gewinn seit dem Ausbruch der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise im Herbst 2008 erwirtschaftet. “Wir sehen das beste Halbjahresergebnis seit ‘Lehman'”, sagte Konzernchef Wolfgang Eder in einer Pressekonferenz und verwies damit auf die damalige Pleite der US-Bank Lehman Brothers, die den Beginn der Krise markiert.

An dem Gewinnsprung konnte auch Hurrikan “Harvey” nicht rütteln, der im August eine Spur der Verwüstung durch die USA zog und auch zahlreiche Todesopfer forderte. Die voestalpine, die erst vor einem Jahr ihr neues Roheisenwerk in Corpus Christi (Texas) eröffnet hatte, kam Analysten zufolge mit Sonderkosten in Höhe von 10 Mio. Euro davon.

Die Konjunktur ist heuer spürbar angesprungen und die Auftragslage ist laut voestalpine “hervorragend”. Der operative Gewinn sei in den ersten sechs Monaten 2017/18 (1. April bis 30. September) auf “fast 1 Mrd. Euro” (EBITDA) bzw. “annähernd 600 Mio. Euro” (EBIT) gestiegen. Die dabei erzielten Margen wären dabei bereits deutlich über den Zielwerten für das Geschäftsjahr 2020/21 gelegen, die sich die voestalpine vorgenommen habe, sagte Eder am Mittwoch vor Journalisten in Wien.

“Wir sind hier quasi der Zeit etwas voraus, aber es ist noch nicht abgesichert, die Ziffern im Schnitt der Jahre zu erhalten – wir ruhen uns nicht auf diesen kurzfristigen Lorbeeren aus”, betonte der Voest-Chef.

Zu den “Highlights” des ersten Halbjahres zählen bei dem Konzern die Inbetriebnahme des Drahtwalzwerkes in Donawitz (Steiermark) sowie die Entscheidung für den Neubau des Edelstahlwerkes in Kapfenberg im steirischen Mürztal. Bis zum Produktionsstart im Jahr 2021 sind dafür 330 bis 350 Mio. Euro budgetiert. “Wir sichern damit sehr langfristig mehr als 3.000 Arbeitsplätze in der Steiermark ab”, so Eder.

Die guten Halbjahresergebnisse seien zu drei Viertel auf Preiseffekte und eine bessere Profitabilität zurückzuführen, zu einem Viertel auf Mengeneffekte, erläuterte Finanzvorstand Robert Ottel. “Die Strategie, die Arbeit und die Anstrengungen machen sich bezahlt – es läuft gut im voestalpine-Konzern”, so der CFO. Die Verkaufserlöse erhöhten sich um 16,5 Prozent von 5,4 auf 6,3 Mrd. Euro. Die Zahl der Vollzeit-Mitarbeiter nahm im Berichtszeitraum um 3,8 Prozent auf 50.638 Arbeitnehmer in mehr als 50 Ländern zu – fast 30.000 davon sind in Österreich tätig.

“Wir haben in fast allen Branchen eine sehr stabile Aufwärtsentwicklung, relativ stabile Währungen und Finanzmärkte”, blickte Eder mit Zuversicht auf den weiteren Verlauf des aktuellen Geschäftsjahres. Er gehe davon aus, “dass sich an der starken Nachfrage aus der Automobilindustrie und der Konsumgüterindustrie nichts ändern wird”. Neu sei, “die Breite des Wachstums im Maschinenbau”; interessant sei, “dass sich die Eisenbahninfrastruktur recht abgekoppelt von diesem Trend entwickelt”. Eder erklärt sich das mit dem starken politischen Konnex bei der Vergabe von Bahnprojekten, die Auftraggeber sind meist Regierungen.

Die US-Regentschaft des Donald Trump sieht der voestalpine-Chef heute mit Gelassenheit. “Es wird nicht so heiß gegessen, wie gekocht wird”, meinte Eder. Bei sehr vielen Maßnahmen wie etwa der massiven Abschottung der amerikanischen Wirtschaft sei es bisher bei kraftvollen Ankündigungen geblieben, danach sei nichts passiert. “Ich glaube, dass die USA immer mehr erkennen, dass dieser Ansatz nach hinten losgehen kann”, so der Stahlboss. “Es ist immer noch ein Unsicherheitsfaktor, aber einer, mit dem wir zu leben gelernt haben.” Die konzernintern formierte “Taskforce USA” beschäftige sich aber jedenfalls nach wie vor mit politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Nordamerika, vor allem in den USA.

“Es kann politische Entwicklungen geben, die sehr abrupt diese im Moment heile Welt beeinträchtigen – aus heutiger Sicht sollten wir ein sehr gutes Geschäftsjahr haben und das zweite Halbjahr ähnlich gut wie das erste Halbjahr laufen”, so Eder.

Von der neuen Regierung in Österreich wünscht sich der Konzernchef vor allem einen Fokus auf Schul- und Bildungspolitik, damit das Land in der internationalen Wettbewerbsfähigkeit nicht zurückfällt, eine Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes sowie eine Bundesstaatsreform mit weniger Bürokratie und einer niedrigeren Steuerquote.

(APA)

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