Vitaseks famose Grünmandl-Hommage feierte Premiere im Wiener Rabenhof

Andreas Vitasek hat dem Tiroler Komikanarchisten Otto Grünmandl ein Programm gewidmet.
Andreas Vitasek hat dem Tiroler Komikanarchisten Otto Grünmandl ein Programm gewidmet. - © APA
Andreas Vitasek hat dem verstorbenen Tiroler Komikanarchisten Otto Grünmandl ein ganzes Programm gewidmet: “Grünmandl oder Das Verschwinden des Komikers” feierte am Dienstag im Wiener Rabenhof Premiere.

Grünmandl, 1924 in Hall in Tirol geboren, war nie ein echter Star a la Farkas und Waldbrunn – wohl auch deshalb, weil sich sein Oeuvre nie dem Gefälligkeitsdiktat verschrieben hat. Der studierte Elektrotechniker, der anfänglich im Textilgeschäft seines Vaters arbeitete, hievte in den 1970er-Jahren vielmehr das Absurde, das mit dem Alltäglichen oft erschreckend viel gemein hat, auf die Kleinkunstbühne. Seine Arbeiten orientierten sich weniger an der Sketch-Tradition des “Simple”, vielmehr erinnert sein nonsensualer Ansatz gepaart mit sprachlicher Versiertheit eher an Karl Valentin oder Gerhard Polt. Mit letzterem hat er immer wieder auch zusammengearbeitet.

Vitaseks Hommage an Otto Grünmandl feierte Rabenhof-Premiere

“Der Komiker ist kein Kitzler”, erfährt man an einer Stelle des Würdigungsabend im Wiener Rabenhof. Soll heißen: Auf hysterische Lachanfälle des Publikums wird nicht abgezielt. Und in diesem Sinne ist es Andreas Vitasek, selbst seit Jahrzehnten eine fixe Größe im heimischen Kabarettuniversum, auch hoch anzurechnen, dass er für seine Hommage mit dem Titel “Grünmandl oder Das Verschwinden des Komikers” nicht auf ein sicheres Best of setzt. Er will stattdessen die gesamte Bandbreite des zum Teil schon wieder vergessenen Grünmandl’schen Schaffens präsentieren – und flicht berührende Lyrik ebenso ein wie verquer Philosophisches, immer als respektvoller Interpret, nie als Imitator.

Den zwischen Garderobeständer und Bett verorteten (Rück-)Blick des pensionierten Komikers auf sein Bühnenleben hat Vitasek als Klammer für die dank gekonnter Übergänge elegant montierten Werkpassagen gewählt. Passagen aus dem Programm “Ich heiße nicht Oblomow”, für das Grünmandl 1978 den Deutschen Kleinkunstpreis erhielt und in dem die Berechtigung von Trägheit verhandelt wird, bieten sich an. Es geht aber zudem um das Pro und Kontra von Nassrasur, die kafkaesk anmutenden Machenschaften des “Alpenländischen Inspektoren-Inspektorats” oder die Verwissenschaftlichung von Humor in Form der “Dormirante” unter Zuhilfenahme des “Hausbuchs des deutschen Witzes”.

Zur Banalität des Irrsinns

Anders als man annehmen könnte, war Grünmandl nie ein junger Wilder auf der Kabarettbühne. Denn als er mit seinem ersten Soloprogramm “Der Einmannstammtisch” 1976 debütierte, war er über 50. In den 1960er-Jahren hatte er allerdings bereits als Autor und Hörspielschreiber für den ORF gearbeitet. Zwischen 1972 und 1981 leitete er dann die Unterhaltungsleiste im Landesstudio Tirol. In diese Zeit fallen seine wahrscheinlich populärsten Arbeiten, die “Alpenländischen Interviews”, die er mit Theo Peer für Ö3, später auch fürs Fernsehen produzierte. Aus dieser Serie stammt auch die tragikomische Geschichte vom Kanarienvogel Hansi.

“Da steht einer auf der Bühne, der mein Vater sein könnte – und führt sich irrsinnig auf”, hat sich Vitasek kürzlich in Interviews daran erinnert, als er mit Mitte 20 Grünmandl erstmals am Radar hatte. Sätze wie “Politisch bin ich vielleicht ein Trottel, aber privat kenn’ ich mich aus” – er fällt ungefähr zur Halbzeit der 90-minütigen Würdigung und ziert auch das Programmplakat – stehen fast unter Klassikerverdacht. Aber es gibt auch andere Beispiele: “Beim Ping-Pong geht es hin und her, ganz anders als im Kreisverkehr.” Selten wurde die Banalität des Irrsinns trefflicher verdichtet.

Grünmandl-Hommage: Die weiteren Termine im Überblick

  • 13., 19. und 20. Oktober
  • 10., 11., und 28. November
  • 12. und 13. Dezember

Die Vorstellungen finden jeweils um 20.00 Uhr im Wiener Rabehof (Rabengasse 3, 1030 Wien) statt.

>> Weitere Infos zu Andreas Vitaseks “Grünmandl oder Das Verschwinden des Komikers”

(APA/Red)

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