Vienna’s Startups: Waytation digitalisiert die Veranstaltungsbranche

Angebracht am Namensschild begleitet der Waytag die Besucher
Angebracht am Namensschild begleitet der Waytag die Besucher - © Waytation / Sebastian Freiler
Die zwei Jungunternehmer Cemsit Yelgin und Florian Bräuer haben eine smarte Lösung entwickelt, um Besucherströme an Veranstaltungen einfach und transparent zu messen. Damit treffen sie den Nerv der Zeit und sorgen in der Veranstaltungsbranche für Begeisterung.

Wer kennt es nicht das Getümmel und Gewimmel an Messen und Grossevents: Hunderte oder tausende Personen bewegen sich von Stand zu Stand, Vortrag zu Vortrag und einer Attraktion zur nächsten. Dabei geht oft vergessen, dass der zurückgelegte Weg eines jeden einzelnen Besuchers eine spannende Geschichte erzählt – von individuellen Verhaltensmustern, persönlichen Interessen bis hin zur Aufmerksamkeit, die beim Besucher geweckt wird oder eben nicht. In ihrer Summe beinhalten diese individuellen Bewegungen wertvolle Informationen für Messebetreiber, Eventorganisatoren und Aussteller. Denn die fragen sich, welche Vorträge ihre Besucher besonders spannend finden, wo sie gerne längere Zeit verweilen oder welche Messestände auf Interesse gestoßen sind. Können solche Daten nun dank Waytation gemessen werden, eröffnet dies ungeahnte Möglichkeiten, Veranstaltungen zu verbessern und optimal auf die Bedürfnisse der Besucher abzustimmen.

Wie genau sieht die Lösung von Waytation aus?

Die Lösung ist simple und wirkungsvoll: Ein smarter Ansteck-Button, der Waytag, kann unkompliziert am Namensschild angebracht werden und begleitet den Besucher auf seinem Weg durch die Veranstaltung. Dabei zeichnet der Waytag mit Hilfe von im Veranstaltungsgelände verteilten Sensoren nahtlos die Bewegungen des Besuchers sowie die Verweildauer am jeweiligen Ort auf. Die dadurch gesammelten Daten werden von Waytation ausgewertet und können vom Messebetreiber oder Aussteller auf der dafür entwickelten Analyseplattform eingesehen werden.

Doch was macht die neue Technologie so innovativ? Das Neuartige liegt in ihrer Skalierbarkeit: Es können bis zu 100 Prozent der Besucherströme abgedeckt werden, während mit bisherigen Technologien nur 2-3 Prozent möglich waren. Dies liegt an der einfachen Anwendbarkeit sowie an ihrer Benutzerfreundlichkeit und Transparenz in der Messung. Mit Hilfe der Waytags wird das Messeerlebnis des Besuchers nicht durch Kameras, Apps oder Fragebögen beeinträchtigt, die Messung kommt ohne jegliche Interaktion aus und erfolgt ohne Verbindung zu persönlichen Daten. Bereits vorab vom Veranstalter über die Messung informiert bekommt der Besucher den Waytag mit seinem Namensschild übergeben. Die Waytags sind bewusst gut sichtbar, damit der Besucher weiß, dass er getrackt wird und sich gegebenenfalls entscheiden kann, den Ansteck-Button nicht zu tragen. Das positive Feedback zeigt, dass diese Transparenz bei den Besuchern gut ankommt und widerspiegelt sich in den hohen Abdeckungsraten.

Der enorme Mehrwert des Tools für Veranstalter und Besucher wird seit diesem Jahr sogar noch vergrößert. Waytation hat weitergetüftelt und eine Anwendung entwickelt mit der neu Punkte für die Anwesenheit an einzelnen Vorträgen vergeben werden können. Dies kommt vor allem bei medizinischen Kongressen zum Einsatz, wo das medizinische Fachpersonal Weiterbildungspunkte für die einzelnen besuchten Vorträge nicht mehr aufwändig beantragen muss, sondern automatisch zugeschrieben bekommt. Dadurch bleibt nun dem Besucher wie auch dem Veranstalter mühsames Ausfüllen von Formularen erspart. Gleichzeitig steigt die Qualität der Punkte, werden nur diejenigen zugeschrieben, wo der Besucher tatsächlich anwesend war.

 Wer steckt hinter Waytation und was hält sie auf Erfolgskurs?

 

Am Anfang standen die zwei Gründer Cemsit Yelgin und Florian Bräuer, die sich nach ihrem Abschluss an der Höheren Technischen Bundeslehranstalt (HTI) und ersten Berufserfahrungen entschieden haben, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Heute – drei Jahre später – besteht Waytation aus einem 20-köpfigen Team und wickelt Aufträge mit über 20 000 Besuchern ab. Mit einer Vielzahl großer Kongresskunden, diversen Investoren und ersten Schritten in den internationalen Markt sind sie auf dem besten Weg ganz vorne mit dabei zu sein, wenn die Veranstaltungsbranche Richtung Digitalisierung geführt wird.

Gleichzeitig ist Waytation aber sehr wichtig, den Startup-Geist und die damit verbundene Innovationskraft aufrecht zu erhalten. Seit Beginn orientieren sie sich daher in ihrer Funktionsweise an den Prinzipien des Lean Startups: Alle Prozesse werden so schlank wie möglich gehalten und Produkte sehr schnell an den Markt gebracht, um die Kunden in deren Entwicklung miteinzubeziehen. Durch das kontinuierlich eingeholte Kundenfeedback bleiben sie sehr nahe an dessen Bedürfnissen und können gleichzeitig ohne große Planung sehr schnell Entscheidungen treffen sowie Ideen generieren.

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Das Team hinter Waytation © Waytation / Sebastian Freiler

Wie geht es weiter mit Waytation?

Der Erfindergeist von Waytation ist bei weitem noch nicht gestillt: Es soll in Forschung und vor allem ins Team investiert werden. Denn die richtigen Leute sind zentral für die Aufrechterhaltung der Innovationskraft und die dafür benötigte Kultur. So sieht Cemsit Yelgin als wichtigste zukünftige Entwicklung, „eine noch größere Familie zu werden“. Schließlich soll die Technologie weiter verfeinert und neue Produkte entwickelt werden. Das große Potential der Veranstaltungsbranche soll weiter ausgeschöpft sowie neue Anwendungsbereiche in anderen Industrien gefunden werden. Denn es wird schnell deutlich, dass die Technologie auch anderorts großes Potential hat – etwa in Handel, Logistik, Security, Krankenhäusern bis hin zur Architekturforschung und Raumplanung. Wir sind also gespannt wo überall uns bald Waytags begleiten werden.

 

1030 Innovation, Sabrina Peterer

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