Vienna’s Startups: Smartphones lernen lesen mit Anyline

Das Anyline Team am Pioneers Festival 2014
Das Anyline Team am Pioneers Festival 2014 - © Foto by Anyline
Anyline entwickelt eine Scanning Software für Smartphones, die es ermöglicht, Text und Zahlen von Objekten abzuscannen und als digitalen Output weiter zu verwerten. Das mittlerweile 14-köpfige Team ließ die innovative Lösung 2014 in Österreich patentieren und arbeitet seither an der Entwicklung neuer Anwendungsfälle.

Von Stefanie Schmied, 1030 Innovation Consulting

Eingesetzt werden soll Anyline vor allem in Bereichen, wo manuelles Abschreiben und Eintippen von Daten viele Fehler verursacht. Mittlerweile scannt Anyline bereits verlässlich Daten von Blutzuckermessgeräten für mySugr, Voucher Codes für Red Bull Mobile sowie Gas­ und Stromzählermessstände.

Was macht die Technologie von Anyline genau?

Man kennt die Situation: einmal im Jahr müssen die Gas- und Stromzähler abgelesen werden. Entweder schicken Energienetzbetreiber dazu Mitarbeiter, die mühsam und zeitaufwendig jeden Zähler ablesen oder man lässt die jeweiligen Mieter selbst die Zählerstände eruieren und einsenden. Beide Varianten sind fehleranfällig, lange Zahlenkombinationen werden oft einmal falsch notiert. Die Energiebranche ist sich bewusst, dass irgendwann die Zeit der Smartmeter gekommen sein wird: Zähler, welche die Daten automatisch an den Energienetzbetreiber übertragen. Dieses Szenario ist jedoch noch einige Jahre entfernt. Anyline bietet dazu eine interessante Lösung. Die Technologie ermöglicht in diesem Fall das Einlesen von Zählerständen via Smartphone.

scanvorgangScanvorgang bei Zählerständen, Foto by Anyline

„Das Besondere ist, dass unsere Technologie nicht wie andere Scanningtechnologien ein Foto macht, dieses an einen Server sendet, optimiert und ausliest, sondern eigentlich ein Video. Die Videoframes werden direkt am Smartphone optimiert und miteinander verglichen. Stimmen die Bilder überein, kann man mit sehr hoher Genauigkeit die gescannten Daten auslesen.“, erklärt Carina Wetzlhütter, bei Anyline für das Marketing verantwortlich. Der Vorteil? Oft befinden sich Zähler im Keller, wo man mit dem Smartphone meist keine oder nur schlechte Internetverbindung hat. Dass die Software zum Auslesen der Daten aber darauf nicht angewiesen ist, und mit den eigens entwickelten Algorithmen auch noch etwaige Störfaktoren wie zB Spiegelungen von selbst korrigiert, macht sie so interessant und hebt sie von der Konkurrenz ab. Für die Energienetzbetreiber bringt dies eine effiziente Art der Prozessoptimierung; für den Endverbraucher eine Vereinfachung und die Möglichkeit, den eigenen Energieverbrauch immer im Auge zu behalten. In weiterer Folge bedeutet dies auch, dass kein externer Server zur Verarbeitung der Daten benötigt wird, sondern diese direkt an den, in diesem Fall, Energienetzbetreiber gesendet werden. Dies wirkt sich vor allem positiv auf Datenschutz und Datensicherheit aus.

largeScreenshot Anyline Energy App, Foto by Anyline

Auch Diabetespatienten können bereits von der Technologie profitieren. Die Diabetes-App mySugr hat Anyline’s Algorithmus integriert, um die Daten von Blutzuckermessgeräten abzulesen und diese in die Tracking-App zu integrieren. Red Bull Mobile verwendet die Software in einer Marketing- & Loyalitätskampagne. So können Kunden in Polen einen mehrstelligen Zahlencode von den Laschen der Red Bull Dosen scannen und direkt an einem Gewinnspiel teilnehmen.

 

Importer Screenshot 2014-04-18Screenshot mySugr Importer, Foto by Anyline

Wer hat’s erfunden?

Anyline hat sich aus einem Bedürfnis des Startups mySugr entwickelt. Damals hieß Anyline noch 9yards und spezialisierte sich auf Auftragsprojekte im Bereich App-Entwicklung. Das mySugr Team wollte die Daten der Blutzuckermessgeräte auf ein Smartphone übertragen. „Sie dachten sich, wir könnten die Daten doch einfach abscannen, wie schwierig kann das sein?“, erzählt Carina. Ganz so einfach war das dann doch nicht. Zwei Jahre Forschung und eine Patentanmeldung später sind nun bereits 14 Personen bei Anyline beschäftigt. Gegründet wurde das Startup von Lukas Kinigadner, Daniel Albertini, Jakob Hofer und David Dengg, drei Tirolern und einem Burgenländer. David sitzt weiterhin mit 2 Entwicklern im Innsbrucker Büro des jungen Unternehmens, der Großteil des Teams teilt sich das Wiener Büro in der Hofmühlgasse mit dem Team von mySugr.

004_anyline27514_195aDas Gründerteam von Anyline, v.l.n.r. Lukas Kinigadner, David Dengg, Daniel Albertini, Jakob Hofer, Foto by Anyline

Finanzen?

Die erste Zeit finanzierte sich Anyline über die Auftragsprojekte, die das Team als 9yards betreute. Die Entwicklung der patentierten Technologie wurde außerdem durch das FFG (Link: www.ffg.at) und die Wirtschaftsagentur Wien gefördert. Dieses Jahr geht es vor allem um den Verkauf der Technologie in den vier Bereichen Energiewirtschaft, Loyalitätskampagnen, Gesundheit und FinTech. Dazu bekam das Startup im Dezember ein Seedinvestment von Business Angel Hansi Hansmann. Das Team wird außerdem von einem Advisory Board unterstützt, welches das branchenspezifische Know-how einbringt. Das Startup arbeitet mit verschiedenen Geschäftsmodellen je nach Art der Verwendung. So wird die Technologie lizenziert und es werden monatliche Verwendungsgebühren eingehoben. Das Startup steuert 2015 auf einen geplanten Liquiditätsengpass zu, welcher das Team zwingt, noch effizienter zu arbeiten. Die größte Herausforderung, der sich das Team derzeit stellen muss, ist die Abarbeitung der bereits generierten Sales Leads.

Und wie geht es weiter?

Anyline arbeitet derzeit daran, ihre Technologie auch für den Finanzsektor für das Scannen von Kredit- und Bankomatkarten interessant zu machen und arbeitet dabei mit einem anerkannten Partner im Bereich Mobile Payments. Dabei geht es vor allem um Betrugsbekämpfung. Perspektivenkorrektur ist eine der Stärken der Software. Das bedeutet, die Technologie erkennt, ob eine echte Kreditkarte oder eine Kopie einer solchen eingescannt wird. Für den Endverbraucher könnte dies außerdem eine Vereinfachung des mobilen Zahlungsprozesses im Internet bringen.

Anyline_Logo_reinzeichnung

2015 wird sich Anyline verstärkt auf das Marketing und den Verkauf der bereits vorhandenen Produkte spezialisieren. Dazu werden Vertreter des Teams nach Berlin und ins Silicon Valley ausschwärmen, um neue Möglichkeiten zu erschließen. Im Juni wird das Team auf der Augmented World Expo in Santa Clara vertreten sein, dort ihre Technologie vorstellen und erstmals sehen, wie diese in den USA ankommt. Augmented Reality ist für das Startup ein spannendes Feld, da Objekterkennung und Bildverarbeitung sehr nah beisammen liegen. Das Team sieht großes Potential für ihre Software in diesem Bereich.

Das Startup plant außerdem, seine Technologie anderen Entwicklern in Form eines Software Development Kits (SDK) zur Verfügung zu stellen und so weitere Anwendungsfelder zu erschließen.

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