Vienna’s Startups: mySugr verbessert das Leben von Diabetes Patienten

Das Gründerteam: (v.l.n.r.) Frank Westermann, Gerald Stangl, Fredrik Debong und Michael Forisch
Das Gründerteam: (v.l.n.r.) Frank Westermann, Gerald Stangl, Fredrik Debong und Michael Forisch - © mySugr
Diabetes nervt. Da ist sich das heute rund 30-köpfige mySugr Team einig. Seit 2010 arbeiten sie daran, das Leben mit Diabetes einfacher zu machen. Dazu haben sie bereits fünf Applikationen, Tagebuch, Importer, Quiz, Junior und Academy, sowie die Online Plattform mySugr auf den Markt gebracht.

Die mySugr Tagebuch App hilft beim Diabetesmanagement. Der mySugr Importer, der gemeinsam mit dem Startup Anyline entwickelt wurde, scannt und importiert die Daten von Blutzuckermessgeräten. Junior wurde speziell für junge Diabetiker entwickelt und die mySugr Quiz App, um sein Wissen über Diabetes zu testen. Die Academy, die seit kurzem auch als IOS App verfügbar ist, hilft Typ 2 Diabetikern mit Videos und Spielen ihre Krankheit in den Griff zu bekommen.

Wie kam es zu mySugr?

Die mySugr Gründer Fredrik Debong, Frank Westermann, Gerald Stangl und Michael Forisch haben 2010 begonnen, an einem Konzept für die erste mySugr App zu arbeiten. Auslöser dafür waren Fredrik und Frank, die selbst seit vielen Jahren mit Diabetes leben.

mysugr-founder-lowresDas Gründerteam: (v.l.n.r.) Frank Westermann, Gerald Stangl, Fredrik Debong und Michael Forisch, Foto © mySugr

Seit er 4 ½ Jahre alt ist, richtet sich Fredriks Leben nach seiner Krankheit aus. Täglich werden Blutzuckerlevels gemessen, jede Mahlzeit und jede Form von Bewegung muss mitkalkuliert werden. Fredrik durchlebte ein 3-jähriges Diabetes Burn-out. „Ich hatte keine Lust mehr. Ich habe mich nicht mehr gekümmert und habe meinen Blutzucker nicht mehr gemessen.“ Er erlitt wöchentliche Ohnmachtsanfälle, hatte konstante Kopfschmerzen und keine Energie. „Mein Körper war durch den ständigen Unter- oder Überzucker vergiftet.“

Typ 1 Diabetes ist eine Autoimmunkrankheit, bei welcher der Körper das lebenswichtige Insulin nicht selbst produzieren kann. Ohne Insulin kann unser Körper keine Kohlehydrate aufnehmen, hat folglich keine Energie und fängt an, Fett zu verbrennen. Dabei steigt der Blutzuckerspiegel und der Anteil an schädlichen Säuren im Blut. Das macht den Körper kaputt.

Fredrik konnte dieser negativen Denkweise und seinem Burn-out irgendwann entfliehen. „Ich habe angefangen, mich selbst für mein richtiges Verhalten, also regelmäßiges Blutzuckermessen, zu belohnen. Auf dieser Idee fußt auch das Konzept für mySugr.“

Was macht mySugr?

Weltweit leiden ca. 400 Millionen Menschen an Diabetes, ca. 10% davon am Diabetes Typ 1. Der Großteil der Patienten leidet an Typ 2 Diabetes. Bei dieser Krankheit wird der Körper im Laufe des Lebens resistent gegenüber Insulin. Der Körper muss Insulin nachproduzieren und kommt damit nicht klar.

Mit Hilfe von Technolgie will mySugr die Philosophie der Diabetestherapie verändern. Das Team versucht auf spielerische Weise den Umgang mit Diabetes zu vereinfachen und ihre Applikationen vor allem auf positiven Gefühlen aufzubauen. Dazu arbeitet das Startup mit einem Beirat von führenden Diabetologen, Psychologen und Diabetesberatern. mySugr bringt zertifizierte Medizinprodukte auf den Markt. Die erfolgreichste App, das mySugr Tagebuch, wurde in den USA von der FDA (US Food & Drug Administration), in Europa mit CE (Conformité Européenne) und TÜV zertifiziert.

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Die mySugr Tagebuch App, Foto © mySugr

Die mySugr Nutzer kommen zur Zeit größtenteils aus den USA und Deutschland, die Mehrheit ist zwischen 30-35 Jahren. „Zwei unserer ältesten User sind über 80. Sie haben sich iPads, iPhones und Laptops zugelegt, um unsere Services ideal nutzen zu können.“, lächelt Fredrik. Kinder werden mit Hilfe von mySugr im Umgang mit ihrer Diabetes Krankheit früher selbstständig.

Wer steckt dahinter?

mySugr wurde von Fredrik Debong, Frank Westermann, Gerald Stangl und Michael Forisch gegründet. Neben Fredrik wollte auch Frank seine Diabetes besser in den Griff bekommen und die vorhandenen Daten besser nutzbar machen. Gerald hat das Team mit seinem Hintergrund in Design und Usability durch den Entwicklungsprozess geführt, um die richtigen Lösungen zu finden. Michael leitet das Qualitätsmanagement, das bei Medizinprodukten besonders wichtig ist. Das Team ist mittlerweile auf rund 30 Personen angewachsen, 10 davon leben selbst seit Jahren mit Diabetes.

Wie finanziert sich mySugr?

Für die Nutzer von mySugr ist die mySugr Tagebuch App kostenfrei, ein Upgrade zu mySugr Pro enthält eine Vielzahl an Features, Funktionen und Services und kann monatlich oder für ein Jahr gekauft werden. Wer bei der SVA versichert ist, bekommt die mySugr Academy, die durch die österreichische Diabetesgesellschaft zertifiziert wurde, rückerstattet. Kunden wie Sanofi Aventis, Medtronic, Roche und Abbott integrieren die mySugr Services mit ihren eigenen Diabetes Produkten.

Förderungen erhielt mySugr von AWS und für die Entwicklung des Importers auch von der FFG. Seit 2012 ist auch Business Angel Johann „Hansi“ Hansmann als Investor mit an Bord. Das Startup hat Wettbewerbe wie beim Techcrunch Pitch, bei Hasso Plattner Ventures in Belgien und beim Webit Congress in Istanbul gewonnen und dadurch viel Validierung erhalten.

Der mySugr Importer scannt die Messdaten von Blutzuckermessgeräten, Foto © mySugr

mySugr finanziert sich noch nicht von selbst, weswegen das Startup erst kürzlich eine Finanzirungsrunde von 4,2 Millionen Euro abgeschlossen hat. Als Investoren sind Roche Venture Fund, iSeed Ventures und XLHealth dabei.

Und wie geht es weiter?

Nach der großen Finanzierungsrunde möchte mySugr vor allem wachsen. Es sollen weitere Sprachen dazukommen, um einen noch besseren Service bieten zu können. Die Academy gibt es seit gut einer Woche mobil für IOS. Ein weiteres neues Produkt steht ebenfalls kurz vor dem Launch. Das Startup bekommt außerdem immer mehr Anfragen von Ärzten, Pharmafirmen, Versicherungen und Spitälern, um in Kooperation den vielen Diabetes Patienten das Leben zu erleichtern.

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