Viennale: US-Filmwissenschafter Thom Andersen in Wien

www.viennale.at
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Der US-Filmwissenschafter und Filmemacher Thom Andersen präferiert „The Rock“ gegenüber Arnold Schwarzenegger und mag David Lynch erst, seit er ihn als „nicht künstlerisch, sondern vulgär und trashig“ einschätzt.

Pedro Costa gehört zu seinen Lieblingsfilmemachern, David Lynch lernte er erst kürzlich durch „Inland Empire“ zu schätzen, weil er „realisierte, dass dessen Filme nicht künstlerisch, sondern vulgär und trashig“ zu sehen seien. Und Arnold Schwarzenegger? „Mir ist ’The Rock’ lieber. Der wäre vermutlich auch der bessere Gouverneur.“ Thom Andersen ist einer der heimlichen Stars der Viennale 07. Sein Film „Los Angeles Plays Itself“ (2003) lief am Samstagabend im Rahmen der Retrospektive „Der Weg der Termiten“ – und das Filmmuseum war natürlich ausverkauft.

Andersen untersucht die Abbildung von Los Angeles im Film im Vergleich zu den realen Verhältnissen in der Stadt – und lässt dabei an Klassikern wie „Blade Runner“ oder „L.A. Confidential“ kein gutes Haar. „Auf gewisse Weise war ich inspiriert vom Genre der Fake-Doku oder was man gemeinhin einen unverlässlichen Erzähler nennt“, erzählte der Filmwissenschafter im Gespräch mit der APA. „Und auch wenn ich immer wieder übertreibe, im Endeffekt gibt es nichts in dem Film, hinter dem ich nicht immer noch stehe.“

Man müsste den Film inzwischen aber auf den neuesten Stand bringen, so Andersen, der seine subjektive Sicht im Film gar nicht zu verstecken sucht. Zum Oscar-Preisträger „L.A. Crash“ etwa hätte der 1943 in Chicago Geborene heute einiges zu sagen: „Gute Absichten sind gefährlich, und Leute mit schlechten Absichten sind plötzlich die Guten – das ist so zynisch.“ Aber auch Hollywoods Verhältnis zur modernen Architektur habe sich mittlerweile geändert, ergänzt der US-Amerikaner, der selbst in einem Haus des österreichisch-amerikanischen Architekten Rudolph Schindler lebt.

Los Angeles selbst ist für Andersen „eine hässliche Stadt. Aber das ist auch ihr Charme, vor allem wenn man dort wohnt.“ In der Stadt selbst habe er sich durch seinen Film den Ruf eines „civic patriot“ erworben. „Ich interessiere mich inzwischen mehr für die politischen Aspekte im Film als für die Filme selber, etwa Wohnprobleme oder das Verhalten der Stadtoffiziellen.“ In deren Hintern wolle er „ein Stachel“ sein, lächelte Andersen. Auch im jenen von Schwarzenegger? „Es ist kompliziert, über ihn zu sprechen. Vieles was er sagt, ist recht amüsant.“

Was sagt er dazu, wenn Jane Fonda Schwarzenegger in Wien für seine Umweltpolitik lobt? „Bullshit. Sogar George W. Bush redet über globale Erwärmung und kündigt an, was zu tun. Das ist in Kalifornien genau gleich – aber das bleibt alles an der Oberfläche.“ Schwarzeneggers Politik sei „künstlich, ein reiner Fake“, und seine Wahl nur ein Zeichen für den „pathologischen Zustand des politischen Systems in Kalifornien“. Und mit einem Augenzwinkern: “’The Rock’ hat in vier Jahren mehr erreicht als Schwarzenegger in 40 Jahren.“ Darum wolle er den wrestlenden Action-Star, mit bürgerlichem Namen Dwayne Johnson, bald als Gouverneur sehen.

Nur Lob hat Andersen für die Viennale: „Es ist eines der demokratischsten und egalitärsten Festivals weltweit.“ Allen Filmemachern und allen Filmen würde gleich begegnet, alle würden mit Respekt behandelt, und es gebe ein umfassend interessiertes Publikum – das sei auf den meisten anderen Festivals, auch in Rotterdam oder Toronto, nicht der Fall. „Ich bin immer glücklich, wenn ich nach Wien kommen kann. Ich denke, die Viennale ist für Filmemacher eines der am wenigsten traumatisierenden Festivals auf der Welt.“

Einen neuen Film hat Andersen nicht geplant. „Ich habe nie finanzielle Unterstützung für meine Filme erhalten, den letzten hab ich von meinen eigenen Ersparnissen für die Pension finanziert.“ Das werde er künftig nicht mehr machen, also werde es voraussichtlich auch keine Filme mehr von ihm hier zu sehen geben. Und auch das Buch, das über „Los Angeles Plays Itself“ geplant war, sei „weiterhin nicht mehr als ein Plan“. Auch wenn das jetzt bitter klinge, sehe er sich nicht als Pessimisten im Hinblick auf die Zukunft des Kinos. „Ich bin immer gespannt, was als Nächstes kommt.“

(Das Gespräch führte Daniel Ebner/APA)

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