viennacontemporary startet in der Wiener Marx Halle

Die viennacontemporary startet in der Wiener Marx Halle.
Die viennacontemporary startet in der Wiener Marx Halle. - © APA (Sujet)
Zum dritten Mal gastiert die Kunstmesse viennacontemporary in der Wiener Marx Halle. 110 Galerien aus 27 Ländern präsentieren bis inklusive Sonnte die Arbeiten von über 500 Künstlern. Geht es nach dem Leitungsteam, soll das Kunstevent in den kommenden Jahren noch an Bedeutung zulegen: “Wir sind hier, um zu bleiben.”

So formulierte es Renger van den Heuvel, Geschäftsführer der viennacontemporary, bei der Pressekonferenz am Mittwoch. An einigen der unzähligen Stände wurde noch letzte Hand angelegt, dennoch kann die Einhaltung des Zeitplans als voller Erfolg verbucht werden, immerhin war vergangene Woche ein Feuer in der denkmalgeschützten Marx Halle gelegt worden. Zu sehen ist von den Schäden allerdings nichts, wurde der vorgelagerte Eingangsbereich doch großzügig mit Stoffbahnen ausgestattet – höchstens ein feiner Rauchgeruch liegt noch in der Luft.

Ist man in den Räumlichkeiten der Messe selbst, ist davon allerdings nichts mehr zu bemerken, hier geht alles seinen üblichen Weg: Erneut setzt man auf einen Mix aus jungen und etablierten Künstlern, stammt gut ein Drittel der Galerien aus Osteuropa und wurde auch der Skandinavien-Schwerpunkt (“Nordic Highlights”) fortgeführt. Der Solo-Bereich ist skulpturalen Arbeiten gewidmet und ein Fokus liegt auf ungarischer Kunst. “Seit vier Jahren haben wir uns das vorgenommen, heuer konnten wir es schließlich realisieren”, erklärte die künstlerische Leiterin Christina Steinbrecher-Pfandt. Ergänzt wird das Angebot mit einem umfangreichen Talk-Programm, Führungen und einer Familienecke. “Wir setzen auf ein breites Publikum, um viele Leute für Kunst und Kultur zu gewinnen.”

Bereits jetzt stehen zwei Künstler als Sieger fest: Die Estin Anu Vathra erhält das Artproof Produktionsstipendium für Fotografie, das mit 5.000 Euro dotiert ist. Und der irakisch-deutsche Installationskünstler Hiwa K ist Empfänger des gemeinsam mit dem mumok ausgelobten und erstmals vergebenen viennacontemporary Cinema Preis, der auch eine Präsentation im mumok umfasst. Die Videoschiene der Messe selbst ist dem Thema “Mein kleines Glück” gewidmet und umfasst Filme von mehr als einem Dutzend Künstler, darunter natürlich auch Hiwa K.

Sehr gewichtig gibt sich die Galerie Thaddaeus Ropac: Passend zur im April eröffneten London-Dependance, zeigt der Galerist vier britische Bildhauer, darunter Tony Cragg und seine 500 Kilogramm schwere Onyx-Figur “Sail”. Wenige Schritte weiter ist der Berliner Galerie Kow eine der überzeugendsten und abwechslungsreichsten Präsentationen gelungen, von intensiver Banlieue-Fotografie (Tobias Zielonys “Quartiers Nord”) bis zu einer lustvollen Zwei-Kanal-Installation von Candice Breitz (“Double Karen (Close To You)”), die Schlagercharme versprüht.

Unkonventionell im Umgang mit Struktur und Materialien auch die Künstler bei der Gesellschaft für projektive Ästhetik (vormals Georg Kargl Fine Arts): Hier setzt sich Ines Lombardi mit der Charakteristik von Pixel auseinander und offenbart Mark Dion seinen Sammeltrieb, sind in einer Kiste mit einem ausgestopften Dachs doch zig kleine Objekte angeordnet (“The Collector at Rest”). Stellvertretend für eine heuer oft anzutreffende reduzierte Formen- und Farbsprache steht Linda Hofvander bei Cecilia Hillström Gallery: Endlose Schleifen und sanfte Übergänge sind in ihren teils großformatigen Bildern präsent.

Der internationale Anspruch ist der viennacontemporary in jedem Fall anzumerken. Mit der Messe sei man bereits unter den Top-20-Anbietern weltweit, betonte Vorstandsvorsitzender Dmitry Aksenov. “Besonders die letzte Woche hat uns auch gezeigt, wie viel Unterstützung wir hier haben. Wir wollen unsere Erfolgsgeschichte weiterführen.” Die Entwicklung der vergangenen Jahre sei “ein Momentum, das wir nutzen möchten”, so Aksenov. Das Commitment des Leitungsteams für die viennacontemporary sei ungebrochen und man wolle die eigene Vision weiter verfolgen. “Unser Ziel ist, in fünf Jahren zu den Top-5-Messen weltweit zu gehören.”

Ein zusätzliches Asset ist heuer der “VC CultTech Hackathon”, bei dem seit dem gestrigen Dienstag acht Startup-Unternehmen Antworten auf Probleme von Kunst- und Kulturinstitutionen suchen. “Wir wollen einen Weg in die Zukunft aufzeigen”, ist Aksenov von der Aktualität des Vorhabens, dessen Ergebnisse am Donnerstag auf der Messe präsentiert werden, überzeugt. Und die Zukunft der viennacontemporary selbst? Die scheint gesichert. “Wir haben fixierte Termine für die kommenden fünf Jahre”, so Van den Heuvel. Kommendes Jahr rechne man wieder mit der Marx Halle als Location. “Die Verträge sind zwar noch nicht unterschrieben, aber wir sind zuversichtlich, dass wir hier sind.”

(APA/Red)

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