Vielfalt statt Skandal: Heimische Popszene feierte sich beim Amadeus

Während sich der Echo mit einem handfesten Antisemitismus-Eklat ins Abseits manövriert hat, galt beim österreichischen Pendant Donnerstagabend: Vielfalt statt Skandal. Die 18. Verleihung der Amadeus Austrian Music Awards im Wiener Volkstheater kannte nicht einen großen Gewinner, stattdessen wurden die Trophäen ziemlich gleichmäßig und in Eintracht verteilt.

Nicht nur deshalb strich Moderatorin Conchita, die eingangs in einem Medley u.a. Falco hochleben ließ, die Sympathiewerte der Gala hervor. Schließlich gehöre der Abend “der Vielfalt der österreichischen Musikszene”. Mit gewohnt kecken Worten und ebensolcher Frisur führte die Song-Contest- und mehrfache Amadeus-Gewinnerin souverän und amüsant durch die insgesamt ziemlich unaufgeregte Show, bei der sich zwei Acts schlussendlich doch etwas absetzen konnten.

Wanda und Bilderbuch doppelt geehrt

Wanda freute sich über zwei Prämierungen. APA ©

Denn Wanda und Bilderbuch, seit Jahren Garanten für volle Hallen und Spitzenplätze in den Charts, wurden mit jeweils zwei Preisen geehrt: Wanda freuten sich über den Song des Jahres (“Columbo”) sowie die Auszeichnung in der Kategorie Pop/Rock. “Von Herzen vielen Dank”, meinte dazu Sänger Marco Michael Wanda. “Dass wir das tun dürfen, was wir eigentlich gar nicht können, ist ein Wunder.” Nicht persönlich anwesend, aber trotzdem erfolgreich waren Bilderbuch: Das Quartett sicherte sich die Preise für den besten Liveact sowie gemeinsam mit seinem Studioteam für den besten Sound (“Magic Life”).

Wie schön die eigene Profession ist, unterstrichen wiederum Leyya stellvertretend für viele der Anwesenden. “Wir haben unseren Traumberuf zum Beruf gemacht. Und positives Feedback bestärkt natürlich, weiterhin Musik zu machen”, so Marco Kleebauer in einem eingespielten Video, mit dem Alternative-Preis in Händen. Wie auch die weiteren Gewinner in den Genre-Kategorien bereits vor der Gala zu kurzen Statements gebeten wurden. Gottfried Würcher vom Nockalm Quintett hielt dabei fest: “Wir werden etwas mehr richtig gemacht haben als sonst.” Dafür gab es die Auszeichnung im Segment Schlager/Volksmusik. Grund zur Freude hatten auch das Duo Möwe (Electronic/Dance) und die Rocker von Kaiser Franz Josef (Hard & Heavy).

“Brechen aus alten Mustern aus”

Eine Kategorie stand nach dem Eklat um die Rapper Kollegah und Farid Bang beim Echo besonders im Fokus: Hip-Hop/Urban. Hier setzte sich RAF Camora durch. Für den in Wien aufgewachsenen Musiker, der mittlerweile in Berlin lebt, war es der zweite Amadeus. Wirklich thematisiert wurde die Diskussion allerdings nichts, es gab auch keinen Zuspieler vom Preisträger. Dass Rap aber nicht nur mit dem Präfix Gangsta daher kommen muss, sondern durchaus für reflektiert-gewitzte Sprachkunst mit Niveau steht, bewies stattdessen Yasmo, die neben ihrer Klangkantine unzählige Musikerinnen auf die Bühne und damit ins Rampenlicht holte. “Man kann uns nicht übersehen”, betonte die Rapperin. “Also brechen wir aus alten Mustern aus!”

Seitenhiebe von Conchita

Conchita Wurst bei einem Auftritt. APA ©

Ganz vorbei ging das Ende des Echo an der Gala trotzdem nicht, setzte es doch nicht nur von Conchita einige dezente Seitenhiebe darauf, sondern hatte der Verband der österreichischen Musikwirtschaft IFPI den Schritt der deutschen Kollegen bereits am Nachmittag als “sehr klare Entscheidung” bezeichnet und gleichzeitig darauf verwiesen, dass die Amadeus-Nominierten je zur Hälfte durch Verkaufserfolg und Jury bestimmt werden. Folglich seien Probleme wie in Deutschland “noch nie in dieser Dimension” aufgetreten. Nachsatz: “Aber ganz ausschließen wird man eine Diskussion um die Kunstfreiheit und ihre Grenzen nicht können.”

Zurück zum Preis selbst: Einen solchen gab es nämlich auch für Farewell Dear Ghost (FM4-Award), 5/8erl in Ehr’n (Jazz/World/Blues) und die Folkshilfe, die als Songwriter des Jahres (“Mir laungts”) prämiert wurde. Die höchst prestigeträchtige Auszeichnung für das Album des Jahres sicherten sich Pizzera & Jaus, bereits im Vorjahr zweifach erfolgreich, für ihr Debüt “Unerhört solide”. “Es ist unglaublich geil”, freute sich Paul Pizzera. Und den bewegenden Abschluss der Gala bildete der posthume Lebenswerkpreis für den im Vorjahr verstorbenen Austropop-Musiker Wilfried Scheutz. Regisseur Rudi Dolezal gedachte seinem Freund, der so vieles in der heimischen Musikszene beeinflusst und mitangestoßen habe. “Egal in welchem Projekt er gewirkt hat, es war immer typisch Wilfried. Oder eigentlich untypisch Wilfried. Oder noch besser: beides.”

(APA)

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