Vergewaltigungsversuch im Wiener Flüchtlingsheim: Freispruch im Zweifel

Der 17-jährige Afghane wurde im Zweifel freigesprochen.
Der 17-jährige Afghane wurde im Zweifel freigesprochen. - © APA (Sujet)
Wegen eines angeblichen Vergewaltigungsversuchs in einer Wiener Flüchtlingsunterkunft musste sich am Mittwoch ein 17-jähriger Afghane vor dem Landesgericht verantworten. Der Prozess endete mit einem Freispruch im Zweifel: “Wir haben das Gefühl, dass jeder hier gelogen hat”, begründete Richterin Beate Matschnig das nicht rechtskräftige Urteil des Schöffengerichts.

Angeklagt war der 17-jährige, weil er am 30. April versucht haben soll, seine zwei Jahre jüngere Landsfrau zum Geschlechtsverkehr zu zwingen. Als sich das Mädchen heftig zur Wehr setzte, ließ er schließlich von diesem ab, so der Staatsanwalt.

Prozess um angeblichen Vergewaltigungsversuch in Wien-Ottakring

Dieser stützte seine Anklage auf die Schilderungen des Mädchens. Dieses war sehr früh aufgestanden, um sein Zimmer in der Unterkunft in Ottakring aufzuräumen. Plötzlich kamen der 17-Jährige und dessen Freund in den Raum. Da sie Letzteren nicht wirklich kannte, schickte sie ihn aus dem Zimmer. Mit der “Begründung”, sie hätte mit seinem Freund geschlafen, forderte der Angeklagte daraufhin ebenfalls Sex. Doch das Mädchen wehrte sich heftig und rief noch eine Freundin an, die die Ereignisse mithören konnte und dies auch vor Gericht bestätigte.

Doch die Freunde des Angeklagten sagten ihrerseits aus, man habe die gesamte Nacht gemeinsam mit Kartenspielen und dem Rauchen einer Wasserpfeife verbracht. Das Mädchen wäre zwar einige Zeit dabei gewesen und dann verärgert gegangen, als ihr der 17-Jährige “zum Spaß” die Hand verdreht hatte.

Schöffen und Berufsrichter konnten sich nicht für eine Version der Geschehnisse entscheiden. Laut Matschnig habe man somit im Zweifel einen Freispruch zu fällen gehabt. Aber auch wenn man der Anklage gefolgt wäre, sei ein Rücktritt vom Versuch denkbar gewesen. Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab, weshalb das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Die Jugendliche lebt übrigens noch immer in der selben Flüchtlingsunterkunft mit dem 17-Jährigen und dessen Familie zusammen. Nach ihrer Aussage habe sie es in den vergangenen Monaten nicht gerade leicht gehabt.

(apa/red)

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