Van Morrison live in Wien: Folkrock, Jazz, Blues und Soul von seiner ehrlichen Seite

Van Morrison in der Stadthalle
Van Morrison in der Stadthalle - © APA/GEORG HOCHMUTH
Der große Van Morrison hat am Montag, den 8. Juni in Wien einen kleinen, aber feinen Klub eröffnet: Die Location liegt zwischen Märzpark und Vogelweidplatz und hat bisher Stadthalle geheißen.

Ein intimer Raum für eine kleine Schar von gut 5. 000 Musik-Enthusiasten, die sich von grandiosen Songs ohne irrlichterndem Beiwerk begeistern ließen.

Musik von seiner ehrlichen Seite

Größer könnte der Unterschied nicht sein: Wo vor kaum mehr als zwei Wochen die Songcontest-Teilnehmer mit großteils unerheblichem Liedmaterial, aber furioser optischer Inszenierung – in jedem Sinn des Wortes – blendeten, da steht jetzt ein alter Mann in schwarzem Nadelstreif mit schwarzem Hut und der obligaten Sonnenbrille auf der statisch beleuchteten Bühne, umrahmt von optisch gleichfalls unauffälligen Musikern – und fasziniert mit jedem einzelnen Song.

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Statt Computer-gestreamlinetem Performance-Spektakel gibt es einen viel zu kurzen Abend lang: ehrliche Musik, stilsicher pendelnd zwischen Folkrock, Jazz, Blues und Soul. Und: Allen Erfahrungen zum Trotz macht es dem bald 70-Jährigen offensichtlich auch noch Spaß, seine Fans live mit Highlights wie “Baby, please don’t go”, “Ancient Highway”, “Precious Time” und – natürlich – “Brown Eyed Girl” zu beglücken. Denn eigentlich ist Auf-Tournee-Gehen ja nicht so seins, wie der introvertierte Trotzdem-Star jahrelang durch vergrantelte Auftritte bewiesen hat.

Van Morrison gastiert in Wien

Häufig greift Van Morrison an dem Abend zu Saxofon und Mundharmonika, weit mehr als nur eine Reminiszenz an seine Anfänge bei der Band The Monarchs im nordirischen Belfast in den 1960ern. Faszinierend auch, wie er auf der Bühne mit geringstem Aufwand musikalische Spannung erzeugt – obwohl er in Wahrheit wohl in all den Jahren mehr singender Poet als poetischer Sänger ist. Ganz zum Schluss musste aber auch noch ein fetziger Abgang her: “Gloria” in einer extended Version mit großartigem Gitarrensolo und viel fuzzy Sound von der uralten Hammond D3-Holzkiste. Einziger Wermutstropfen: Nach diesem Höhepunkt gönnte der große alte Mann seinem Publikum nicht eine einzige Zugabe.

(APA)

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